Cureton, J. C., A. B. Buchman, R. Deaton & W. I. Lutterschmidt (2011): Molecular Analysis of Hybridization between the Box Turtles Terrapene carolina and T. ornata. – Copeia 2: 270–277.

Molekulare Analysen der Hybridisierung zwischen Dosenschildkröten Terrapene carolina und T. ornata.

Hybridisierungen von Dosenschildkröten Terrapene carolina und T. ornata sind aus den gesamten Verbreitungsgebieten, in deen sie sympatrisch (gemeinsam) vorkommen, bekannt. Hier beschreiben wir acht Mikrosatelliten-Loci und einen Polymorphismus für die Mitochondrien, die genutzt wurden, um das Ausmaß der Hybridbildung zwischen beiden Spezies zu erfassen, da für beide Schutzmaßnahmen wichtig sind. Wir erhoben im Südwesten von Texas Standardpopulationsstatistiken und Populationszuordnungen für 28 T. carolina, 17 T. ornata, und 10 Hybriden zwischen T. carolina und T. ornata. Beide Elternpopulationen zeigten eine hohe Heterozygosität und hochgradig diverse Allele sowie einen hohen Genfluss zwischen den Elternspezies. Die Abstammungswerte waren sporadisch verteilt und sind typisch für Arten, die Hybridisierung zeigen. Annähernd 86 % der T. carolina und 76 % der T. ornata konnten korrekt der einen oder anderen Art zugeordnet werden. Sieben der Hybriden zeigten hohe Abstammungswerte für T. carolina und drei entsprachen mehr einer T. ornata. Interessanterweise hatten alle T. carolina Hybriden und eine T. ornata Hybrid-Haplotypen von T. carolina, wohingegen alle bis auf eine T. ornata Hybride Haplotypen von T. ornata aufwiesen. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass diese Hybridisierungen schon seit mehreren Generationen in diesen Populationen stattfinden. Wir diskutieren wie diese Hybridisierungen sich auf die Populationen dieser erhaltenswerten Tiere auswirken.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Was würden Sie sagen? Sollte man diese Hybriden ausmerzen oder sollte man der Natur und Evolution ihren Lauf lassen? Ich denke – wie schon mehrmals hier diskutiert –, man sollte Hybridisierung als natürliche Gegebenheit im Sinne des Genflusses und der Anpassungsmöglichkeiten akzeptieren und klar die Vorteile erkennen (siehe Hoffmann & Sgro 2011, Bowen & Karl 2008). Allerdings fasziniert mich dabei immer wieder, dass in den meisten Fällen diese Hybriden nur einem der Elterntiere sehr stark ähneln, sodass sie wahrscheinlich ohne genaue molekularbiologische Untersuchung gar nicht als Hybriden erkannt würden (siehe auch: Butler et al. (2011), Lara-Ruiz et al. (2006); Reis et al. (2010) und Vinke & Vinke (2004)).

Literatur

Bowen, B. W. & S. A. Karl (2007): Population genetics and phylogeography of sea turtles. – Molecular Ecology 16 (23): 4886–4907 und Kommentar SiF 5(1) 2008.

Butler, J. M, C. K. Dodd, M. Aresco & J. D. Austin (2011): Morphological and molecular evidence indicates that the Gulf Coast box turtle (Terrapene carolina major) is not a distinct evolutionary lineage in the Florida Panhandle. – Biological Journal of the Linnean Society 102: 889–901 oder Abstract-Archiv.

Hoffmann, A. A. & C. M. Sgro (2011): Climate change and evolutionary Adaptation. – Nature 470: 479–485 oder Abstract-Archiv.

Lara-Ruiz, P., G. G. Lopez, F. R. Santos & L. S. Soares (2006): Extensive hybridization in hawksbill turtles (Eretmochelys imbricata) nesting in Brazil revealed by mtDNA analyses. – Conservation Genetics 7 (5): 773–781 und Kommentar SiF 4(1) 2007.

Reis, E. C., L. S. Soares & G. Lobo-Hajdu (2010): Evidence of olive ridley mitochondrial genome introgression into loggerhead turtle rookeries of Sergipe, Brazil. – Conservation Genetics 11 (4): 1587–1591.

Vinke T & S. Vinke (2004): Vermehrung von Landschildkröten. – Offenbach (Herpeton Verlag Elke Köhler), 189 S.

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