Moon, J. C., E. D. McCoy, H. R. Mushinsky & S. A. Karl (2006): Multiple paternity and breeding system in the gopher tortoise, Gopherus polyphemus. – Journal of Heredity 97(2): 150-157.

Multiple Vaterschaften und das Vermehrungsverhalten bei der Gopherschildkröte, Gopherus polyphemus.

DOI: 10.1093/jhered/esj017

Wenig ist bis jetzt über das Reproduktionsverhalten und zu den Erfolgen der Paarungsaktivitäten bei der Gopherschildkröte (Gopherus polyphemus) bekannt. Wir untersuchten das Paarungs- und Reproduktionsverhalten einer Population von Gopherschildkröten in Zentralflorida. Wir verwendeten Mikrosatelliten-Marker (Genabschnitte), um den Schlüpflingen Väter zuzuordnen, die aus 7 Gelegen geschlüpft waren. Wir stellten fest, dass aus zwei der Gelege Junge schlüpften, die verschiedene Väter hatten. Wir beobachteten, dass es bei Gopherschildkröten zu mehrfachen Verpaarungen kommt, wobei aber die größten Männchen die Mehrheit der Gelege befruchten. Der Vorteil, den größere Männchen gegenüber kleineren haben, mag darin begründet sein, dass große Männchen während der aggressiven Auseinandersetzungen mit anderen häufiger den Streit um die Weibchen gewinnen. Es kann aber auch daran liegen, dass größere Männchen für die Weibchen attraktiver sind. Es gab eine Tendenz, dass bei den Gelegen, die von großen Weibchen abgelegt wurden, alle Nachkommen von nur einem Männchen stammten, während Gelege von kleineren Weibchen mehrere Väter aufwiesen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Letzteres legt nahe, dass die Weibchen, so fern sie sich es von der Größe und Konstitution her leisten können, ein bestimmtes Männchen auswählen, während schwächere Weibchen diese Wahlmöglichkeit in der Form noch nicht haben. Auf diese Weise könnten aber gerade noch junge Weibchen durch variablere Genkombinationen innerhalb ihrer Nachkommenschaft deren Anpassungsfähigkeit und Überlebenschancen anheben, sie vielleicht sogar unter bestimmten Umwelteinflüssen mit jener der großen Weibchen gleichsetzen: Denn unbestritten hat die genetische Variabilität gerade in Bezug auf die Anpassungsfähigkeit eine wichtige Bedeutung.
Aber auch hier wieder für die praktische Tierhaltung und den internationalen Artenschutz ein schönes Beispiel, dass solche Untersuchungen immer mehr zur Routinediagnostik werden und durchaus zur zweifelsfreien Identifizierung angeblicher Nachzuchten eingesetzt werden können. Siehe auch Paquette et al. (2005): Molecular Ecology Notes 5(3): 527-530 oder Abstract-Archiv.

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