Antelo-Barbosa, F. Daniel, Taggert Butterfield, Félix García-Caballero & Rodrigo Macip-Ríos (2026): Natural History of the Alamos Mud Turtle near Alamos, Sonora: Results of a Multiyear Mark–Recapture and Radio-Telemetry Study. – Chelonian Conservation and Biology: Celebrating 25 Years as the World's Turtle and Tortoise Journal: Published online 28 April 2026.
Die Ökologie der Alamos-Klappschildkröte in der Nähe von Alamos, Sonora: Ergebnisse einer mehrjährigen Markierungs-Wiederfang- und Radiotelemetrie-Studie.
DOI: 10.2744/CCB-1689.1 ➚

Kinosternon alamosae,
© Dr. Ernesto Raya-Garcia
In dieser Studie berichten wir über eine mehrjährige Markierungs-Wiederfang-Studie an drei natürlichen Populationen der Alamos-Klappschildkröte (Kinosternon alamosae), einer der am wenigsten erforschten Arten der Familie Kinosternidae in Mexiko. Wir verwendeten Reusen zum Fang der Schildkröten und dokumentierten ihre Bewegungsmuster und ihr Aktionsgebiet mittels Radiotelemetrie in der Nähe der Gemeinde Alamos, Sonora. Wir charakterisierten grundlegende Populationsparameter und schätzten die Größe des Aktionsraums mit den Techniken des Minimum Convex Polygon (MCP) und des Kernel Density Estimator (KDE). Von August 2019 bis September 2023 markierten wir insgesamt 103 K. alamosae, von denen die meisten ausgewachsen waren (46 Männchen, 40 Weibchen und 17 Jungtiere oder unreife Tiere). Das Geschlechterverhältnis war nicht verzerrt. Allerdings herrschte am Untersuchungsort zwischen November 2019 und Juni 2021 eine Dürre, wodurch die Viehtränken (Tümpel) bis zu 19 Monate lang ausgetrocket waren und unsere Probenahmen unterbrochen wurden. Die geschätzte Populationsgröße der drei Wasserstellen betrug 109 Schildkröten unter Verwendung eines log-linearen Modells für offene Populationen und 213 Schildkröten unter Berücksichtigung eines Modells für geschlossene Populationen. Die auf dem Modell für offene Populationen basierenden Werte für Dichte und Biomasse lagen bei 267 Schildkröten/ha und 54,5 kg/ha, während das Modell für geschlossene Populationen Schätzungen von 520 Schildkröten/ha und 106,3 kg/ha. Weibchen waren breiter und hatten einen höheren Panzer als Männchen. Wir verfolgten 10 K. alamosae über einen Zeitraum von 116 bis 1.076 Tagen, mit einem Durchschnitt von 533 Tagen pro Schildkröte während 3 Sommerruheperioden (623, 237 bzw. 85 Tage). Die Größe des Aktionsraums (MCP) reichte von 1 bis 55 ha, mit einem Mittelwert (± SD) von 13,25 ± 18,3 ha (n = 8) und unterschied sich nicht nach Geschlecht. Die Größe des KDE-Aktionsraums reichte hingegen von 8,1 bis 270,8 ha, mit einem Mittelwert (± SD) von 64,03 ± 87,6 ha (n = 8) und wies ebenfalls keine geschlechtsspezifischen Unterschiede auf. Individuen dieser Population neigten dazu, sich in 86 von 161 Nachweisen unter Holzabfällen zu vergraben, um zu überwintern, wobei sie sich bis zu 1,3 km vom Gewässer entfernten. Unsere Ergebnisse unterstreichen die einzigartige Fähigkeit von K. alamosae, geeignete Mikrohabitate zu finden und längere Zeiträume außerhalb des Wassers zu verbringen, was darauf hindeutet, dass die Art außergewöhnlich widerstandsfähig gegenüber anhaltenden Dürreperioden sein könnte.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Dieser Arbeit ist eine ausführliche Einleitung vorangestellt. Der Ergebnisteil liefert dann die demographischen Details für die drei verschiedenen Populationen (Region, Palomar, Chaparron und Alamos), die in Teichen, die als Viehtränken dienen, leben. Auffällig waren dabei die Unterschiedlichen Populationsdichten, wobei nur in der Alamos-Population auch Nachwuchs nachgewiesen werden konnte und nur diese Population lebte sympatrisch mit Kinosternum integrum. Die Diskussion zeichnet sich neben der Einordnung der Befunde durch die umfassenden Vergleiche mit den anderen Kinosternon-Taxa die in ausführlichen Tabellen zusammengefasst gegenübergestellt sind. Wie im Abstract schon erwähnt, sieht man hier auch, dass K. alamosae den bislang nachgewiesenen Rekord für die Aestivationszeit unter den Kinosternidae hält. Was mir neben dem Befund, dass diese Schildkröten sich dabei bis zu 1,3 km vom Wasser entfernen, interessant erschien war die Beobachtung, dass die mit Radiotransmittern ausgestatteten und lokalisierten Individuen die Aestivationslokalitäten zwischendurch wechselten. Diesbezüglich ist es schade, dass keine begleitenden Messungen der Bodenfeuchte bzw. Luftfeuchte an den ausgesuchten Lokalitäten durchgeführt werden konnten. Allerdings auch ohne diese Feuchtedaten muss man davon ausgehen, dass diese Schildkröten, da sie auf diese Weise auch sehr lange überleben können, die Fähigkeit besitzen solche Stellen aktiv zu finden. Ob ihnen dabei auch Gedächtnisleistung und Orientierungsfähigkeit wie sie von Roth et al. (2016) für Zierschildkröten beschrieben wurden helfen ist zwar zu erwarten, müsste aber noch nachgewiesen werden. Insofern eine interessante Arbeit mit Potential für weiterführende Untersuchungen. Siehe dazu auch Roe & Georges (2008); Roe et al. (2008) Roth & Krochmal 2016).
Literatur
Roe, J. H., A. Georges & B. Green (2008): Energy and Water Flux during Terrestrial Estivation and Overland Movement in a Freshwater Turtle. – Physiological and Biochemical Zoology 81(5): 570-583 oder Abstract-Archiv.
Roth, T. C. II & A. R. Krochmal (2016): Cognition-centered conservation as a means of advancing integrative animal behavior. – Current Opinion in Behavioral Sciences 6: 1-6 oder Abstract-Archiv.
Roth, T. C. II, A. R. Krochmal, W. B. Gerwig 4th, S. Rush, N. T. Simmons, J. D. Sullivan & K. Wachter (2016): Using Pharmacological Manipulation and High-precision Radio Telemetry to Study the Spatial Cognition in Free-ranging Animals. – Journal of Visualized Experiments 6(117): 54790 oder Abstract-Archiv.
Galerien
Kinosternon alamosae – Alamos-Klappschildkröte
