Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans, sitzt sonnend am Ufer – © Hans-Jürgen Bidmon
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Liu - 2026 - 01

Liu, Dawei, Chunping Xie, Haixin Guan, Senlin Hou & Xiaoming Xue (2026): Beyond commercial interests lies an ecological responsibility: The dilemma of red-eared slider sales. – Nature Conservation 61: 177-184.

Mit den kommerziellen Interessen kommt auch eine ökologische Verantwortung: Das Dilemma mit den Rotwangen-Schmuckschildkröten-Verkäufen.

DOI: 10.3897/natureconservation.61.176927 ➚

Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans, – © Hans-Jürgen Bidmon
Rotwangen-Schmuckschildkröte,
Trachemys scripta elegans,
© Hans-Jürgen Bidmon

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) ist eine weltweit anerkannte invasive gebietsfremde Art. Sie wurde in den 1980er Jahren erstmals in China eingeführt und ist heute in allen Provinzen des Festlandes verbreitet. Trotz ihrer Einstufung als verbotene invasive Art sind absichtliche Freisetzungen nach wie vor weit verbreitet, was vor allem auf ihre weit verbreitete Verfügbarkeit und das mangelnde öffentliche Bewusstsein für ihre ökologischen Auswirkungen zurückzuführen ist. Der kommerzielle Handel mit dieser Schildkröte ist ein wesentlicher Treiber dieses Problems. Daher wird vorgeschlagen, die Versorgung und den Verkauf dieser Tiere als entscheidenden Ansatzpunkt zu betrachten. Es wird ein dreigliedriger Verwaltungsrahmen empfohlen, der institutionelle Verbesserungen, Leitlinien für den Konsum und Verkaufsregelungen umfasst.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit präsentiert sich mit einem kurzgefassten Abstract. Aber die Arbeit liefert neben dem oben angedeuteten 3-Punkteplan sehr viele interessante Hintergrundinformationen, die man bei vielen anderen Arbeiten zu diesem Thema vermisst. Da wäre z. B. die Beschreibung, dass man in China in der Provinz Hainan schon 2004 3 Millionen Rotwangen-Schmuckschildkröten züchtete und im Jahr 2005 belief sich die Zahl in den südlichen chinesischen Provinzen auf 25 Millionen. Allein 2017 lag das Angebot auf einer einzigen großen Online-Handelsplattform bei 3,36 Millionen und bei Erhebungen auf einzelnen Marktständen konnten pro Stand durchaus bis zu 1.000 Individuen verkauft werden. Dazu gehörte neben der Haltung als Haustier auch der Kauf für rituelle Freisetzungen. Bis heute scheint es auch auf Seiten der Händler keine oder nur unzureichende Aufklärung zu geben. Deshalb zielt die Arbeit darauf ab, die gesetzlichen Vorschriften für den Handel zu verschärfen und zum Zweiten Aufklärung über das Problem anzubieten, insbesondere auch im Hinblick auf Naturschutzgebiete und die Schäden, die durch das Aussetzen verursacht werden. Diese Aufklärung bezieht sich aber nicht nur auf die invasiven fremden Schildkrötenarten, denn man geht davon aus, dass man sowohl dem Tierhandel wie auch den Schildkrötenliebhabern unter kontrollierten Bedingungen einheimische Schildkrötenarten als Ersatz anbieten muss, um eine erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten (Das scheint ja jetzt auch in Deutschland so zu sein, denn ich habe in einem Zoofachgeschäft dieses Jahr schon eine große Anzahl frisch geschlüpfter Emys orbicularis im Angebot gesehen. Allerdings ohne Angabe, ob es sich dabei auch um einen der hier heimischen Haplotypen handelt). Ich glaube zwar nicht, dass man invasive Arten auf diese Weise loswerden wird (Bidmon, 2024), aber ich halte diesen Versuch mit dem einheimischen Ersatzartenhandel durchaus für sehr sinnvoll. Denn insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel (siehe Murali et al., 2023) und den städtebaulichen Anpassungsprozessen die ja meist unter dem Schlagwort Sponge-Cities (Yu, 2021; Zhao & Trowsdale, 2025) verwirklicht werden sollen, könnte dieses Konzept sogar für die Erhaltung seltener und vom Aussterben bedrohter einheimischer Arten etwas beitragen. Dabei könnte es hilfreich sein, wenn man sich z. B. an der für Europa vorgeschlagenen „Roadmap“ zur Biodiversitätserfassung und Erhaltung orientiert (Kissling et al., 2026) oder für China eine eigene, ähnliche aber besser angepasste Strategie entwickelt.

Literatur

Bidmon, H.-J. (2024): Commercially assisted migration – Invasive species and their future in a globalized world: A perspective – Artikel-Archiv.

Kissling, W. Daniel, Maria Lumbierres, Anne Lyche Solheim, Camino Liquete, Tom D. Breeze, Aletta Bonn, Ian McCallum, Joachim Maes, Tim Hirsch, Roy H. A. van Grunsven, Pedro Beja, Bruno Smets, César Capinha, Ana Ceia-Hasse, Néstor Fernández, Joana Santana, Francisco Moreira, Jessica Junker, Florian Leese, Eleanor Hammond, Lluís Brotons, Alejandra Morán-Ordóñez, Dimitrios Bormpoudakis, Helge Bruelheide, Marcel Buchhorn, Irene Calderon-Sanou, Miguel Fernandez, Anna Gamero, Anne Gobin, Irene Guerrero, Peter Haase, Ute Jandt, Alena Klvaňová, Ingolf Kühn, Martina Marei Viti, Kristian Meissner, Marija Milanović, S. Jannicke Moe, Simon G. Potts, Astrid Schmidt-Kloiber, Jose Valdez, Dani Villero & Henrique Miguel Pereira (2026): Building the backbone for Europe’s biodiversity monitoring. – Nature Reviews Biodiversity (2026); DOI: 10.1038/s44358-026-00140-6 ➚.

Murali, G., T. Iwamura, S. Meiri & U.Roll (2023): Future temperature extremes threaten land vertebrates. – Nature 615(7952): 461-467 oder Abstract-Archiv.

Yu, K. (2021): Nature-based solutions for ecological “sponge cities". – Frontiers Forum youtube.com/watch?v=g2tl3zC6wX4 ➚.

Zhao, Yitong & Sam Trowsdale (2025): The many faces of China’s Sponge City Initiative. – Frontiers in Sustainable Cities 7; DOI: 10.3389/frsc.2025.1688283 ➚.

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