Kalifornische Gopherschildkröte, Gopherus agassizii, – © H. Bradley Shaffer
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Sandmeier - 2025 - 01

Sandmeier, Franziska C., Kiara Olson, Angelina Martin & Taylor Urban (2025): Memory responses to ovalbumin-immunization in Mojave desert tortoises. – Developmental and Comparative Immunology 164: 105322.

Gedächtnisreaktionen des Immunsystems auf Ovalbumin-Immunisierung bei Mojave-Wüstenschildkröten.

DOI: 10.1016/j.dci.2025.105322 ➚

Kalifornische Gopherschildkröte, Gopherus agassizii, – © H. Bradley Shaffer
Kalifornische Gopherschildkröte,
Gopherus agassizii,
© H. Bradley Shaffer

Wir haben drei Gruppen von Mojave-Wüstenschildkröten (Gopherus agassizii) immunisiert: eine Gruppe, die zweimal immunisiert wurde, eine Gruppe, die einmal immunisiert wurde, und eine Gruppe, die scheinimmunisiert wurde. Wir verwendeten das Antigen Ovalbumin (OVA) mit Freud‘schem Adjuvans, um Antikörperreaktionen so stimulieren, die denen ähneln, die durch extrazelluläre Bakterien ausgelöst werden. Alle Schildkröten verfügen über einen relativ hohen Anteil an B1-Lymphozyten und natürlichen Antikörpern (NAbs), und das Ziel dieser Studie war es, die Aktivität der B2-Lymphozyten (Antikörperproduktion und potenzielle Proliferation) zu quantifizieren, die bei Primär- und Sekundärimmunisierungen gegen diese konstitutive, erste Linie der humoralen Abwehr auftritt. Konkret haben wir zwei Arten von induziertem immunologischem Gedächtnis getestet. Dazu gehörten ein erhöhter langfristiger Anstieg von OVA-spezifischen induzierten Antikörpern sowie Merkmale von B2-Gedächtniszellen, wie z. B. eine erhöhte Anzahl von zirkulierenden OVA-spezifischen Zellen, eine erhöhte Antikörperproduktion und -avidität sowie eine Proliferation in Gegenwart von OVA. Die Sekundärreaktionen waren schneller, jedoch ohne Erhöhung des Antikörpertiters oder der Avidität. In beiden Gruppen kam es zu einem langfristigen Anstieg der Antikörper. In allen drei Gruppen fanden wir keinen Einfluss der Immunisierung (vor vs. nach) oder der Anzahl der Immunisierungen (0, 1, 2) auf die Anzahl der OVA-stimulierten B-Zellen. Wir fanden eine Auswirkung der Immunisierung, aber nicht der Anzahl der Impfungen, auf die Menge der von den B-Lymphozyten sezernierten Antikörper. Dies deutet auf ein hohes konstitutives Niveau zirkulierender B1-Lymphozyten hin, die durch eine Immunisierung stimuliert werden können. Wir fanden keine Hinweise auf B2-Gedächtnis-Lymphozyten, da die Zellen nicht zur Proliferation angeregt werden konnten. Kontrolltiere bestätigten, dass die NAbs aufgrund des B1-Lymphozyten-Primings mit dem Adjuvans zunahmen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier wird gezeigt, dass man Schildkröten durchaus Impfen kann und das eine solche Impfung die humorale Abwehr steigern kann. Wie lange eine solche Impfung mit B1-Lymphozytenstimulierung anhält, müsste noch weiter untersucht werden, da man bislang keine B2-Gedächtnislymphozyten nachweisen konnte. Letzteres bedeutet aber noch nicht, dass es zu gar keiner immunstimulierten Gedächtnisbildung kommt, denn die könnte ja auch anders als wir es von Säugern kennen geregelt werden. Siehe dazu auch Zimmerman (2020) und López-Pérez et al. (2020).

Literatur

López-Pérez, J. E., P. A. Meylan & J. M. Goessling (2020): Sex-based trade-offs in the innate and acquired immune systems of Sternotherus minor. – Journal of Experimental Zoology Part A: Ecological and Integrative Physiology 333(10): 820–828 oder Abstract-Archiv.

Zimmerman, L. M. (2020): Adaptive Immunity in Reptiles: Conventional Components but Unconventional Strategies. – Integrative and Comparative Biology 62(6): 1572-1583; DOI: 10.1093/icb/icac022 ➚.

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