Biaggini, M. & C. Corti (2018): Facing Habitat Reduction in Your Own Shell: Patterns of Non-lethal Injuries in the Endangered Tortoise Testudo hermanni in Italy. – Herpetological Conservation and Biology 13(3): 539–550.

Eine Lebensraumreduktion im eigenen Panzer: Die Muster nicht-letaler Verletzungen bei der bedrohten Landschildkröte, Testudo hermanni in Italien.

Panzerverletzungen kommen bei Schildkröten häufiger vor und zeigen, dass es sich dabei oft um nicht tödliche Verletzungen handelt die sowohl in der Natur wie auch in menschlicher Obhut vorkommen. Wir analysierten das Vorkommen von nicht-letalen Verletzungen bei 130 wildlebenden Griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni) in Italien. Wir beobachteten signifikant mehr Verletzungen (nahezu bei 90% der Schildkröten) in Lokalitäten die weniger als einen Kilometer von kultivierten Flächen lagen. Zudem traten dort häufiger wesentlich schwerere Verletzungen bei den Individuen auf die sowohl den Carapax wie auch das Plastron betrafen. Interessanterweise konzentrierten sich die Verletzungen nahe von Agrarflächen auf den hinteren Bereich des Carapax. Dieses Verletzungsmuster erklärt sich durch Einwirkungen die von oben kommen und von Agrarmaschinen verursacht werden. Wie erwartet war der Carapax die am häufigsten verletzte Struktur die vielfältige Beschädigungen zeigte: Abschürfungen, oberflächliche oder tiefe Freilegungen der Knochenstruktur, Einkerbungen, Brüche und Verbrennungen. Die Häufigkeit der Individuen mit Abschürfungen oder leichten Eindellungen (die häufigsten Verletzungen) betrafen Weibchen wie Männchen gleichermaßen und korrelierten auch nicht mit der Körpergröße, sodass diese Verletzungen wohl relativ unabhängig von den Aktivitätsmustern oder der Wanderstrecke sind die ja bekanntlich mit dem Alter und dem Geschlecht variieren. Wir fanden allerdings Panzerdeformationen durch tiefe Wunden und Verletzungen durch Brände wesentlich häufiger bei älteren und größeren Exemplaren. Unter der derzeitigen progressiven Reduktion der T. hermanni-Habitate und deren Fragmentierung durch die Ausweitung der menschlichen Nutzflächen sollte man dafür sorgen, dass genügend unkultivierte Pufferzonen mit natürlichen seminatürlichen Flächen zum Schutz der Schildkröten innerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen verbleiben da sie einen Schlüsselfaktor für die Erhaltung und Gesunderhaltung von T. hermanni darstellen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne Arbeit die nicht nur quantitative Auswertungen enthält, sondern auch zahlreiche farbige Abbildungen zu den Verletzungsmustern zeigt. Zudem verweist die Arbeit auf eine wesentliche Naturschutzproblematik die gerade in den neu zur EU dazugekommenen Ländern noch kaum erkannt wird, denn dort geht die Ausweitung der Agrarflächen ebenso wie der Straßenausbau rasant voran. Während Italien die Probleme seit langem kennt (z. B. die einstmaligen großen Testudo marginata Populationen der nun landwirtschaftlich intensiv genutzten Maremma sind so gut wie nicht mehr vorhanden) und anfängt Artenschutz und Erhaltung, man möchte fast sagen, retrospektiv zu betreiben sollten gerade solche Arbeiten die neuen EU-Mitgliedern wie Rumänien, Bulgarien usw. darauf aufmerksam machen nicht erst mit dem Schutz anzufangen wenn es schon fast zu spät ist. Siehe auch Sos, (2012) und Saumure et al., (2007).

Literatur

Sos, T. (2012): Two extreme cases of regeneration in Testudo graeca ibera Pallas, 1814. – Biharean Biologist 6 (2): 128–131 oder Abstract-Archiv.

Saumure, R. A., T. B. Herman & R. D. Titman (2007): Effects of haying and agricultural practices on a declining species: The North American wood turtle, Glyptemys insculpta. – Biological Conservation 135 (4): 565–575 oder Abstract-Archiv.

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