Johnson, A. J., A. P. Pessier, J. F. Wellehan, A. Childress, T. M. Norton, N. L. Stedman, D. C. Bloom, W. Belzer, V. R. Titus, R. Wagner, J. W. Brooks, J. Spratt & E. R. Jacobson (2008): Ranavirus Infection of Free-Ranging and Captive Box Turtles and Tortoises in The United States. – Journal of Wildlife Diseases 44 (4): 851-863.

Ranavirusinfektionen bei frei lebenden und gefangenen Dosenschildkröten und Landschildkröten in den USA

Iridoviren der Gattung Ranavirus sind dafür bekannt, Massensterben auszulösen, die sowohl bei Fischen als auch bei Amphibien auftreten. Zudem gibt es einige sporadische Berichte über Infektionen bei Reptilien. Dieser Artikel beschreibt fünf Vorfälle von Ranavirusinfektionen bei Schildkröten, die sich zwischen 2003 und 2005 in Georgia, Florida, New York, und Pennsylvania, USA ereigneten. Betroffene Arten waren eine in Gefangenschaft gehaltene Burmesische Sternschildkröte (Geochelone platynota), eine frei lebende Gopherschildkröte (Gopherus polyphemus), frei lebende Östliche Dosenschildkröten (Terrapene carolina carolina) und eine Florida-Dosenschildkröte (Terrapene carolina bauri). Nachweise für Ranavirusinfektionen wurden auch in Archivmaterial gefunden, welches von vorhergehenden unerklärlichen Massensterben der Östlichen Dosenschildkröten in Georgia in 1991 und von Texas aus 1998 stammte. Bei allen infizierten Tieren fand sich eine nekrotisierende Stomatitis und/oder Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung), fibrinöse und nekrotisierende Splenitis (Milz) und multizentrische fibrinoide Vasculitis (Blutgefäße). Intrazytoplasmatische Einschlusskörper wurden selten in den befallenen Geweben beobachtet. Ein Teil des Major Capsidprotein (MCP)-Gens wurde von jedem Fall, der sich zwischen 2003-2005 ereignet hatte, sequenziert und die Befunde zeigten, dass die Sequenzen (420 Basenpaare) identisch waren und mit dem Froschvirus 3 (FV3) übereinstimmten. Ranavirusinfektionen wurden auch bei sympatrisch vorkommenden Amphibienspezies in zwei der betroffenen Lokalitäten mit infizierten Schildkröten nachgewiesen. Die Fragmentprofile der HindIII-verdauten gesamten genomischen DNS der Ranaviren, die aus einer toten Burmesischen Sternschildkröte und aus einem in unmittelbarer Nähe gefunden toten Südlichen Leopardfrosches (Rana utricularia) isoliert wurden, erwiesen sich als identisch. Die Isolate aus Dosenschildkröten hatten Fragmente mit einem niedrigen Molekulargewicht und diese fehlten in den Verdauungsprofilen von den anderen Virusisolaten. Die Ergebnisse deuten an, dass bestimmte Amphibien und Schildkröten vom selben Virus infiziert werden und dass unterschiedliche Viren innerhalb der verschiedenen Schildkrötenspezies vorkommen. Amphibien könnten als Reservoirwirte fungieren, von welchen aus die Viren dafür anfällige Schildkröten infizieren. Dieser Bericht zeigt auch, dass ein signifikanter Teil von Erkrankungen die mit dem Ranavirus assoziiert sind bei Schildkröten wesentlich weiter verbreitet sind, als dies früher angenommen wurde.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit fasst im Wesentlichen die Daten aus früheren Publikationen der Autoren zusammen, die schon kommentiert sind (siehe Johnson, A. J., A. P. Pessier & E. R. Jacobson (2007): Experimental Transmission and Induction of Ranaviral Disease in Western Ornate Box Turtles (Terrapene ornata ornata) and Red-Eared Sliders (Trachemys scripta elegans). – Veterinary 44 (3): 285-297 oder SiF 4/2007) Siehe auch: : Benetka, V., E. Grabensteiner, M. Gumpenberger, C. Neubauer, B. Hirschmüller & K. Möstl (2007): First report of an iridovirus (Genus Ranavirus) infection in a Leopard tortoise (Geochelone pardalis pardalis). – Wiener Tierärztliche Monatsschrift 94 (9-10): 243-248 oder Abstract-Archiv; De Voe, R., K. Geissler, S. Elmore, D. Rotstein, G. Lewbart & J. Guy (2004): Ranavirus-associated morbidity and mortality in a group of captive eastern box turtles (Terrapene carolina carolina). – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 35: 534-543 oder Abstract-Archiv.

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