Praschag, P., A. K. Hundsdoerfer & U. Fritz (2007): Phylogeny and taxonomy of endangered, South and South-east Asian freshwater turtles elucidated by mtDNA sequence variation (Testudines: Geoemydidae: Batagur, Callagur, Hardella, Kachuga, Pangshura). – Zoologica Scripta 36 (5): 429-442.

Phylogenie und Taxonomie der gefährdeten südlichen und südostasiatischen Süßwasserschildkröten aufgedeckt anhand von mtDNS-Sequenzvariationen (Testudines: Geoenydidae: Batagur, Callagur, Hardella, Kachuga, Pangshura)

Unter Verwendung des mitochondrialen Cytochrom b Gens untersuchten wir die Phylogenie und Taxonomie der südlichen und südostasiatischen Schildkröten, wobei alle Spezies und Unterarten der Gattungen Batagur, Callagur, Hardella, Kachuga und Pangshura einbezogen wurden. Wir fanden drei Hauptkladen: (i) eine moderate und gut unterstützte Klade, die alle großen Flussschildkrötenarten beinhaltet, die bis auf Weiteres Batagur, Callagur und Kachuga umfasst; (ii) ein gut gestütztes (abgesichertes) Monophylum, das sich aus den vier Pangshura-Spezies zusammensetzt; und (iii) Hardella, welches entweder als Schwestertaxon zu Pangshura gesehen werden kann oder sich einer Klade aus Batagur, Callagur, Kachuga und Pangshura zurechnen lässt. Die Gattung Kachuga ist klar polyphyletisch. Deshalb empfehlen wir alle Batagur, Callagur und Kachuga Spezies in eine Gattung zu stellen. Nach den Vorgaben des „International Code of Zoological Nomenclature“ ist Batagur Gray, 1856, der höhere Rang zuzuordnen, dem der Vorzug vor dem zeitgleich publizierten Namen Kachuga Gray, 1856, und dem jüngeren Namen Callagur Gray, 1870 zu geben ist, was letztendlich zu einer Erweiterung der Gattung Batagur führt. Die indonesischen und malaiischen Batagur baska erwiesen sich aufgrund unserer Sequenzen für diese Spezies aus Sundarban (Bangladesh, angrenzendes Indien) als hochgradig distinkte Einheiten, was vermuten lässt, dass eine bisher noch unbekannte Spezies am Zustandekommen dieser Befunde beteiligt sein könnte. Dieser Befund wäre hoch relevant für das Erhaltungsmanagement für die als hochgradig gefährdete B. baska. Die derzeit anerkannten Unterarten innerhalb von Hardella thurjii, Pangshura smithii und P. tentoria korrespondieren nicht sehr gut mit unseren mtDNS-Kladen. Unter Berücksichtigung, dass die zwei Unterarten von H. thurjii sehr wahrscheinlich nur auf individuellen ontogenetischen (altersabhängigen) Unterschieden beruhen, schlagen wir vor, auf die Unterartenunterteilung innerhalb von H. thurjii zu verzichten. Im Ghaghra-Fluss, Uttar Pradesh (Indien) fanden wir gemeinsame Haplotypen in P. smithii und P. tentoria, was vermuten lässt, dass die ungewöhnlichen morphologischen Charaktere der Ghaghra-Fluss-Population von P. tentoria das Ergebnis einer zwischenartlichen Hybridisierung sind.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Also auch für die südostasiatischen Flussschildkröten scheint sich anhand der molekulargenetischen Daten eine Reduzierung bei der Anzahl der Gattungen anzudeuten, obwohl ich auch hier anmerken möchte, dass man doch mehr Gensequenzen untersuchen sollte als nur eine Sequenz des Cytochrom b Gens. In Bezug auf die Erhaltung und Umweltanpassungen finde ich aber auch in dieser Arbeit interessant, dass sich wieder einmal Anhaltspunkte für das natürliche Auftreten von Hybriden ergeben hat, so dass man Hybridbildung als natürlichen Prozess bei der biologischen Artenbildung durchaus als einen natürlichen Bestandteil der Biologie der Schildkröten ansehen sollte. Dass solche Hybriden oft deutliche Überlebensvorteile haben können, sollte zu denken geben, denn das Überleben in sich verändernden Umwelten (Umgebungen) hängt von vielfältigen Anpassungsstrategien ab und dazu scheint auch die Fähigkeit zur Hybridisierung zu gehören. Siehe dazu auch: Spinks & Shaffer (2007): Conservation phylogenetics of the Asian box turtles (Geoemydidae, Cuora): mitochondrial introgression, numts, and inferences from multiple nuclear loci. – Conservation Genetics 8 (3): 641-657 oder Abstract-Archiv; Lara-Ruiz et al. (2006): Extensive hybridization in hawksbill turtles (Eretmochelys imbricata) nesting in Brazil revealed by mtDNA analyses. – Conservation Genetics 7 (5): 773-781, Abstract in SiF 4(1) 2007; oder Fitzpatrick & Shaffer (2007): Hybrid vigor between native and introduced salamanders raises new challenges for conservation. – Proceedings of the National Academy of Science U S A. 2007 Sep 20 im Druck.).

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