Farias, I. P, A. Jerozolimski, A. Melo, V. M. das Neves, M. Martins & L. A. dos Santos Monjeló (2007): Population genetics of the Amazonian tortoises, Chelonoidis denticulata and C. carbonaria, (Cryptodira: Testudinidae) in an area of sympatry. – Amphibia-Reptilia 28 (3): 357-365.

Populationsgenetik der amazonischen Landschildkröten Chelonoidis denticulata und C. carbonaria (Cryptodira: Testudinidae) für ein Areal, in dem sie sympatrisch vorkommen

Wir unternahmen eine populationsgenetische Analyse für die zwei amazonischen Landschildkröten Chelonoidis denticulata (n = 40) und Chelonoidis carbonaria (n = 39) innerhalb einer Region des Xingu-Flusstals, wo beide sympatrisch (gemeinsam) vorkommen. Ein hohes Maß an Genfluss zwischen den einzelnen Lokalitäten zeigte, dass es vermutlich bei den beiden Arten keine Popopulationsstruktur gibt. Die genetischen Parameter lassen ein moderates Ausmaß an genetischer Diversität bei C. denticulata vermuten, und die Neutralitätstests lassen vermuten, dass die Populationen dieser Spezies sich in einem demographischen Gleichgewicht in Bezug auf ihre mitochondriale DNS befinden. Andererseits ergab sich für C. carbonaria eine sehr niedrige genetische Diversität, aber ein Signal für eine Expansion der Population. Die meisten Standortangaben für C. denticulata beziehen sich auf feuchte Waldhabitate während für C. carbonaria Standorte mit halbtrockenen Laub abwerfenden Wald und Übergangsgebieten zwischen feuchtem und halbtrockenen Wald beschrieben werden. Deshalb könnten die Hinweise für eine demographische Expansion, die wir bei den C. carbonaria Populationen beobachteten die Zunahme bei der Verfügbarkeit geeigneter Habitate für diese Spezies widerspiegeln, die durch anthropogene oder natürliche Prozesse gegeben sind. Zusätzlich beobachteten wir einen Austausch von Haplotypen zwischen den beiden Landschildkrötenspezies, was andeutet, dass es zur Hybridbildung kommt oder dass beide Linien sich bislang nur unvollständig auseinander entwickelt haben.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier wieder ein Hinweis, dass Genfluss bis hin zur Hybridbildung bei unterschiedlichen Spezies unter natürlichen Bedingungen vorkommen kann, wie dies für eine ganze Reihe von Spezies auch schon bei Vinke & Vinke (2003, Vermehrung von Landschildkröten.) zusammengefasst wurde. Welche Rolle diese Möglichkeit zur Hybridisierung für diese Wirbeltiergruppe im Laufe ihrer Evolution und weltweiten Verbreitung gespielt hat – und vielleicht auch heute noch spielt oder spielen würde (wenn man sie ließe) –, ist unklar. Dennoch sollten wir uns sehr gut überlegen, inwieweit wir die Möglichkeiten des ungehinderten (natürlichen?) Genflusses dieser Tiergruppe im Rahmen von Managementmaßnahmen beschneiden wollen. Zumindest dort, wo die Populationsgrößen unter kritische Werte abgesunken sind, könnte das langfristig zu Problemen führen. (siehe Kommentar zu: Spinks & Shaffer (2007): Conservation phylogenetics of the Asian box turtles (Geoemydidae, Cuora): mitochondrial introgression, numts, and inferences from multiple nuclear loci. – Conservation Genetics 8 (3): 641-657 oder Abstract-Archiv).

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