Hallinger, M. J., A. Taubert, C. Hermosilla & F. Mutschmann (2018): Occurrence of health-compromising protozoan and helminth infections in tortoises kept as pet animals in Germany. Parasites & Vectors 11(1): 352.

Das Vorkommen gesundheitsbeeinträchtigender Protozoa- und Helmintheninfektionen bei Schildkröten die als Haustiere in Deutschland gehalten werden.

DOI: 10.1186/s13071-018-2936-z

Hintergrund
Exotische Reptilien wie die Schildkröten werden zunehmend weltweit als Haustiere gehalten und es ist bekannt, dass sie verschiedene gastrointestinale (Darm-) Parasiten enthalten können. Einige dieser Parasiten haben ein Übertragungspotential (Zoonose). In der vorliegenden Erfassung untersuchten wir Kotproben von Schildkröten (n = 1005) von 19 verschiedenen Schildkrötenspezies parasitologisch. Die Schildkröten stammten aus deutschen Privathaltungen und aus zoologischen Gärten.

Methoden
In Kochsalzlösung gelöste Kotproben wurden als Ausstriche benutzt um Daten über potentiell gesundheitsbeeinträchtigende Parasiten des Verdauungstrakts nachzuweisen. Zusätzlich wurden komplette Sektionen von verstorbenen Schildkröten (n=49) zur Abschätzung von Endoparasiten genauer ausgewertet.

Ergebnisse
Die analysierten Kotproben enthielten ein breites Spektrum an Endoparasiten. Wir fanden zehn Taxa an Endoparasiten: oxyuride Nematoden (z. B. Tachygonetria spp.) waren die häufigsten Parasiten der Kotproben (43.18%) gefolgt von Ascariden (Angusticaecum spp.) (0.01%), Hexamita spp. (0.007%), Balantidium spp. (0.007%), Trichomonaden (0.004%), Strongyloides spp. (0.003%), Entamoeba spp. (0.005%), Hartmanella spp. (0.001%), Blastocystis spp. (0.002%), Heterakiden (0.001%) und Trimitus spp. (0.001%). Zusätzlich untersuchten wir 49 tote Schildkröten (n = 49; die 10 verschiedenen Arten angehörten) für die ätiologische Diagnose und der Abschätzung der Endoparasitenbelastung. Von diesen Individuen waren 38 (77.6%) von Parasiten infiziert und 14 (28.6%) davon waren sehr wahrscheinlich an einer schweren Parasiteninfektion verstorben. Infektionen mit Oxyuriden waren positiv mit einem Kalziummangel und mit metabolischer Knochenerkrankung korreliert ebenso wie mit Nephrose/Nephritis hauptsächlich bei jungen Landschildkröten (< 5 Jahre).

Schlussfolgerung
Die Kochsalzkotausstrichstechnik erwies sich als ausreichend zum Nachweis von verschiedenen Parasitenstadien (Metazoen [vielzelligen]- und Protozoen) in Schildkrötenkotproben. Das Vorkommen von Oxyurideninfektionen war besonders häufig. In Kombination mit den pathologischen Befunden beim Vorliegen einer klinisch relevanten Oxyuridosis bei sezierten Tieren sprechen unsere Ergebnisse für detailliertere Untersuchungen zur Pathologie und Immunologie bei Haustierreptilien. Koprologische Analysen zum Nachweis von Parasiten sollten Pflicht sein bevor Schildkröten an neue Besitzer, zu neuen Tiergruppen oder an öffentliche und private Tierhaltungen oder Zoos übergeben werden. Wir empfehlen eine reguläre Überwachung von Schildkröten in menschlicher Obhut und wenn Parasiten diagnostiziert werden auch eine adäquate Medikation und entsprechende Hygienemaßnahmen um die individuelle wie auch die Populationsgesundheit zu gewährleisten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ob die Korrelation zwischen Oxyuridenbefall und Kalziummangel statistisch signifikant ist bleibt unklar und wohl eher eine Vermutung. Es dürfte daher wohl wahrscheinlicher sein, dass eine schlechte Haltung bzw. Ernährung auch mit verstärktem Parasitenbefall einhergehen kann. An dieser Stelle möchte ich aber nachgewiesenermaßen nochmals darauf hinweisen, dass hier der Begriff adäquate Medikation Erwähnung findet, denn immer wieder hört man auch heute noch, dass insbesondere Landschildkröten mit falschen Mitteln die sie nicht vertragen behandelt werden und es gar zu etlichen Todesfällen kurz nach der Behandlung kommt. Erst kürzlich bekam ich diesbezüglich wieder einen Anruf von einer besorgten Halterin der das passiert war. Vielleicht sollte man solche Thematiken wirklich mal bei den Kursen zu Erlangung der Bezeichnung: „Reptilienerfahren“ in den Vordergrund stellen. Denn manchmal hört man selbst von enttäuschten DGHT Mitgliedern äußerst Negatives.

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