Mittelamerikanische Schmuckschildkröte, Trachemys venusta, – © Hans-Jürgen Bidmon

Magalhaes - 2023 - 01

Magalhaes, A. L. B., C. S. de Azevedo, A. Maceda-Veiga & J. Patoka (2023): The scientist eyes: monitoring YouTube™ to quantify aquatic pet release in Brazil. – Aquatic Ecology Early View.

Die Augen des Wissenschaftlers: Die Überwachung von You Tube™ um das Aussetzen von aquatischen Haustieren in Brasilien zu quantifizieren.

DOI: 10.1007/s10452-023-10059-1 ➚

Chinesische Streifenschildkröte, Mauremys sinensis, – © Hans-Jürgen Bidmon
Chinesische Streifenschildkröte,
Mauremys sinensis,
© Hans-Jürgen Bidmon

Diese Studie zeigt wie You Tube™ eine populäre Video-Webseite als schlagkräftiges Werkzeug eingesetzt werden kann, zur Dokumentation und zur Verbesserung der Möglichkeiten das unkontrollierte Aussetzen von Süßwasser-Haustieren in Brasilien zu managen. Basierend auf einer Serie von 24 Videos, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden und unter der Verwendung von 19 standardisierten Schlüsselwörtern die von Heimtierhaltern bei YouTube zwischen 1. Januar 2020 und 20. März 2023 gepostet wurden (650 Stunden Suchzeit) dokumentieren wir das beabsichtigte Aussetzen von 12 aus anderen Landesteilen stammenden Arten sowie von 5 nicht-einheimischen Spezies. Darunter befanden sich 11 Fischarten, 2 Arten von Süßwasserrochen und zwei Arten an Süßwasserschildkröten, eine Süßwasserkrabbenart sowie eine Süßwasserkrebsart, die in mehreren Gewässern und verschiedensten Ökoregionen innerhalb Brasiliens freigesetzt worden waren. Hierbei handelt es sich um den ersten Bericht über das bewusste Auswildern von 17 Spezies in die brasilianischen Inlandsgewässer. Die Hauptursachen für das Aussetzen von Heimtieren sind ein überhandnehmendes Wachstum der Tiere, die Abscheu der Halter die Tiere zu euthanasieren sowie die zunehmende Aggressivität bei manchen Arten. Die Videos dokumentierten dabei das mehrheitliche Aussetzen von verschiedensten Süßwasserheimtieren in ländliche Süßwasserökosysteme im Gegensatz zu den urbanen Gewässern, wobei als Hauptregion in der Freisetzungen stattfinden die südöstlichen Regionen Brasiliens identifizieren konnten. Diese Feststellungen sind wichtig, denn eigentlich ist das Aussetzen von Haustieren in den urbanen Regionen häufiger als in den ländlichen Bereichen. Während der Besiedlungsdruck (z. B. die Anzahl der umgesiedelten oder die der nicht-einheimischen Spezies, die von jedem Halter ausgesetzt wurden) hoch war, war der gesamte Ausbreitungsdruck (z. B. die Anzahl der Individuen an umgesiedelten oder von nicht-einheimischen Spezies) mit durchschnittlich 49 Individuen während des Erfassungszeitraums für die jeweiligen Regionen noch gering. Ein proaktives Management ist der Schlüssel dafür diese Vorfälle an Aussetzungsereignissen für Brasilien zu reduzieren, wobei eine der wichtigsten Maßnahmen sein sollte die Inhaber von Tierhandlungen dazu zu bringen korrekte Informationen über die Lebensweisen, Verhalten und Endgröße der gehandelten Spezies weiterzugeben. Die staatlichen Umweltautoritäten sollten einen „non-native Pet Amnesty Day“ (Exotischen Heimtier-Amnestietag) einführen, um eine Möglichkeit zu schaffen bei der die Halter von nicht-einheimischen Tieren diese abgeben können. YouTubers können sich daran beteiligen solche Sensibilisierungsmaßnahmen auf den YouTube™ Plattformen zu verbreiten, indem sie auch die negativen Auswirkungen, die von aquatischen Heimtieren in den natürlichen Wildbeständen angerichtet werden können, darstellen. Auch brasilianische Wissenschaftler können sich als „science YouTubers“ engagieren und die Argumente einbringen, die dazu beitragen zuverlässige wissenschaftliche Informationen über das Aussetzen von aquatischen Heimtieren zu verbreiten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hierbei handelt es sich wieder einmal um die Beschreibung der Auswirkungen des Handels mit exotischen Arten für den Heimtiermarkt. Dabei zeigen sich immer die gleichen Muster, wobei diese Arbeit im Vergleich zu den Berichten über Europa dadurch auffällt, dass eben doch wesentlich mehr an in Brasilien heimischen Arten lediglich im Land sozusagen umgesiedelt werden, also in von ihnen noch nicht besiedelten Gewässern ausgesetzt werden, was auch für eine der hier erwähnten Schildkrötenarten, Testudo dorbigni zutrifft. Wie zu erwarten, handelt es sich bei der nicht-heimischen Art um Trachemys scripta. Aber dabei wird es aller Wahrscheinlichkeit nicht bleiben, denn in einigen Ländern Mittel- und Südamerikas gehört mittlerweile Trachemys venusta zu den am häufigsten gehandelten Arten und ich denke die zunehmende wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China wird auch dazu beitragen, dass bald auch Mauremys sinensis zu den invasiven Arten in Südamerika gehört. Ja, selbst die Chinesische Dreikielschildkröte sollte dort keine Probleme haben, denn manche ihrer Populationen besiedeln Lebensräume deren Minimal- und Maximaltemperaturen von -15,6 °C bis zu +39 °C reichen. Siehe dazu auch Bu et al., (2023) und Duenas et al. (2021).

Literatur

Bu, R., Z. Ye & H. Shi (2023): Habitat Selection and Home Range of Reeves' Turtle (Mauremys reevesii) in Qichun County, Hubei Province, China. – Animals 13(9): 1514 oder Abstract-Archiv.

Duenas, M.-A., D. J. Hemming, A. Roberts & H. Diaz-Soltero (2021): The threat of invasive species to IUCN-listed critically endangered species: A systematic review. – Global Ecology and Conservation 26(1823): e01476; DOI: 10.1016/j.gecco.2021.e01476 ➚.

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