Hervet, S. (2006): The oldest European Ptychogasterid turtle (Testudinoidea) from the lowermost Eocene amber locality of Le Quesnoy (France, Ypresian, MP7). – Journal of Vertebrate Paleontology 26(4): 839-848.

Die älteste europäische ptychogasteride Wasserschildkröte (Testudinoidea) aus der untersten Eozän Amberlokalität von Le Quesnoy (Frankreich, Ypresian, MP7)

DOI: 10.1671/0272-4634(2006)26[839:TOEPTT]2.0.CO;2 ➚

Eine neue Spezies der Süßwasserschildkröten, Testudinoidea aus der Fossilienfundstätte Le Quesnoy (Oise, Frankreich; Argiles a Lignites du Soissonnais, unteres Eozän, Ypresian, MP7) wird beschrieben. Dieses Taxon ist bislang der älteste Repräsentant der Ptychogasteridae, der in Europa gefunden wurde. Die Art wird mit den amerikanischen Repräsentanten aus der Gattung Echmatemys Hay, 1906, mit drei Ptychogasteridae aus der Geiseltal-Formation (Eozän, Deutschland, Geiselemys ptychogastroides [Hummel, 1935], „Geoemydasaxonica Hummel, 1935 und mit Hummelemys anibigua Hervet, 2004b) verglichen sowie mit Vertretern aus dem Ptychogaster-Komplex und mit Clemmydopsis Boda, 1927. Die phylogenetischen (stammesgeschichtlichen) Beziehungen des neuen Taxons und der anderen Ptychogasteridae wurde untersucht und diskutiert.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Mit 56 Originalreferenzen sicher ein guter Einstieg für palaeontologisch interessierte Schildkrötenfreunde.
Betrachten wir die Vergangenheit der Schildkröten einmal ganz nüchtern aus heutiger Perspektive, dann stellt man fest, dass es wohl eine reichhaltige Schildkrötenfauna schon lange vor der Menschwerdung gab, die sicherlich auch als Vorfahren der heutigen Arten auf die eine oder andere Art und Weise angesehen werden könnten. Auch wird deutlich, dass wohl Schildkrötenspezies auch schon ohne die Einflussnahme des Menschen ausgestorben sind und dass sich trotz aller Verantwortung und Bemühungen für die Mitlebewesen auf diesem Planeten Veränderungen mit tödlichen Konsequenzen nicht werden aufhalten lassen. Aber dennoch stimmt mich in Bezug auf Schildkröten dieses Faktum nicht traurig, denn wenn dass stimmt was Lara-Ruiz et al. (2006) Conservation Genetics 7:773 ff. oder Abstract und Kommentar in Schildkröten im Fokus 4(1), 2007 ➚) beobachtet haben, können wir wahrscheinlich gerade miterleben, wie diese Evolutions- und Überlebenskünstler durch drastische Steigerung der genetischen Variabilität versuchen, sich an die rasch ändernden Umweltbedingungen und die Zunahme an Krankheitserregern (z.B. Viren) anzupassen. Mit etwas Glück und dem Schutz des Meeres könnten sie damit sogar etwas erfolgreicher als wir selbst sein. Denn wen drohende Klimakatastrophen härter treffen, ist immer noch offen. Nur eines ist klar, Schildkröten haben im Laufe der Erdgeschichte weit mehr katastrophenartige Veränderungen überstanden als unsere eigene relativ junge Spezies. Da ich immer etwas skeptisch bin und mich frage, ob wir wirklich in der Lage sind, selbst aus der jüngsten Vergangenheit zu lernen (siehe Kommentar zu Pandian et al. (2004) im Abstract-Archiv: Die Frage sei erlaubt: Hat sich was geändert?), denke ich, wir sollten uns auf die genaue Beobachtung der gegenwärtig ablaufenden „Anpassungen“ im Pflanzen- und Tierreich konzentrieren, vielleicht können wir ja da erfahren, wo die „rechten“ Wege zu finden wären.

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