Weber, S. B., N. Weber, J. Ellick, A. Avery, R. Frauenstein, B. J. Godley, J. Sim, N. Williams & A. C. Broderick (2014): Recovery of the South Atlantic’s largest green turtle nesting population. – Biodiversity and Conservation 23: 3005–3018.

Die Erholung der größten südatlantischen Suppenschildkrötennistpopulation.

Obwohl viele Spezies der marinen Megawirbeltierfauna durch menschliche Eingriffe gefährdet sind, gibt es einige Populationen, die nach jahrzehntelanger Unterschutzstellung vielversprechende Anzeichen für eine Bestandserholung zeigen. In dieser Studie berichten wir über den Status der größten südatlantischen Nistpopulation von Suppenschildkröten (Chelonia mydas) auf der Insel Ascension 70 Jahre nach deren Unterschutzstellung und des Stopps der kommerziellen Schildkrötennutzung, die die Population einstmals dezimiert hatte. Wir benutzten die Erfassungsdatensätze aus 36 Jahren, um die Langzeittrends für die Nistaktivität sowohl auf dem Ablagepopulationsniveau als übergreifend für die einzelnen Niststrände und Küstenabschnittscluster zu modellieren. Seit dem Beginn der Erfassungen in 1977 hat sich die Anzahl der jährlich abgelegten Gelege der Suppenschildkröte auf Ascension versechsfacht, von etwa 3.700 auf 23.700, ein Trend, der begleitet war von einer signifikanten durchschnittlichen Körpergrößenabnahme bei den ablegenden Weibchen. Interessant war allerdings, dass die Zunahme der Nistaktivität sehr stark zwischen den einzelnen Niststränden schwankte und zwar zwischen 0,4 % bis 6 % Zunahme pro Jahr. Mehr als 97 % dieser Schwankungen lassen sich durch die Entfernung zur größten menschlichen Ansiedlung Georgetown – das historische Zentrum der Schildkrötenverarbeitung – erklären, wobei die Niststrände nahe Georgetown die höchsten Zunahmeraten zeigten. Dieser schnelle Populationszuwachs in der Nähe der Ansiedlung erscheint unerwartet, könnte sich aber dadurch erklären, dass hier nach der Zeit der Schildkrötenentnahmen auch die Ursprungspopulationen ausgedünnter waren. Insgesamt scheint sich die Suppenschildkrötenpopulation auf der Insel Ascension gut zu erholen, was auch die positive Trends, die auch in anderen geographischen Regionen beobachtet werden widerspiegelt. Es ist zwar noch kein Grund zur Zufriedenheit, aber diese Trends sind ermutigend und zeigen, dass sich die marine Megafauna erholen kann, wenn die durch den Menschen verursachten Stressfaktoren durch entsprechende Erhaltungsmaßnahmen entfallen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Zum Jahresanfang noch eine der wenigen positiv-stimmenden Erkenntnisse zum Schildkrötenerhalt, die eigentlich das zu bestätigen scheinen, was für solche altwerdenden, aber dennoch hoch reproduktiven Spezies von Romiguier et al. (2014) herausgearbeitet wurde und was sich auch in etwa mit dem deckt, was auch Fordham et al. 2009 schon zeigten. Sicher spielen in Bezug auf die einzelnen Niststrandzuwachsraten mehrere Faktoren mit, denn die Schildkrötenverarbeitungs(Schlacht-)zentrale lag vermutlich nahe der besten Niststrände, die nun wohl auch wieder die besten Bedingungen für den Inkubations- und Schlupferfolg bieten. Auch hier eine klare Erkenntnis: Solange die Biotope intakt bleiben, sind Bestandserholungen möglich (siehe auch Fordham et al. 2009, siehe auch Kommentar zu Wolak et al. 2010, Aguilera et al. 2015). Dennoch sind solche langfristigen Erholungen auch von einem Mindestmaß an genetischer Diversität abhängig, die nicht unterschritten sein sollte (siehe auch Kistler et al. 2014), ein Umstand, der ja auch von Romiguier et al. (2014) gut herausgestellt wurde. Tja und diesbezüglich scheinen auch Meeresschildkröten sich eine besondere Gabe erhalten zu haben (siehe Lee & Hays 2004, Bowen & Karl 2007, Vila et al. 2012, Stiebens et al. 2013).

Literatur

Aguilera, W. T., J. Málaga & J. P. Gipps (2015): Giant tortoises hatch on Galapagos island. – Nature 517: 271 oder Abstract-Archiv.

Bowen, B. W. & S. A. Karl (2007): Population genetics and phylogeography of sea turtles. – Molecular Ecology 16 (23): 4886-4907 oder SiF 5(1) 2008.

Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2008): Experimental evidence for density-dependent responses to mortality of snake-necked turtles. – Oecologia 159: 271–281 oder Abstract-Archiv.

Kistler L., A. Ratan, L. R. Godfrey, B. E. Crowley, C. E. Hughes, R. Lei, Y. Cui, M. L. Wood, K. M. Muldoon, H. Andriamialison, J. J. McGraw, L. P. Tomsho, S. C. Schuster, W. Miller, E. E. Louis, A. D. Yoder, R. S. Malhi & G. H. Perry (2014): Comparative and population mitogenomic analyses of Madagascar’s extinct, giant 'subfossil' lemurs. – Journal of Human Evolution. doi: 10.1016/j.jhevol.2014.06.016 and Comment: Small numbers led to lemur demise. Nature 517: 125.

Lee, P. L. M. & G. C. Hays (2004): Polyandry in a marine turtle: Females make the best of a bad job. – Proceedings of the National Academy of Science of the U.S.A. 101: 6530–6535 oder Abstract-Archiv.

Romiguier, J., P. Gayral, M. Ballenghien, A. Bernard, V. Cahais, A. Chenuil, Y. Chiari, R. Dernat, L. Duret, N. Faivre, E. Loire, J. M. Lourenco, B. Nabholz, C. Roux, G. Tsagkogeorga, A. A.-T. Weber, L. A. Weinert, K. Belkhir, N. Bierne, S. Glémin & N. Galtier (2014): Comparative population genomics in animals uncovers the determinants of genetic diversity. – Nature 515: 261–263 & 9 S. Supplements oder Abstract-Archiv.

Stiebens, V.A., S. E. Merino, C. Roder, F. J. Chain, P. L. Lee & C. Eizaguirre (2013): Living on the edge: how philopatry maintains adaptive potential. – Proceedings of the Royal Society, Series B Biological Sciences doi: 10.1098/rspb.2013.0305 oder Abstract-Archiv.

Vila, S. T., S. M. Vargas, P. Lara-Ruiz, E. Molfetti, E. C. Reis, G. Lôbo-Hajdu, L. S. Soares & F. R. Santos (2012): Nuclear markers reveal a complex introgression pattern among marine turtle species on the Brazilian coast. – Molecular Ecology 21 (17): 4300–4312 oder Abstract-Archiv.

Wolak, M. E., G. W. Gilchrist, V. A. Ruzicka, D. M. Nally & R. M. Chambers (2010): A Contemporary, Sex-Limited Change in Body Size of an Estuarine Turtle in Response to Commercial Fishing – Conservation Biology 24: 1268–1277 oder Abstract-Archiv.

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