Lindeman - 2020 - 01

Lindeman, P. V. (2020): Comparative Reproductive Allometry of Syntopic Black-Knobbed Sawbacks (Graptemys nigrinoda) and Alabama Map Turtles (Graptemys pulchra) in the Alabama River, with Comparison to Three Congeners. – Chelonian Conservation and Biology 19(2): 246-255.

Die vergleichende Reproduktionsallometrie bei zwei syntopisch vorkommenden Landkarten-Schildkröten, der Schwarzknopf- (Graptemys nigrinoda) und der Alabama-Höckerschildkröte (Graptemys pulchra) im Alabamafluss, im Vergleich mit drei Gattungsverwandten.

DOI: 10.2744/CCB-1399.1 ➚

Bei vielen Süßwasserschildkrötenarten wird eine Zunahme bei der Größe der adulten Weibchen begleitet von einer Zunahme bei der Gelegegröße und der Eigröße. Denn Gelegegröße und Eigröße repräsentieren zwei konkurrierende Treiber für eine Vergrößerung des Abdominalraums (Bauchhöhle) der dann das Reproduktionspotential steigern kann, wenn die Weibchen an Größe zunehmen und beide Parameter stehen in einer hypoallometrischen Beziehung zur Körpergröße (z. B. da jeder Parameter etwas weniger an Größe zunimmt als die Rate mit der die Körpergröße zunimmt). Hier untersuchte ich die Reproduktionsallometrie bei zwei Arten der Höckerschildkröten der Gattung (Emydidae; Graptemys) die gemeinsam (syntop) im Alabamafluss leben. Im Vergleich zu anderen Vertretern der Gattung handelt es sich bei Graptemys nigrinoda um eine Art mit geringer Körpergröße und bei Graptemys pulchra um eine Spezies mit großer Körpergröße. Bei dieser Untersuchungspopulation waren adulte weibliche G. pulchra durchschnittlich 23 % länger (Plastronlänge) und 125 % schwerer (Körpermasse) und es gab keine Überschneidungen bei den Größen für die beiden Spezies. Bei beiden Spezies zeigte sich eine hypoallometrische Beziehung zwischen Gelegegröße plus Eigröße und Körpergröße. Es zeigte sich also ein vergleichbares Muster dieser Parameter wie es zuvor schon für drei weitere Vertreter dieser Gattung beschrieben worden war was zeigt, dass diese konkurrierenden sich vergrößernden Parameter gegen die „Optimale Eigrößen-Hypothese“ sprechen. Beim interspeziesspezifischen Vergleich anhand der Kovarianzanalyse ergaben sich keine signifikanten Effekte zwischen der jeweiligen Art und der Gelegegröße, wenn man die Daten mit der jeweiligen Plastronlänge in Beziehung setzt. Der Effekt in Bezug auf die Beziehung zwischen der jeweiligen Art und der jeweilgen Eigröße und der jeweiligen Größe der Beckengürtelöffnung war signifikant wobei G. pulchra relativ größere Eidurchmesser und auch die eine größere Beckengürtelöffnung aufwies was wahrscheinlich auch dazu beiträgt, dass deren Schlüpflinge einen höhergewölbten Carapax und eine größere Körpergröße aufweisen. Im Vergleich zu den drei schon beschriebenen Gattungsvertretern zeigen die beiden hier untersuchten Arten aus dem Alabamafluss relativ kleine Gelegegrößen mit relativ großen Eiern. Breitengrad-abhängige Auswirkungen auf die Reproduktionsleistung könnten bei Graptemys wichtig sein, da die nördlicheren Populationen dazu neigen größere Gelege mit kleineren Eiern abzulegen. Es besteht aber die Notwendigkeit noch mehr Daten von noch mehr Populationen mit Log-Logdateianalysen der Reproduktionsallometrie zu untersuchen um diesen Trend zu bestätigen. Zudem besteht die Notwendigkeit die Formallometrie bei zukünftigen Analysen mit zu berücksichtigen insbesondere auch die Hypoallometrie in Bezug zur Panzerbreite und der Carapaxhöhe im Vergleich zur Plastronlänge.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Frage die sich hier für mich stellt ist der Zweck solcher Studien und was sie uns zeigen? Denn eigentlich bräuchte man nicht unbedingt noch mehr Populationen zu untersuchen um die hier gezeigten Trends zu bestätigen, denn das eigentlich Interessante wäre doch zu untersuchen welche ökologischen Einnischungsfaktoren dazu beitragen, dass sich zwei syntop existierende Spezies solche Unterschiede ausdifferenzieren und welche treibenden Kräfte dafür sorgen, dass diese für beide und andere Spezies zutreffende Reproduktionsparametermuster sich entwickeln, denn erst die Beantwortung dieser Fragen würden doch zeigen welche weitreichendere Bedeutung das für die Populationsdynamiken und somit für das Überleben der untersuchten Arten hat.


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