Abedin, Imon, Angkasa Putra, Hye-Eun Kang, Arunima Singh, Shailendra Singh, Hilloljyoti Singha, Hyun-Woo Kim & Shantanu Kundu (2025): Cladistic Relationships and Landscape Genetics of the Endangered Indian Peacock Softshell Turtle Nilssonia hurum (Gray, 1830): Implications for Strategic Conservation Planning. – Ecology and Evolution 15(12): e72751.
Kladistische Beziehungen und Landschaftsgenetik der vom Aussterben bedrohten indischen Pfau-Weichschildkröte Nilssonia hurum (Gray, 1830): Implikationen für die strategische Naturschutzplanung.
DOI: 10.1002/ece3.72751 ➚

Nilssonia hurum,
© Sreeparna Dutta/TSA Foundation India
Die vom Aussterben bedrohte Pfauenschildkröte Nilssonia hurum (Gray, 1830) hat in den letzten Jahrzehnten aufgrund von Lebensraumverlust und anthropogenen Belastungen einen starken Rückgang der Populationen erlebt, was die dringende Notwendigkeit wissenschaftlicher Maßnahmen zum Schutz dieser Art in freier Wildbahn unterstreicht. Daher integriert die vorliegende Studie mitogenomische und ökologische Daten, um proaktive Schutzstrategien für diese Art zu entwickeln. Die Studie berichtet über das erste Mitogenom (16.788 bp) von N. hurum aus dem oberen Gangesgebiet, das eine typische Genzusammensetzung und eine starke A + T-Verzerrung aufweist. Die auf dem Mitogenom basierenden phylogenetischen Analysen zeigen die Monophyly der Gattung Nilssonia Gray, 1872 und eine enge evolutionäre Verwandtschaft zwischen N. hurum und N. nigricans (Anderson, 1875). Die genetischen Distanz- und Haplotyp-Netzwerkanalysen auf der Grundlage des CYTB-Gens zeigen eine erhebliche intraspezifische Vielfalt und räumliche genetische Strukturierung zwischen den Populationen in den Flussgebieten im östlichsten Verbreitungsgebiet. Mithilfe von Artenverbreitungsmodellen identifizierte die Studie 123.699 km2 (6,81 % des IUCN-Verbreitungsgebiets) als derzeit für N. hurum geeignet. Zukunftsprognosen zum Klima deuten jedoch auf eine drastische Verringerung des geeigneten Lebensraums hin, mit Verlusten von bis zu 85 % aufgrund des Klimawandels. Die landschaftsgenetischen Analysen ergaben, dass das Meghna-Becken die höchste mittlere funktionale Konnektivität (0,603) aufweist, während das Brahmaputra-Becken trotz geeigneter Lebensraumfragmente die niedrigste Konnektivität (0,198) aufweist, was mit seiner hohen genetischen Vielfalt übereinstimmt. Darüber hinaus deuten Prognosen unter zukünftigen Klimaszenarien, die von erwarteten Verlusten an Lebensraumtauglichkeit getrieben sind, auf einen weitreichenden Rückgang der funktionalen Konnektivität in allen Becken und Teilbecken hin. Die Bewertungen der Landschaftsgeometrie zeigen darüber hinaus eine zunehmende Fragmentierung der Lebensräume aufgrund des Klimawandels. Daher sollten Populationen, die in geeigneten Lebensräumen in verschiedenen Flussbecken im östlichen Verbreitungsgebiet überleben, als eigenständige Schutzgebiete für das künftige Management priorisiert werden. Insgesamt liefert diese Studie eine wichtige Grundlage für die standortspezifische Schutzplanung durch Landschaftsgenetik, um den Verlust und die Fragmentierung von Lebensräumen sowie die Inzuchtdepression zu bekämpfen und so das langfristige Überleben dieser bedrohten Süßwasserschildkröte in Südasien zu sichern.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Studie beschreibt eine wirklich vorausschauende Prioritätensetzung zum Schutz dieser Spezies. Trotzdem bleibt fraglich ob nicht auch geplante Managementeingriffe, wie Umsiedlungen zukünftig notwendig werden, um die genetische Diversität möglichst hochzuhalten.
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Nilssonia hurum – Pfauenaugen-Weichschildkröte
