Iosif, R., L. Rozylowicz & V. D. Popescu (2013): Modeling road mortality hotspots of Eastern Hermann’s tortoise in Romania. – Amphibia-Reptilia DOI: 10.1163/15685381-00002878.

Modellierung der „Hotspots“ des Straßentods für die östliche Griechische Landschildkröte in Rumänien.

Straßen-assoziierte Mortalität kann zu einer erheblichen lokalen Abnahme von Wildtierpopulationen führen, und Managementinstitutionen sind bemüht, Maßnahmen zu deren Vermeidung einzurichten, insbesondere dort, wo potentielle Gefährdungsorte lokalisiert sind. In dieser Studie verwendeten wir ein Räumliches-Explizit-Modell als Simulationsansatz zur Modellierung und Abschätzung an welchen Straßenabschnitten für die östlichen Griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni boettgeri) die Stellen des höchsten Gefahrenpotentials (Hotspots) für das Überfahrenwerden innerhalb ihres Verbreitungsgebiets in Rumänien liegen. Wir begannen mit Freilandexperimenten, in denen wir die Geschwindigkeit ermittelten, mit denen Schildkröten Straßen überqueren. Dabei zeigte sich, dass adulte Männchen dies schneller tun als Weibchen (3.98 m/min vs. 2.51 m/min), was dazu führt, dass die Wahrscheinlichkeit des Überfahrenwerdens für Weibchen auf Straßen mit viel Verkehr höher liegt als für Männchen (0.61 für Weibchen vs. 0.44 für Männchen bei einer Verkehrsdichte von 7000 Fahrzeugen pro Tag und Straße). Beide, Männchen und Weibchen hatten eine gleich hohe Gefährdungswahrscheinlichkeit bei einem Verkehrsaufkommen von unter <1.000 oder über >35.000 Fahrzeugen pro Tag. Unser räumliches Explizit-Modell zeigt, dass vermutlich innerhalb des gesamten Verbreitungsgebiets in Rumänien für die Schildkröten eine Wahrscheinlichkeit überfahren zu werden von 1,6 % besteht, was allein schon negative Auswirkungen auf die Populationen haben kann. Unter Anwendung der Getis-Ord Gi Statistik identifizierten wir so genannte Hotspots für die Straßenmortalität mit Mortalitätsraten zwischen 5–30 % an den Orten, wo die Vorkommensgebiete von Nationalstraßen und Europastraßen mit hohem Verkehrsaufkommen durchtrennt werden. Unsere Untersuchungen sind zeitgemäß und kommen hoffentlich noch rechtzeitig, da in Rumänien die Prognosen für viele Straßen mit derzeit noch niedrigem Verkehrsaufkommen davon ausgehen, dass das Verkehrsaufkommen mit dem zunehmenden Tourismus ansteigen wird, was die Wahrscheinlichkeit ansteigen lässt, dem Verkehr zum Opfer zu fallen. Wir empfehlen daher Maßnahmen zur Vermeidung wie entsprechende Beschilderungen und Straßenrandabzäunungen mit entsprechenden Unterführungen, die dazu beitragen, das Gefährdungspotential an diesen Hotspots für diese bedrohte Art zu minimieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit, die hier wirklich einmal, wenn auch anhand von Simulationen und Modellabschätzungen den Straßentod für Landschildkröten zu quantifizieren versucht. Aus meiner Einschätzung heraus gar nicht einmal so unrealistisch, denn wenn ich mich erinnere, dass wir entlang eines ca. 200 m langen Küstenstraßenabschnitts allein drei Landschildkrötenkadaver fanden (Bidmon 2013), dann erscheint das schon viel, zumal diese Kadaver ja nicht allzu lange liegen und meist von Möwen und Rabenvögeln relativ zügig abgeräumt werden. Insofern belegt diese Arbeit gut, was andere auch schon beobachtet haben (siehe Loehr 2012), der selbst auf den wesentlich weniger befahren Straßen Südafrikas solche Hotspots des Todes ausfindig machen konnte. Siehe auch Aresco 2005; Stehen et al. 2006 und Kommentare). Deshalb wundert es mich schon, dass gerade in Südspanien andere Ursachen für den Landschildkrötenrückgang verantwortlich sein sollen (Perez et al. 2012). Ich denke, hier geht man von den falschen Voraussetzungen aus, denn ich könnte mir vorstellen, dass es den Landschildkröten eher wie unseren Igeln ergeht, die zwar in unseren Gärten noch durchaus gute Überlebensbedingungen finden, aber eben auch oft dem zunehmenden Straßenverkehr zum Opfer fallen.
Und was man langfristig auch nicht vergessen sollte ist, dass erste molekulargenetische Arbeiten andeuten, dass dies durchaus auch mit einer Abnahme der genetischen Variabilität einhergeht (Laporte et al. 2013), was über lange Zeiträume zur Erhöhung der Inzuchtrate mit vielleicht sogar morpho-pathologischen Konsequenzen beitragen kann (Velo-Anton et al. 2012).

Literatur

Aresco, M. J. (2005): The effect of sex-specific terrestrial movements and roads on the sex ratio of freshwater turtles. – Biological Conservation 123: 37–44 oder Abstract-Archiv.

Bidmon, H-J. (2013): Schildkröten in den Dünen entlang des Ropotamo: Ein Lebensraum geprägt von ausgiebigem Morgentau zwischen Sand und Eichenlaub. – Schildkröten im Fokus, Bergheim 10 (1): 25–34..

Laporte, M., C.-O. S. Beaudry & B. Angers (2013): Effects of road proximity on genetic diversity and reproductive success of the painted turtle (Chrysemys picta). – Conservation Genetics 14: 21–30.

Loehr, V. J. T. (2012): Road Mortality in the Greater Padloper, Homopus femoralis (Testudinidae). – Chelonian Conservation and Biology 11 (2): 226–229 oder Abstract-Archiv.

Perez, I., A. Tenza, D. J. Anadon, J. Martinez-Fernandez, A. Pedreno & A. Gimenez (2012): Exurban sprawl increases the extinction probability of a threatened tortoise due to pet collections. – Ecological Modelling 245: 19–30 oder Abstract-Archiv.

Stehen, D. A., M. J. Aresco, S. G. Beilke, B. W. Compton, E. P. Condon, C. K. Dodd, H. Forrester, J. W. Gibbons, J. L. Greene, G. Johnson, T. A. Langen, M. J. Oldham, D. N. Oxier, R. A. Saumure, F. W. Schueler, J. M. Sleeman, L. L. Smith, J. K. Tucker & J. P. Gibbs (2006): Relative vulnerability of female turtles to road mortality. – Animal Conservation 9 (3): 269–273 oder Abstract-Archiv.

Velo-Anton, G., C. G. Becker & A. Cordero-Rivera (2012): Turtle Carapace Anomalies: The Roles of Genetic Diversity and Environment. – PLOS ONE 6 (4): e18714, DOI: 10.1371/journal.pone.0018714 oder Abstract-Archiv.

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