Clark, N. J., M. A. Gordos & C. E. Franklin (2008): Diving behaviour, aquatic respiration and blood respiratory properties: a comparison of hatchling and juvenile Australian turtles. – Journal of Zoology 275: 399-406.

Tauchverhalten, aquatische Atmung und respiratorische Eigenschaften des Bluts: Ein Vergleich von Schlüpflingen und juvenilen australischen Wasserschildkröten

Australien besitzt eine Reihe bimodal atmender Wasserschildkröten, die die aquatische Atmung zur Ausdehnung ihres aeroben Tauchlimits nutzen. Da es Unterschiede zwischen den Spezies im Adultstadium bezüglich der Unterwasseratmung, ihres Tauchverhaltens und ihrer Ökologie gibt, sind solche Beziehungen für Schlüpflinge und juvenile Schildkröten unbekannt. Diese Studie vergleicht das Tauchverhalten, die Unterwasseratmung und die Bluteigenschaften bei Schlüpflingen und juvenilen Schildkröten von 5 australischen Schildkrötenspezies: Rheodytes leukops, Elusor macrurus, Elseya albagula, Elseya latisternum und Emydura signata. Beides, Tauchverhalten und die Physiologie, unterschieden sich signifikant zwischen den Spezies und den Altersklassen. Die Tauchdauer war bei R. leukops 17 Mal länger als bei allen anderen Spezies, wobei zwei Schlüpflinge für die gesamte Aufzeichnungszeit von 72 Stunden untergetaucht blieben. Diese lange für R. leukops aufgezeichnete Tauchdauer wurde unterstützt durch eine hohe Rate an aquatischer Atmung (63-73 %) begleitet von einer hohen Blut-Sauerstoff-Affinität (P-50=17,24 mmHg). Eine Korrelation zwischen Tauchdauer, Unterwasseratmung und den Bluteigenschaften wurde für die anderen Schildkrötenspezies nicht beobachtet. Obwohl es auch bei Elseya albagula und Elusor macrurus zu einer längeren Tauchdauer im Vergleich mit Emydura signata und Elseya latisternum kam, gab es bei diesen Arten keine Unterschiede im Prozentsatz der aquatischen Atmung und für die Blut-Sauerstoff-Affinität. Im Vergleich mit adulten Individuen (Daten aus früheren Studien), ergab sich, dass die Tauchdauer positiv mit der Körpergröße korreliert war bei Emydura signata, Elseya albagula und Rheodytes leukops, allerdings ergab sich eine negative Korrelation für Elseya latisternum und Elusor macrurus.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier sieht man, dass es auch klare physiologische und biochemische Anpassungen an die Umwelt gibt, die ein dem Lebensraum angepasstes Verhalten ermöglichen. Ja, die Studie lässt auch den Schluss zu, dass es in Bezug auf diese Anpassungen deutliche, artspezifische und altersspezifische Unterschiede gibt, die nicht monokausal sind, weil es eben keine einheitliche für alle Arten geltende positive Korrelation von Tauchdauer und Körpergröße zu geben scheint. Eine Beurteilung treffen zu können, warum das so ist, würde bedeuten, dass man Lebensraumanpassungen und die Selektionsdrücke, die dazu führten, für jede Art analysiert. Ein Aufwand, der oft die Möglichkeiten übersteigt. Allerdings und dies sei hier angemerkt, wenn die Betrachtung von nur 3 (Verhalten, Atmung, Bluteigenschaften) Parametern schon zu so gegenläufigen Resultaten führen, die letztendlich auch als Umweltanpassungen gesehen werden müssen, wie komplex mag da die wirkliche Erfassung und Interpretation der Umweltanpassungen im Evolutionsgeschehen erst ausfallen? (Siehe Kommentar zu Boyle, M. C. & C. J. Limpus (2008): The stomach contents of post-hatchling green and loggerhead sea turtles in the southwest Pacific: an insight into habitat association. – Marine Biology 155 (2): 233-241 oder Abstract-Archiv.

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