Luiselli, L. (2006): Food niche overlap between sympatric potential competitors increases with habitat alteration at different trophic levels in rain-forest reptiles (omnivorous tortoises and carnivorous vipers). – Journal of Tropical Ecology 22(6): 695-704.

Die Überlappung der Nahrungsnischen zwischen sympatrisch vorkommenden potentiellen Nahrungskonkurrenten vergrößert sich mit der Habitatveränderungen auf den verschiedenen trophischen Niveaus bei Reptilien des Regenwaldes (omnivore Schildkröten und karnivore Vipern).

DOI: 10.1017/S0266467406003634

Der Vergleich von sympatrisch vorkommenden Reptilienarten wurde dazu herangezogen, um das Überlappen der trophischen Nischen (Jagdgründe) für zwei potentielle Nahrungskonkurrenten auf verschiedenen trophischen Niveaus zu studieren. Omnivore Schildkröten und karnivore Vipern, die den Regenwald von Westafrika besiedeln, wurden als Modelltiere für diese Studien verwendet. Die Überlappung der ökologischen Nahrungsnische zwischen beiden Spezies vergrößerte sich mit den Habitatveränderungen (z. B. Regenwaldabholzung) in beiden unabhängigen Studiensystemen, nämlich einmal für den Vergleich der Schildkröten untereinander (Kinixys homeana und Kinixys erosa) und zweitens für die Vipern (Bitis gabonica und Bitis nasicornis), wobei sich für beide Systeme niedrigere Werte für den Pianka's-Nischenüberlappungsindex (definierte Rechenmodellgröße) für die natürlichen Habitate im Vergleich zu jenen, die für die veränderten Habitate modelliert worden waren, ergaben. Die gefundenen Unterschiede waren nicht zufällig wie die Monte Carlo-Simulation zeigte. Es ergaben sich auch höhere Interhabitatnischen-Überlappungen innerhalb der Speziespaare als zwischen den Speziespaaren. Permutationstests (erhoben nach 5000 Iterationen) zeigten, dass für beide Studiensysteme, die P-Werte mit abnehmender Anzahl der Ressourcen signifikant kleiner wurden, so dass wirklich gezeigt werden kann, dass sich die Überlappungszone der Nahrungsnischen zwischen den Arten nach Habitatveränderung (Verarmung) ausdehnt. Es ist vorhersagbar, dass die gefundenen Vergrößerungen für die Überlappung der Nahrungsnischen, die mit der Regenwaldzerstörung einhergehen, kumulative Effekte nach sich ziehen und eine Reduktion der Biodiversität im „Regenwald“ verursachen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Modellrechnungen, die anhand guter ökologischer Befunde hier vorgenommen wurden, sind ein wichtiger Bestandteil für das Arterhaltungsmanagement. Bislang sind ja die meisten Studien zur Erfassung der ökologischen Bedingungen für die verschiedensten Spezies an möglichst noch intakten Habitaten durchgeführt worden, weil man eben nach Möglichkeit verlässliche Daten für die natürlichen Lebensräume haben wollte. Deshalb gibt es für manche Arten durchaus solche Daten, aber da sie meist für unveränderte Habitate gelten, so zeigt diese Studie, sind sie nicht direkt auf schon gestörte Habitate zu übertragen. Für das Management solcher Restregenwaldhabitate hat das praktische Konsequenzen, denn wie die Studie zeigt, brauchen die dort lebenden Reptilien größere Areale, um sich ernähren zu können.

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