Paquette, S. R. & F.-J. Lapointe (2007): The use of shell morphometrics for the management of the endangered Malagasy radiated tortoise (Geochelone radiata). – Biological Conservation 134 (1): 31-39.

Der Gebrauch der Panzermorphometrie für das Management der gefährdeten madagassischen Strahlenschildkröte (Geochelone radiata)

Die Strahlenschildkröte (Geochelone radiata) ist eine bedrohte Art, die endemisch in den Dornbuschwäldern des südlichen Madagaskars lebt. Die größte Bedrohung besteht darin, dass diese Spezies illegal gesammelt wird und zwar für den Verzehr vor Ort und für fremde Märkte. Große Mengen von lebenden Individuen werden häufig beschlagnahmt, jedoch sind die Herkunftspopulationen, denen diese Tiere entstammen, in den meisten Fällen unbekannt. Unsere früheren Arbeiten haben drei genetisch distinkte Einheiten gefunden, die sich über das Verbreitungsgebiet dieser Art verteilen. Das Ziel der vorliegenden Studie war es eine Methode zu entwickeln, die es ermöglicht, Individuen von G. radiata den Ursprungspopulationen zuzuordnen und zwar anhand von morphometrischen Charakteren. Wir maßen dazu 39 variable Größen am Panzer von Schildkröten an sieben unterschiedlichen Standorten entlang des Verbreitungsgebiets der Art, um die morphologische Differenzierung zu erfassen. Wir benutzten eine PCA-basierte Methode, um die morphometrischen Daten zu analysieren und wir fanden drei distinkte Gruppen, die sich allein anhand der Formvariationen identifizieren ließen. Diskriminierungsfunktionen zeigten, dass 83 % aller Individuen korrekt klassifiziert und diesen drei Gruppen zugeordnet werden konnten. Die Abundanz (Vorkommenshäufigkeit) der Landschildkröten variiert für jede Lokalität sehr deutlich im Zusammenhang und dem Ausmaß der Ausbeutung durch den Menschen und sie war somit auch korreliert mit der morphometrischen Differenzierung der Populationen. Unsere Ergebnisse legen daher nahe, dass menschliche Aktivitäten möglicherweise eine Rolle in der jüngeren Evolution von Strahlenschildkröten gespielt haben. Die dargelegte Methode (zur Identifizierung) kann zu einem nützlichen Werkzeug zum Management von Strahlenschildkröten werden und könnte theoretisch auch auf jede andere Schildkrötenspezies übertragen werden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher eine sehr schöne Arbeit, die es insbesondere erlaubt, vor Ort ohne genetische Laboruntersuchungen beschlagnahmte Schildkröten ihren Herkunftspopulationen zuzuordnen. Aber sicher auch eine interessante Möglichkeit für zoologische Einrichtungen und Privathalter möglicherweise eine Zuordnung ihrer Tiere vornehmen zu können, denn messen kann jeder, und alles andere hängt vom persönlichen Geschick im Gebrauch eines Computers ab, denn der übernimmt nach Installation der entsprechenden Programme die Datenanalyse. Eine zweite sinnvolle und durchaus biologisch interessante Fragestellung ließe sich damit sicherlich auch angehen: Nämlich die Abklärung inwieweit die Haltungsbedingungen von Nachzuchten unter verschiedensten Bedingungen, Zoos, privat, Korsika, Spanien, Deutschland, USA und so weiter zu Veränderungen und zu Domestikationsformen führen. Sollte dem so sein – und damit ist nach verschiedensten Beobachtungen rechnen – könnten solche Methoden auch zur Feststellung von Nachzuchten genutzt werden, die man dann auch noch durch molekulargenetische Untersuchungen klar zuordnen könnte. (s. auch: Paquette et al. (2005): Molecular Ecology Notes 5 (3): 527-530 oder Abstract-Archiv).

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