Grosman L, N. D. Munro & A. Beifer-Cohen (2008): 12,000 year-old shaman burial from southern Levant (Israel). – PNAS – Proceedings of the National Academy of Science of the U.S.A. 105(46): 17665-17669.

Ein 12.000 Jahre altes Shamanengrab aus dem südlichen Levante (Israel)

DOI: 10.1073/pnas.0806030105

Maurische Landschildkröte, Testudo graeca – © Hans-Jürgen Bidmon
Maurische Landschildkröte,
Testudo graeca
© Hans-Jürgen Bidmon

Die Natufiener, die 15.000-11.500 v. Chr. in der südlichen Levante (zwischen Mittelmeerküste und dem See von Galilea (Genezaret)) siedelten, waren durch eine Reihe sozioökonomischer Veränderungen geprägt, die dadurch bedingt waren, dass sie den Übergang zur Sesshaftigkeit vollzogen und sich von Jägern zu Farmern entwickelten. Ausgrabungen an einer etwa 12.000 Jahre alten Grabstätte der Natufiener (Hilazon Tachit, Israel) brachten ein Grab zu Tage, das die sehr seltene Möglichkeit bietet, den ideologischen Wandel zu studieren, der mit dieser sozioökonomischen Umstrukturierung der Gesellschaft einherging. Das Grab war in spezieller Weise für eine kleinwüchsige ältere und behinderte Frau angelegt die mit speziellen und in besonderer Weise angeordneten Grabbeigaben ausgestattet worden war. Die Grabbeigaben bestanden aus 50 kompletten Schildkrötenpanzern und ausgewählten Körperteilen eines Wildschweins, eines Adlers, einer Kuh, eines Leoparden, zwei Mardern und eines kompletten menschlichen Fußes. Das rituelle Arrangement der Beigaben und die zur Anlage und zum Grabverschluss verwendeten Methoden lassen die Vermutung zu, dass es sich dabei um ein Shamanengrab handelt und zwar um eines der ältesten aus den zur Zeit verfügbaren archäologischen Nachweisen. Etliche der Attribute dieser Grabstätte spielten später eine zentrale Rolle in der spirituellen Entwicklung menschlicher Kulturen weltweit.

Schmuck und Kulturgegenstände aus Schildkröten – © Hans-Jürgen Bidmon
Schmuck und Kulturgegenstände
aus Schildkröten
© Hans-Jürgen Bidmon

Kommentar von H.-J. Bidmon

Bei den gefundenen Schildkröten handelte es sich ausschließlich um Testudo graeca und die Panzer waren auf eine Art geöffnet, die vermuten lässt, dass die Tiere nicht nur gegessen wurden, sondern, dass sowohl Carapax als auch Plastra als Gebrauchsgegenstände Verwendung fanden. Vielleicht auch für die Schildkrötengenetiker einmal eine gute Möglichkeit, anhand eines gut datierten Fundes zu überprüfen, welche molekulargenetischen Veränderungen sich für T. graeca in dieser vergleichsweise jungen Evolution von 12.000 Jahren – also mit vorhersagbarer Generationenzahl – ergeben haben. Der Gebrauch von Schildkröten in diesen frühen Kulturen und den nachfolgenden Völkerwanderungen und Verschiebungen rund ums Mittelmeer sollte uns aber auch deutlich machen, welche Rolle der Mensch auch in dieser Zeit schon für die Verbreitung von Arten und Unterarten gespielt haben mag. Es wäre wohl naiv zu glauben, dass nicht auch Schildkröten schon zu dieser Zeit von einem Lebensraum zum anderen verbracht worden wären und somit zum Ausgangspunkt von Art- bzw. Unterarthybriden geworden sein könnten.

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