Laporte, M., C.-O. S. Beaudry & B. Angers (2013): Effects of road proximity on genetic diversity and reproductive success of the painted turtle (Chrysemys picta). – Conservation Genetics 14: 21–30.

Auswirkungen der Nähe zu Straßen auf die genetische Diversität und den Reproduktionserfolg bei der Zierschildkröte (Chrysemys picta).

Straßen haben einen hochgradigen Einfluss auf Wildtiere. Reptilien sind davon besonders betroffen, da sie von Straßen angezogen werden und kaum Mechanismen entwickelt haben, die ihnen eine effektive Flucht vor Autos ermöglichen. Zum Beispiel sind eine hohe Anzahl der auf Straßen getöteten Wasserschildkröten Weibchen, da sie den unbefestigten Straßenrand als Nistplatz bevorzugen. Allerdings sind Straßen nicht nur für Adulte gefährlich, sondern sie haben auch Auswirkungen auf das Überleben der Gelege und gefährden den Populationszuwachs. In dieser Arbeit untersuchten wir die direkten Auswirkungen von Straßen auf den Reproduktionserfolg bei Wasserschildkröten. Die Zierschildkröte (Chrysemys picta) wurde aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Populationsdichte im Vergleich zu anderen gefährdeten Arten gewählt. Vorkommensorte, die nahe an (< 100 m) an Straßen lagen, und solche in natürlichen Gebieten (> 500 m) wurden in drei geographisch entfernt gelegenen Ökoregionen getestet. Wir bestimmten die Diversität von Mikrosatellitenloki für nukleäre und mitochondriale Genome, um die Größe der vorhandenen Verwandtschaftsgruppen als Abschätzung für den Reproduktionserfolg einzelner Weibchen zu erfassen. Eine vergleichbare Diversität der nukleären Marker würde dann auf einen vergleichbaren historischen und demographischen Hintergrund zwischen den Populationen hinweisen. Allerdings standen eine niedrigere mitochondriale Diversität und höhere Durchschnittswerte und eine höhere Varianz bei der Größe der Verwandtschaftsgruppen wie auch eine niedrigere Anzahl von Verwandtschaftsgruppen in sehr engem Zusammenhang mit der Nähe zu Straßen. Die Ergebnisse zeigten klar, dass im Vergleich den Populationen in natürlichen (straßenfernen) Gebieten in den nahe an Straßen lebendenen Populationen eine geringere Anzahl Weibchen Mütter der vorgefundenen Jungen waren, was dazu führte, dass in Straßennähe weniger, aber größere Familiengruppen auftraten. Wir vermuten ähnliche Ergebnisse auch für Populationen, die direkt am Straßenrand nisten. Absperrungen oder Zäune, die verhindern, dass Individuen die Straße erreichen können, sollten die Populationen vor diesen Einflüssen schützen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit bestätigt selbst auf genetischer Ebene den erhöhten Verlust an Weibchen und belegt klar, dass Straßen nicht nur Landschaften und Biotope fragmentieren (Kuo & Janzen 2004, Marsack & Swanson 2009), sondern insbesondere in den weiblichen Linien zur genetischen Verarmung der Populationen führen. Welche Folgen so etwas langfristig neben dem oft angeführten Populationsrückgang haben kann, deutet auch die Arbeit von Velo-Anton et al. (2012) an, denn damit ist Inzucht vorprogrammiert. Siehe auch Iosif et al. (2013) und die dort kommentierte Literatur.

Literatur

Iosif, R., L. Rozylowicz & V. D. Popescu (2013): Modeling road mortality hotspots of Eastern Hermann’s tortoise in Romania. – Amphibia-Reptilia DOI: 10.1163/15685381-00002878 oder Abstract-Archiv.

Kuo, C.-H. & F. J. Janzen (2004): Genetic Effects of a Persistant Bottleneck on a Natural Population of Ornata Box Turtles (Terrapene ornata). – Conservation Genetics 5 (4): 425–437 oder in Schildkröten im Fokus 2 (2) 2005.

Marsack, K. & B. J. Swanson (2009): A Genetic Analysis of the Impact of Generation Time and Road-Based Habitat Fragmentation on Eastern Box Turtles (Terrapene c. carolina). – Copeia 2009 (4): 647–652 oder Abstract-Archiv.

Velo-Anton, G., C. G. Becker & A. Cordero-Rivera (2012): Turtle Carapace Anomalies: The Roles of Genetic Diversity and Environment. – PLOS ONE 6 (4): e18714, DOI: 10.1371/journal.pone.0018714 oder Abstract-Archiv.

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