Phillips - 2013 - 01

Phillips, K. P., T. H. Jorgensen, K. G. Jolliffe, S. M. Jolliffe, J. Henwood & D. S. Richardson (2013): Reconstructing paternal genotypes to infer patterns of sperm storage and sexual selection in the hawksbill turtle. – Molecular Ecology 22(8): 2301-2312.

Die Rekonstruktion der väterlichen Genotypen, um die Muster der Spermaspeicherung und Geschlechterselektion bei der Echten Karettschildkröte zu ermitteln.

DOI: 10.1111/mec.12235 ➚

Echte Karettschildkröte, Eretmochelys imbricata, – © Enrico Marcovaldi
Echte Karettschildkröte,
Eretmochelys imbricata,
© Enrico Marcovaldi

Die postkopulatorische Spermaspeicherung kann mehrere Funktionen haben, einschließlich der Fertilitätsabsicherung durch verzögerte Befruchtung und einer Beschleunigung der sexuellen Selektion. Spermaspeicherung ist sehr wahrscheinlich besonders wichtig bei Tieren mit weit reichender Verteilung und niedrigen Populationsdichten, allerdings ist ihre Bedeutung für solche Taxa und die Faktoren, die die sexuelle Selektion fördern, kaum bekannt. Hier verwendeten wir einen zuverlässigen Mikrosatellitenarray zur väterlichen Genotyprekonstruktion, um die Vorkommenshäufigkeit der Spermaspeicherung zu erfassen und um die Hypothese der sexuellen Selektion zu testen, in Bezug zu Verschiebungen bei der Vaterschaft bei der stark gefährdeten Echten Karettschildkröte, Eretmochelys imbricata. Bei der Mehrheit der Weibchen (90,7 %, N=43) waren alle Nachkommen von nur einem Vater. In den wenigen Fällen einer multiplen Vaterschaft (9,3 %) gab es zwei Männchen, welche die Eier befruchtet hatten. Wichtig ist, dass die Identität und der proportionale Befruchtungserfolg der Männchen bei allen nacheinander während einer Nistsaison abgelegten Nestern, die von den jeweiligen Weibchen angelegt wurden (bis zu fünf Nester verteilt über 75 Tage), gleich hoch war. Es wurden keine Männchen ausfindig gemacht, die mehr als nur ein Weibchen befruchtet hatten, was nahe legt, dass den Weibchen eine große Auswahl an Männchen zur Verfügung steht. Es fanden sich keine Hinweise für eine Beschränkung bei der väterlichen Heterozygotie oder dem Verwandtschaftsgrad. Diese Ergebnisse zeigen, dass weibliche Echte Karettschildkröten innerhalb einer Nistsaison überwiegend monogam sind und dass sie das Sperma nur für eine Nistsaison speichern und sich auch nicht nochmals zwischen der Ablage der einzelnen Gelege einer Saison verpaaren. Außerdem scheinen die Weibchen die Spermaspeicherung nicht zur sexuellen Selektion zu nutzen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Spermaspeicherung bei Meeresschildkröten primär dazu dient, die Paarung von der eigentlichen Befruchtung zeitlich zu entkoppeln und energieverbrauchende Wiederholungspaarungen zwischen den Gelegen einer Nistsaison zu vermeiden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ein schönes Beispiel dafür, dass die verschiedensten Meeresschildkrötenarten zwar die multiple Vaterschaft realisieren können, sie aber nicht in jedem Falle nutzen (siehe dazu auch Lee & Hays 2004; Zbinden et al. 2007). Wie hier Falle der Echten Karettschildkröten scheint ja bei bis zu 5 Gelegen innerhalb von 75 Tagen (1 jede 2. Woche) auch kaum Zeit zu bleiben, immer noch rechtzeitig vor dem Einsetzen der Schalenbildung eine neue energieverbrauchende Kopulation zu gewährleisten. Hier scheinen wirklich Zeitmanagement und Energieeffizienz die evolutiven Kräfte darzustellen, die eine unisaisonale Spermaspeicherung erhalten.

Literatur

Lee, P. L. M. & G. C. Hays (2004): Polyandry in a marine turtle: Females make the best of a bad job. – Proceedings of the National Academy of Science of the U.S.A. 101(17): 6530-6535 oder Abstract-Archiv.

Zbinden, J. A., C. R. Largiadèr, F. Leippert, D. Margaritoulis & R. Arlettaz (2007): High frequency of multiple paternity in the largest rookery of Mediterranean loggerhead sea turtles. – Molecular Ecology 16(17): 3703-3711 oder Abstract-Archiv.

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