Helke, K. L. & S. L. Poynton (2005): Myxidium mackiei (Myxosporea) in Indo-Gangetic flap-shelled turtles Lissemys punctata andersonii: parasite-host interaction and ultrastructure. – Diseases of Aquatic Organisms 63(2-3): 215-230.

Myxidium mackiei (Myxosporea) in der Ganges-Weichschildkröte Lissemys punctata andersonii: Parasiten – Wirtsinteraktionen und Ultrastruktur

DOI: 10.3354/dao063215

Myxospora sind häufige Parasiten in Fischen und eher selten in Amphibien, Reptilien und Everbraten zu finden. Sie können aber schwere Erkrankungen und Mortalität hervorrufen.
Die Vertreter der häufig gefundenen Gattung Myxidium kann das Exkretionssystem (Harnwege) von Schildkröten infizieren, allerdings gibt es kaum Angaben zur Pathogenität in diesen Wirtstieren. Wir präsentieren neue Erkenntnisse zur Morphologie und Aspekte der Ultrastruktur zur Wirt-Parasiten-Interaktion bei Myxidium-Infektionen im Rahmen unserer neueren diagnostischen Untersuchungen an in Gefangenschaft gehaltenen Süßwasserschildkröten, die im Anhang II des CITES Abkommens gelistet sind. Dabei untersuchten wir den Tod zweier adulter Lissemys punctata andersonii aus einem Zoo. Nach der post-mortem Untersuchung wurden Gewebe für die Histopathologie vorbereitet, und es wurden spezielle Färbungen zur Darstellung der Morphologie der Sporen von Myxosporiden eingesetzt. Zusätzlich wurde Nierengewebe immersionsfixiert in Formalin und für die Elektronenmikroskopie eingesetzt. Beide Weichschildkröten waren mit der Art Myxidium mackiei infiziert, wobei die Nieren befallen waren, wodurch etwa 5-10 % der proximalen Tubuli (vordere Nierenkanälchen) verschlossen wurden. Die polysporenhaltigen (vielsporigen) Plasmodien enthielten Paare sich entwickelnder oder ausgereifter Sporen. Jede spindel-förmige ausgereifte Spore hatte 2 asymmetrisch angeordnete Klappen (1 überlappende, 1 überlappte) mit etwa 10-13 und 10-14 Graten pro Klappe und 2 polaren Kapseln mit je einem polar angelegtem Filament mit 4 bis 5 Windungen. Ein Sporenpaar, jedes umgeben von einer membrangebundenen, elektronen-durchlässigen Matrix, wurde in einer Zelle innerhalb des Plasmodiums vorgefunden. Die Region zwischen Parasit und Wirt wurde durch die gewellte Parasitenoberfläche eingenommen unter der man eine aktive Pinozytosetätigkeit (Stofftransport, Nahrungsaufnahme) darstellen konnte, eingebettet war das ganze zwischen den Wirtsmikrovilli (Zellmembranausstülpungen der Schildkrötennierenzellen) und den endocytotischen Kanälchen der Nierenepithelzellen. Die Mikrovilli der infizierten Nierenepithelzellen waren häufig abgeknickt und zusammengepresst oder fehlten schon ganz. Es wurden keine weiteren pathologischen Veränderungen festgestellt, die durch den Parasiten induziert waren. Unser Befund von M. mackiei in L. punctata ist der Erstnachweis für diese Wirtsspezies. Beide Schildkröten hatten zusätzlich blasse, gelbliche Knötchen (bakterielle Granuloma) in der Lunge, im Herz, den Nieren und der Skelettmuskulatur und waren zusätzlich mit Kokzidien der Gattung Eimeria sp. in mehren Organen infiziert. Die Todesursache einer Weichschildkröte war Septikämie, die der anderen konnte nicht klar festgestellt werden.

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