Amur-Weichschildkröte, Pelodiscus maackii, – © Haito Shi

Hou - 2024 - 01

Hou, X. & H. Shi (2024): Movement and Home Range of Amur Soft-Shell Turtle (Pelodiscus maackii) in the Ussuri River, Heilongjiang Province, China. – Animals 14(7): 1088.

Bewegungen und Lebensraum der Amur-Weichschildkröte (Pelodiscus maackii) im Ussuri-Fluss, Provinz Heilongjiang, China.

DOI: 10.3390/ani14071088 ➚

Amur-Weichschildkröte, Pelodiscus maackii, – © Haito Shi
Amur-Weichschildkröte,
Pelodiscus maackii,
© Haito Shi

Ein umfassendes Verständnis der räumlichen Ökologie und der Lebensraumpräferenzen gefährdeter Arten ist für die Wiederherstellung und den Schutz von Populationen unerlässlich. Wir untersuchten den Lebensraum und die Bewegungen der gefährdeten Amur-Weichschildkröte (Pelodiscus maackii) im Ussuri-Fluss in der Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas. Im Rahmen der Studie wurden 19 Amur-Weichschildkröten von Ende Juni bis Mitte Oktober 2022 überwacht, was zu vollständigen und teilweisen Daten über die Größe des Lebensraums von acht subadulten sowie von zwei adulten Tieren führte. Die primäre Analyse konzentrierte sich auf acht subadulte Tiere, und es wurden die Modelle ermittelt, die die täglichen Bewegungen am besten beschrieben. Wir untersuchten auch die potenziellen Faktoren, die die Größe des Verbreitungsgebiets beeinflussen. Die mittlere Bewegungsrate reichte von 39,18 ± 20,04 m/Tag bis zu 72,45 ± 29,36 m/Tag und war positiv mit der linearen Home Range (genutzten Lebensraumbereich) und der Wassertemperatur korreliert. Die aufschlussreichste Schätzung des Verbreitungsgebiets wurde aus einer 95 %-Kernel-Dichte-Schätzung abgeleitet, bei der eine Glättung durch Kreuzvalidierung unter Einhaltung der durch die Flussgrenzen vorgegebenen Beschränkungen vorgenommen wurde. Die durchschnittliche Größe der Home Range betrug 1,02 Hektar und zeigte keine Korrelation mit der Körpergröße. Subadulte Tiere neigen dazu, im Laufe der Zeit gut definierte Reviere zu etablieren, während sich die Definition von Revieren für adulte Tiere als schwierig erwies. Diese Forschungsarbeit schließt eine Lücke in der Ökologie der Amur-Weichschildkröte und bietet eine Grundlage für künftige Schutzpläne.

Kommentar von H.-J. Bidmon

In der Einleitung beschreiben die Autoren das Verbreitungsgebiet der Art und verweisen auf die wenige verfügbare Literatur. Diese Art verzeichnete in den letzten Jahren erhebliche Populationseinbrüche im gesamten Verbreitungsgebiet. Die Autoren begründen auch die Fokussierung auf dieses Untersuchungsgebiet damit, dass die Art schon so selten geworden ist, dass sie sich bei Auswahl der Lokalität an den Fischern orientierten, die ihnen die Regionen zeigten an denen es noch Tiere gibt. Allerdings fingen die Autoren selbst zu wenige Exemplare die großgenug waren um Sender anzubringen, so dass sie auch hier zum Teil auf Individuen die Fischer gefangen hatten zurückgreifen mussten. Diese Art scheint laut Angaben der Fischer die Geschlechtsreife bei den Weibchen mit einem Gewicht von 900g und bei den Männchen mit 800g zu erreichen. Zum Abschluss verweisen die Autoren zwar darauf, dass die Art gefährdet ist, dass es aber keine Schutzmaßnahmen gibt und eine Überwachung völlig fehlt, da diese Weichschildkröten als Pelodiscus sinensis angesehen werden und auch weiterhin zu Nahrungszwecken gefangen werden. Somit fehlt sowohl bei der Bevölkerung und den lokalen Behörden bis heute das Wissen, dass es sich bei diesen Tieren um eine eigenständige Art handelt. Insofern wird hier auch wieder verständlich wie es wohl den heute als wertvolle Arten geschätzten Cuora-Spezies ergangen sein mag als man sie eben noch nicht einmal voneinander unterscheiden konnte. Ob man diese Arten in der freien Wildbahn unter den heute vorherrschenden Bedingungen wirklich erhalten kann bleibt fraglich, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie in China irgendwann nur noch als Hybridart vorkommen dürften ist sehr wahrscheinlich. Ja und damit dürfte ihnen vielleicht, das gleiche Schicksal bevorstehen wie es Homo sapiens und Homo neanderthalensis zuteilwurde. Denn in der Sektion „News at a Glance“ findet sich ein Zitat von Beth Shapiro von University of California der bei einem Gespräch mit Reportern zum Thema: Ob man den Aussterbeprozess rückgängig machen kann? – Das man aus den noch heute lebenden Menschen ungefähr 93 % des Neandertalergenoms rekonstruieren könnte – Damit wirft sie gegenüber den Reportern auch die Frage auf – Ob sie denn wirklich ausgestorben sind? (siehe Science Vol. 6692; 2024).

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