Farke, C.M., K. Olek, W. M. Gerding & C. Distler (2015): Multiple paternity and sperm storage in captive Hermann’s tortoises, Testudo hermanni boettgeri determined from amniotic fluid adhering to the eggshell. – Mol Cell Probes. doi: 10.1016/j.mcp.2015.05.009.

Der Nachweis von multiplen Vaterschaften und Spermaspeicherung bei in Gefangenschaft gehaltenen Griechischen Landschildkröten, Testudo hermanni boettgeri anhand der an den Eischalen anhaftenden Amnionflüssigkeit.

Wir identifizierten multiple Vaterschaften bei 52,9 % der Gelege von Griechischen Landschildkröten Testudo hermanni boettgeri unter Verwendung polymorpher Mikrosatellitenmarker. Zusätzlich konnten wir zeigen, dass es zu saisonübergreifenden Spermaspeicherungen kam. Die dazu verwendete DNS wurde aus der Amnionflüssigkeit – die innen an der Eischale von frisch geschlüpften Schlüpflingen anhaftete – extrahiert, wobei es sich um eine leicht durchzuführende, nicht invasive Methode zur DNS-Gewinnung handelt. Diese Methode ist sowohl für Erhaltungszuchten als auch in regulären Zuchtprogrammen anwendbar. Um den Informationsgehalt unser Datensätze aus den monomorphen Einzel-Tandem-Wiederholungs-Markern (SRT, single tandem repeat) zu optimieren, analysierten wir zusätzlich Unterschiede bei den Einzelnukleotidpolymorphismen (SNP).

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun wissen wir es also auch für T. h. boettgeri, dass es zu multiplen Vaterschaften kommt, wie wir es für viele Arten bereits kennengelernt haben (siehe dazu Abstract-Archiv online). Auch hier zeigte sich, dass man sowohl die Mütter als auch die Väter für Schlüpflinge bzw. Nachzuchten auf nicht invasive Weise anhand der den Eierschalen anhaftenden Amnionflüssigkeit nachweisen kann. Dazu muss letztere nicht flüssig sein, das geht auch wenn sie angetrocknet ist. Deshalb kann man zumindest für Exemplare seltener, strenggeschützter Nachzuchten durchaus auch nach Eierschalen fragen, denn man kann nicht nur die Eltern molekulargenetisch daran ausfindig machen, sondern natürlich auch später nachweisen, ob dieser Schlüpfling aus diesem Ei stammt! Ja und weil geschmuggelte junge Schildkröten wohl in den seltensten Fällen mit dazu passender Eierschale hierzulande angeboten werden dürften kann es für den Käufer solcher Tiere fast keine bessere Versicherung geben, um später einmal nachzuweisen, dass er oder sie wirklich ein Nachzuchttier guten Gewissens erworben hat. Selbst für den Züchter kann es von Vorteil sein, wenn er sich einen Teil der Eierschale zurückbehält, die er einer bestimmten CITES-Bescheinigung zugeordnet hat, denn sollte mal beim Käufer eine Verwechslung oder Unstimmigkeiten vorgekommen sein, kann er immer noch nachweisen lassen, ob das unter der CITES-Nr. angegebene Tier wirklich sein ehemaliger Schlüpfling ist. Zumindest wären solche Daten wesentlich eindeutiger als zum Verwechseln ähnliche Fotos (siehe auch Cutulli et al. 2012, Mucci et al. 2014 und Shamblin et al. 2011). Tja und wie die Arbeit von Shamblin et al. (2011) zeigt ist die Methode durchaus schon vorher bekannt gewesen.

Literatur

Cutulli, G., S. Cannicci, M. Vannini & S. Fratani (2012): Influence of mating order on courtship displays and stored sperm utilization in Hermann’s tortoise (Testudo hermanni hermanni). – Behav. Ecol. Sociobiol. Doi 10.1007/s00265-012-1447-8 oder SiF 10 (1) 2013.

Mucci, N., C. Mengoni & E. Randi (2014): Wildlife DNA forensics against crime: Resolution of a case of tortoise theft. – Forensic Science International: Genetics. 8 (1): 200–202 oder SiF 2/2014.

Shamblin, B. M., M. G Dodd, K. L. Williams, M. G. Frick, R. Bell & C. J. Nairn (2011): Loggerhead turtle eggshells as a source of maternal nuclear genomic DNA for population genetic studies. – Molecular Ecology Resources 11: 110–115 oder SiF 8 (3) 2011.

Seitenanfang