Lolavar - 2020 - 01

Lolavar, A. & J. Wyneken (2020): The impact of sand moisture on the temperature-sex ratio responses of developing loggerhead (Caretta caretta) sea turtles. – Zoology 138: 125739.

Der Einfluss der Sandfeuchte auf das temperaturabhängige Geschlechterverhältnis bei sich entwickelnden Unechten Karettschildkröten.

DOI: 10.1016/j.zool.2019.125739 ➚

Unechte Karettschildkröte, Caretta caretta, – © Hans-Jürgen Bidmon
Unechte Karettschildkröte,
Caretta caretta,
© Hans-Jürgen Bidmon

Alle Arten von Meeresschildkröten zeigen ein kühleres Männchen-/wärmeres Weibchen–produzierendes Geschlechterverhältnis. Sowohl Freifeld- wie auch experimentelle Studien zum Geschlechterverhältnis bei Unechten Karettschildkröten legen nahe, dass seine erhöhte Sandfeuchte die Geschlechtsentwicklung durch einen Abkühlungseffekt und wahrscheinlich auch darüber hinaus beeinflusst. Somit untersucht diese Arbeit wie sich unterschiedliche Sandfeuchten auf die Temperatursensitivität der Embryonen auswirken. Über drei Jahre hinweg inkubierten wir die Eier von Unechten Karettschildkröten, Caretta caretta, bei unterschiedlichen Temperaturen von 28,0 °C bis 33.0 °C. Die Gruppen von Eiern wurden dabei bei drei volumetrisch unterschiedlichen Feuchtegehalten inkubiert: Niedrig, Mittelmäßig oder hoch. Die Temperatur innerhalb der Gruppen wurden an den Eiern während der gesamten Inkubationszeit aufgezeichnet. Die Schlüpflinge wurden dann 2-3 Monate aufgezogen und ihr Geschlecht wurde dann laproskopisch bestimmt. Wir kalkulierten Temperaturreaktionskurven für die Gruppen in Abhängigkeit zum Feuchtegrad. Die Pivotaltemperaturen veränderten sich nicht in Abhängigkeit zur Sandfeuchte bei den Gruppen. Die Temperaturbereiche für die Übergangstempertatur (TRT) von Männchen zu Weibchen waren aber schmaler bei den Eiern die bei hoher und niedriger Feuchte inkubiert worden waren als im Vergleich zu jenen die bei mittlerer Feuchte inkubiert worden waren. Die Ergebnisse dieser Untersuchung liefern essentielle Daten für das Verständnis wie Meeresschildkrötenembryonen direkt und indirekt auf Temperaturen reagieren die unter verschieden Feuchtebedingungen auf sie einwirken. Die derzeitigen Geschlechtsbestimmungsvorhersagen basieren auf Embryoreaktionen die sich ausschließlich auf Temperaturmessungen beziehen und könnten daher zu inkorrekten Vorhersagen der Geschlechterverhältnisse führen, wenn es zum Beispiel zu verstärkten Regenfällen oder Trockenphasen kommt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun, das Feuchte und im Fall von Inkubationssubstratfeuchte und die damit einhergehende Verdunstungskälte einen Einfluss auf die Inkubationstemperaturen haben ist schon länger bekannt und zumindest experimentell untersucht worden (siehe Finkler, 2006, Guo et al., 2010). Insofern zeigt zwar diese Arbeit wie man im Rahmen von Erhaltungsmaßnahmen auch bei natürlich inkubierenden Nestern denn Anteil der männlichen Schlüpflinge erhöhen kann, aber ich denke das sich in Bezug auf die Klimaerwärmung eine andere Frage stellen wird – Nämlich die ob die heutigen Niststrände auch dann noch die gleichen sein werden wie die die wir heute kennen? Denn der mit dem Klimawandel einhergehende Meeresspiegelanstieg könnte dafür sorgen, dass die Meeresschildkröten ihre adaptive Plastizität dahingehend nutzen müssen sich neue Niststrände zu suchen.

Literatur

Finkler, M. S. (2006): Does variation in soil water content induce variation in the size of hatchling snapping turtles (Chelydra serpentina)? – Copeia 2006(4): 769-777 oder Abstract-Archiv.

Guo, J.H., Zhu, X.P., Zhao, W.H., Wei, C.Q., Chen, Y.L. (2010): Effects of incubation temperature and substrate humidity on embryonic development of Mauremys mutica. – Ying Yong Sheng Tai Xue Bao – The journal of applied ecology 21(1): 215-20 oder Abstract-Archiv.

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