Innis, C., M. Papich & D. Young (2007): Pharmacokinetics of metronidazole in the red-eared slider turtle (Trachemys scripta elegans) after single intracoelomic injection. – Journal of Veterinary Pharmacology and Therapeutics 30(2): 168-171.

Die Pharmakokinetik von Metronidazol bei Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans) nach einmaliger Injektion in die Bauchhöhle

DOI: 10.1111/j.1365-2885.2007.00832.x

Diese Kurzmitteilung hat kein Abstract deshalb hier eine kurze Vorstellung des Inhalts.
Einleitend werden die Literaturdaten beschrieben und darauf verwiesen, dass aufgrund der Schwierigkeiten bei der oralen Verabreichung bei Schildkröten die Injektion die zuverlässigere Methode zur Medikation darstellt. Im Weiteren wird beschrieben, wie die Tiere eingewöhnt wurden und dass insgesamt 10 adulte Schildkröten die in 415 Litern Wasser (Temperatur 24°C) pro 5 Exemplare gehältert wurden mit einer Dosis von 20 mg Metronidazol/kg Körpergewicht injiziert hat. Die Autoren berichten über einige nach der Injektion beobachtete Effekte (Nebenwirkungen), wobei ein Tier für einige Stunden schräg im Wasser schwamm und bei zwei weiteren Tieren eine leichte Lähmung im Schwanz beobachtet wurde. Es wird dann die Blutabnahme und Aufarbeitung einschließlich des HPLC-Chromatographieverfahrens beschrieben. Nach der Auflistung der Einzelmeßwerte in zwei Tabellen und der Listung von Vergleichsdaten aus anderen Tierarten in einer dritten Tabelle werden die Befunde kurz interpretiert und es wird der Verlauf der Plasmakonzentration für Metronidazol über die Zeit in einer Abbildung dargestellt. Die Autoren heben klar hervor, dass Metronidazol in Rotwangenschmuckschildkröten eine wesentlich längere Halbwertszeit (27 Stunden) hatte als das für Säugetiere (3-4 Stunden) bekannt ist. Sie schreiben, dass für die meisten anaeroben Bakterien die Minimal-Inhibitorische Konzentration (kleinste wirksame Konzentration) zwischen 0,25-4 µg/ml liegt. Lediglich Clostridium spp. hätten eine MIC90 von 8 µg/ml. Bei den Rotwangenschmuckschildkröten blieb die durchschnittliche Plasmakonzentration für mindestens 48 Stunden über 4 µg/ml und bei den meisten Individuen lag sie noch bei 72 Std. bei 4 µg/ml. Aus der Abbildung lässt sich ersehen, dass selbst eine durchschnittliche Plasmakonzentration von 8 µg/ml erst nach etwa 42 Stunden unterschritten wurde und die Minimal-Inhibitorische-Konzentration von 0,25 µg/ml nach 96 Stunden noch nicht unterschritten war. Eine kurze Diskussion und 23 zitierte Referenzen beschließen die Arbeit.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch diese Arbeit macht wieder einmal deutlich, dass wenn schon nicht alle Reptilien so doch Schildkröten Antibiotika wesentlich langsamer wieder ausscheiden als warmblütige Säugetiere, wobei wie aus der Arbeit von Harms et al. (2004): Journal of Zoo and Wildlife Medicine 35: 477-488 (oder Abstract-Archiv) der Panzer eine besondere Rolle spielen mag. Auf alle Fälle zeigt diese Arbeit aber, dass man entweder Metronidazol niedriger dosieren muss oder aber in größeren Abständen als 24 Stunden nachdosieren sollte, um Nebenwirkungen zu minimieren. Sicherlich könnte auch die Berücksichtigung dieser Fakten dazu beitragen das Leben einiger Geoemyda spengleri zu retten. Obwohl wenn man mal berücksichtigen würde, dass auch die Schnecken als Futtertiere Flagellaten und Hexamiten enthalten, aber eben andere als die wirklich für Schildkröten pathogene Hexamita parva ließen sich wohl auch etliche einfach dadurch retten, dass man erst gar kein entsprechendes Antibiotikum einsetzt. Man kann nicht oft genug darauf verweisen, dass nicht alles was Flagellen hat ein Hexamit ist! Dabei kommt „Hexa“ von Sechs was besagt, dass diese Erreger am stumpfen Ende 6 Flagellen tragen (am spitzeren nur zwei längere). Man sollte also bei der Diagnose bis sechs zählen! Vorausgesetzt man setzt überhaupt zur Diagnosestellung ein Mikroskop ein dessen Auflösung auch hoch genug ist um sie genau zu erkennen. (Manchmal kann man da so seine Zweifel haben!). Sicher können auch andere Flagellaten (z.B. aus dem Futter etc.) pathogene Wirkung entfalten aber meist nur wenn die Tiere immungeschwächt sind und dieser Immunschwäche mögen ganz andere Erkrankungen oder gar nur Haltungsprobleme zu Grunde liegen als ein paar mehr Flagellaten im Kot andeuten würden.

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