Praschag, P., C. Schmidt, G. Fritzsch, A. Müller, R. Gemel & U. Fritz (2006): Geoemyda silvatica, an enigmatic turtle of the Geoemydidae (Reptilia: Testudines), represents a distinct genus. – Organisms Diversity & Evolution 6 (2): 151-162.

Geoemyda silvatica eine rätselhafte Schildkröte in der Familie Geoemydidae (Reptilia: Testudines) repräsentiert eine eigene Gattung

Die systematische Position der seltenen indischen Schildkröte Geoemyda silvatica Henderson wurde mittels einer phylogenetischen Analyse der mtDNS Sequenzen (Zytochrom-b-Gen) der meisten Arten aus Geoemydidae untersucht. Geoemyda silvatica repräsentiert ein grundlegendes und isoliertes Taxon innerhalb der Geoemydidae und ist definitiv nicht mit irgendeiner Art von Geoemyda oder Heosemys nahe verwandt, den Gattungen, in die G. silvatica in der Vergangenheit eingeordnet gewesen ist. Deshalb wird die neue Gattung Vijayachelys für G. silvatica vorgeschlagen. Schädelmorphologie und einige andere osteologische Charaktere von Vijayachelys silvatica werden beschrieben und illustriert. Differentialdiagnosen werden für die Typusart von Melanochelys und alternative zu den oberflächlich ähnlichen Gattungen Geoemyda, Heosemys und Leucocephalon gegeben. Laut der Bayesian Analyse der mtDNS Daten könnte Melanochelys trijuga mit V. silvatica entfernt verwandt sein, wohingegen die morphologische Ähnlichkeit der anderen Arten wahrscheinlich das Resultat einer ähnlichen Lebensweise darstellt. Die Entdeckung der phylogenetisch isolierten Position von V. silvatica hebt die Bedeutung der Western Ghats als einen Biodiversitäts-Hotspot hervor, der reich an höheren Endemiten ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Neben der Abgrenzung einer neuen Gattung empfinde ich es schon mal als Fortschritt, dass neben genetischen und morphologischen Charakteristika tatsächlich von den Autoren auch einmal die Anpassung an einen Lebensraum mit in Erwägung gezogen wird. Denn insbesondere bei einer Systematik, die sich nur auf morphologische Befunde stützt, kann man die Notwendigkeit der Berücksichtigung der ökologischen Einnischung nicht hoch genug bewerten, um zu vernünftigen Schlussfolgerungen zu kommen. Ein Umstand, der es gerade bei der Beurteilung und systematischen Einordnung fossiler Funde schwierig erscheinen lässt, zu vernünftigen Schlussfolgerungen zu kommen, da wir häufig nicht genau wissen, wie diese fossilen Arten in ihren Lebensraum eingepasst waren und welche morphologischen Anpassungen dafür notwendig waren (s. Fritz et al. 2006 oder Abstract-Archiv und Le et al. 2006 oder Abstract-Archiv).

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