Hidalgo-Vila, J., C. Díaz-Paniagua, A. Ribas, M. Florencio, N. Pérez-Santigosa & J. C. Casanova (2008): Helminth communities of the exotic introduced turtle, Trachemys scripta elegans in southwestern Spain: Transmission from native turtles. – Research in Veterinary Science 86 (3): 463-465.

Die Helminthengemeischaft der exotischen eingeführten Schildkröte, Trachemys scripta elegans im südwestlichen Spanien: Übertragungen von einheimischen Schildkröten

Wir berichten über die Prävalenz und Vielfalt der helminthischen Parasiten (Würmer), die sich in einheimischen, aus drei Lokalitäten im südwestlichen Spanien stammenden Mauremys leprosa und Emys orbicularis, und wir beschreiben die Helminthengemeinschaften der exotischen Schildkröte, Trachemys scripta elegans, die dort wild mit beiden einheimischen Arten koexistiert. Fünf Nematodenspezies wurden identifiziert, wobei Serpinema microcephalus die einzige Spezies war, die in zwei der Lokalitäten vorkam, obwohl sich die Infektionsparameter (Häufigkeit, für jede Schildkrötenspezies) zwischen beiden Orten unterschied. Dies ist der erste Bericht über eine Kreuzübertragung (Kreuzinfektion) von S. microcephalus und Falcaustra donanaensis von einheimischen auf exotische Schildkröten und zudem der Erstnachweis für die Gattung Physaloptera bei Schildkröten der palearktischen Region. Das kontinuierliche Aussetzen von exotischen Haustierschildkröten in die Ökosysteme wildlebender einheimischer Arten steigert das Risiko der Einschleppung und Verbreitung von Parasiten und deren Übertragung auf einheimische Schildkrötenarten. Letzteres zeigt, wie wichtig und notwendig eine Regulierung des Schildkrötenhandels in Europa wird.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit konnte zwar nicht den Nachweis erbringen, dass Rotwangen-Schmuckschildkröten nun Parasiten auf die wildlebenden, einheimischen Sumpfschildkröten übertragen haben, denn in diesem Fall wurde das genaue Gegenteil nachgewiesen. Alle Schmuckschildkröten waren wenn, dann von den Würmern der einheimischen Arten besiedelt. Allerdings ist damit auch klar belegt, dass die oft so betonte Artspezifität der Parasiten für nur eine oder wenige Wirtsspezies so nicht zutrifft. Insofern haben die Autoren durchaus recht, wenn sie auf die Gefahr verweisen, dass auch Parasitenspezies von exotischen Arten auf einheimische Schildkröten übertragen werden können, insbesondere wenn es sich bei den exotischen Arten um Wildfänge handelt. Ein Grund, warum hier die Schmuckschildkröten nur von einheimischen Parasiten besiedelt waren, kann daran liegen, dass importierte Schmuckschildkrötenschlüpflinge seit Jahren aus Zuchtfarmen stammen und so noch keinen Kontakt zu ihrer eigentlichen Parasitenfauna hatten. Dennoch besteht hier eine Gefahr, denn durch die zusätzlich eingeschleppten Tiere erhöht sich auch die Anzahl der Wirte für die Parasiten, so dass diese dann ein noch größeres Vermehrungspotential entfalten können, was letztendlich auch die Infektionsrate für alle Schildkröten einschließlich der Einheimischen ansteigen lassen kann.(Siehe auch: Zelmer, D. A. & T. R. Platt (2008): Structure and similarity of helminth communities of six species of Australian turtles. – Journal of Parasitology 94 (4): 781-787 oder Abstract-Archiv; Tkach, V. V., S. D. Snyder & J. A. Vaughan (2008): A new species of blood fluke (Digenea: Spirochiidae) from the malayan box turtle, Cuora amboinensis (Cryptodira: Geomydidae) in Thailand. – Journal of Parasitology 95 (3): 743-746. oder Abstract-Archiv).

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