Hitschfeld, E., M. Auer & U. Fritz (2008): Phalangeal formulae and ontogenetic variation of carpal morphology in Testudo horsfieldii and Testudo hermanni. – Amphibia-Reptilia 29: 93-99.

Fingerknochenformeln und die ontogenetische Variabilität der Carpal-(Handknochen)-Morphologie bei Testudo horsfieldii und T. hermanni.

Wir verglichen die Unterschiede bei der Finger- und Carpalmorphologie bei der zentralasiatischen Testudo horsfieldii, einer höhlengrabenden Spezies mit deren Schwestertaxon T. hermanni, einer mediterranen Art, die kein so stark ausgeprägtes Grabverhalten zeigt. 32 Testudo horsfieldii kazachstanica zeigten die gleiche Fingerformel (0-2-2-1-1). Das distale Carpale 1 und das Metacarpale 1 sowie das Pisiforme (Erbsenbein) fehlte durchgehend und manchmal fehlte auch das mediale Zentrale. Die Fingerknochenmorphologie war bei Testudo hermanni hermanni variabler. Bei 29 Individuen wurden folgende unterschiedliche Formeln gefunden, die sich in Bezug auf das Fehlen des Daumglieds 1 unterschieden (1-2-2-2-1; M-2-2-2-1; D-2-2-2-1; 0-2-2-2-1). Das Os pisiforme entwickelt sich spät, während der Ontogenese und fehlt den jüngsten Jungtieren und Subadulten. Im Gegensatz zu T. h. kazachstanica ist das mediale Zentrale immer vorhanden. Sowohl bei T. h. kazachstania als auch bei T. h. hermanni kommt es mit dem Alter und der Größe zu einer zunehmenden Verschmelzung der Carpalia. Die dem zugrunde liegenden morphologischen Muster unterscheiden sich aber. Eine extreme Ausprägung findet sich bei alten T. h. kazachstanica, wo sie einen einzigen soliden Knochen bilden, der sich aus dem verschmolzenen Intermedium, dem Ulnare und beiden Zentralia zusammensetzt. Gealterte T. h. hermanni haben im Gegensatz dazu zwei separierte lange Carpalelemente, eines geformt aus den verschmolzenen lateralen und medialen Centrale und das andere aus den verschmolzenen distalen Carpalia 1+2; die Intermedia und Ulnare verschmelzen nie miteinander oder mit den Carpalia. Während der teilweise oder komplette Verlust des ersten Fingers (Digit 1) für alle Testudo-Spezies charakteristisch ist, so ist die extreme Fusion der Karpalknochen bei T. horsfieldii wohl im Einklang mit deren Lebensweise, bei der eine starre Vorderhand vorteilhaft für die Grabaktivität sein kann. Ebenso kann der Verlust des Digit 4, der selten vorkommt bei den Testudiniden und bei anderen Testudo-Spezies nie auftritt, mit der Lebensweise im Zusammenhang stehen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier wieder klare Auswirkungen der Umwelt auf die Morphologie und letztendlich auch auf das Aussehen, den Phänotyp, der Schildkröten. In diesem Zusammenhang würde mich einmal interessieren, wie ähnlich sind sich aus morphologischer Sicht denn T. graeca aus dem Jibiletgebirge, jene aus dem Flachland und Testudo horsfieldii? Siehe: Carretero, M. A., M. Znari, D. J. Harris & M. C. Mace (2005): Morphological divergence among populations of Testudo graeca from west-central Morocco. – Animal Biology 55: 259-279 oder Abstract-Archiv; Kaddour K. B., E. H. El Mouden, T. Slimani, F. Lagarde & X. Bonnet (2005): Sexual dimorphism, growth and maturation patterns of Testudo g. graeca, in the Central Jbilets, Morocco. – Revue d'Ecologie – La Terre et la Vie 60 (3): 265-278 oder Abstract-Archiv.

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