Santoro, A., J. M. Chambers, B. C. Ebner & S. J. Beatty (2023): Climate change affects the early-life history of a freshwater turtle in a severely drying region. – Austral Ecology 48(6): 2205-2229.
Der Klimawandel beeinflusst die frühen Lebensstadien einer Süßwasserschildkröte in einer stark von Austrocknung betroffenen Region.
DOI: 10.1111/aec.13456 ➚
Süßwasserschildkröten gehören zu den gefährdetsten Gruppen der Wirbeltiere. Der Klimawandel stellt eine der Hauptgefahren für diese Arten dar und er betrifft alle Lebensstadien. Derzeit gibt es aber nur unzureichende Erkenntnisse darüber, wie der Klimawandel die Umweltbedingungen verändert, die sich auf den Schlupf und auf das Verlassen des Nests auswirken. Dies hat auch einen wesentlichen Einfluss für die Vorhersagen, wie der Klimawandel sich auf das Hineinwachsen von Jungschildkröten in die jeweiligen Populationen auswirken wird. Die südwestliche Schlangenhalsschildkröte (Chelodina oblonga) lebt endemisch im südwestlichen Australien in einem sogenannten globalen Biodiversität-Hotspot der einer heftigen klimatisch bedingten Austrocknung unterliegt. Das Ausbleiben von Jungtierzuwachs wird für etliche Spezies und Populationen vermutet. Allerdings fehlen bislang Daten dafür, wie die Veränderungen in der Umwelt das Hinwachsen von Jungtieren in die Population beeinflussen. Diese Studie zielte darauf ab: 1. die Inkubationsdauer zu erfassen und den Schlupferfolg bei C. oblonga zu ermitteln, 2. Zu bestimmen, ob die Spezies einen synchronen Schlupf und ein synchrones Verlassen des Nests zeigt oder ob dies asynchron passiert und 3. um eine quantitative Erfassung dafür zu erstellen, wie sich die Temperaturen und die Regenfälle auf das Verlassen der Nester auswirken. Mit diesen Informationen soll die Studie aufzeigen, wie sich die Klimabedingte Austrocknung und die Erwärmung auf die frühe Lebensphase von C. oblonga auswirkt. Zwischen 2018 und 2020 wurden die Nistplätze rund um ein großes urbanes Feuchtgebiet überwacht, wobei wöchentlich der Eientwicklungs- und Schlüpflingsstatus erfasst wurde. Die Inkubationsdauer und das Verlassen des Nests wurde ermittelt und es wurden generalisierte lineare Modelle entwickelt, um zu berechnen, wie sich die Temperatur und/oder Regenfälle in Bezug auf die Vorhersagen für das Verlassen des Nests auswirken. Die Schlüpflinge verließen das Nest entweder direkt nach dem Schlupf oder sie überwinterten in den Nestern und sowohl der Schlupf als auch das Verlassen des Nests erfolgten asynchron. Beide Perioden für das Verlassen des Nests waren positiv mit der Temperatur und den Niederschlägen assoziiert. Diese Studie zeigt, dass die Inkubationsdauer, der Schlupferfolg sowie das Überleben der Schlüpflinge sehr wahrscheinlich von den derzeitigen und zukünftigen Klimaveränderungen beeinflusst werden und besonders von Austrocknungsereignissen abhängen. Erwärmung und Dürre werden global für viele gemäßigte Regionen vorhergesagt und es bleibt daher wichtig, dass deren Einflüsse auf die frühen Lebensstadien von Süßwasserschildkröten einem besseren Verständnis zugeführt werden.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Eine schöne Arbeit. Die Einleitung listet die bislang beschrieben Strategien der Schlüpflinge in Bezug auf das Verlassen der Nester und in Bezug auf die Überwinterungsstrategien an Land oder im Wasser oder im Nest. Die Arbeit enthält ausführliche Tabellen zur Verdeutlichung der Daten und die Diskussion stellt heraus, dass es zwar eine deutlich weiter Spanne in Bezug auf die Inkubationszeit bei dieser Population gibt als dies in einer früheren Studie (1981) beschrieben wurde, dass es aber in Bezug die frühesten Schlupfereignisse Veränderungen gab, da diese fast einen Monat früher auftraten als 1981. Ebenso wird herausgestellt, dass die Habitatverkleinerungen durch Urbanisierung dazu führten, dass mehr Nester auch auf urbanisierten Flächen angelegt wurden, wobei diese Flächen meist wärmer sind als die naturbelassenen Habitatregionen. Bei dieser Spezies scheint im Gegensatz zu etlichen anderen australischen Arten sowohl der Schlupf als auch das Verlassen des Nests asynchron zu erfolgen. Die Studie lässt darauf schließen, dass sich viele Faktoren, von denen sich auch einige gegenüber den früheren Studien schon verändert haben, auf die Gelege und die Schlüpflinge einwirken. Allerdings, wie mir scheint, bleiben zu viele Fragen offen, um aus den Daten schon klare kontextabhängige Schlussfolgerungen ziehen zu können.