Polo-Cavia - 2010 - 01

Polo-Cavia, N., P. Lopez & J. Martin (2010): Competitive interactions during basking between native and invasive freshwater turtle species. – Biological Invasions 12(7): 2141-2152.

Konkurrierende Interaktionen während des Sonnenbadens zwischen nativen und invasiven Wasserschildkrötenspezies.

DOI: 10.1007/s10530-009-9615-0 ➚

Maurische Bachschildkröte, Mauremys leprosa, – © Hans-Jürgen Bidmon
Maurische Bachschildkröte,
Mauremys leprosa,
© Hans-Jürgen Bidmon

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) wurde seinerzeit in vielen mediterranen Ländern eingeführt, wo sie sich als invasive Spezies zeigt, die als Konkurrent und als Verdränger der nativen Populationen der gefährdeten Bachschildkröte oder Spanischen Wasserschildkröte (Mauremys leprosa) auftritt. Allerdings ist über die Natur dieser konkurrierenden Interaktionen wenig bekannt. Während des Sonnenbadens könnten Faktoren wie die größere Körpergröße oder andere vorherrschende verhaltensmäßige Anpassungen an deren Orginalhabitat mit höherem zwischenartlichem Wettbewerb dazu führen, dass die eingebürgerte T. scripta Vorteile im Vergleich zu nativen Spezies hat. Wir stellten die Hypothese auf, dass der Wettbewerb um Sonnenbadeplätze mit der eingeführten T. scripta Nachteile beim Sonnenbaden und der Thermoregulation für die Spanische Sumpfschildkröte mit sich bringt. Wir untersuchten experimentell die Sonnenbadeaktivität von T. scripta und M. leprosa bei kurzfristigen und langfristigen Zusammentreffen in Bezug auf den intra- und interspezifischen Wettbewerb. Native M. leprosa, die einem interspezifischen Wettbewerb ausgesetzt waren, verkürzten ihre Sonnenbadeaktivitäten und Zeiten im Vergleich zu T. scripta und sie vermieden, sich beim Sonnenbaden auf die vorhanden exotischen Schildkröten zu setzen. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass eine Verdrängung der nativen Schildkröten von den Sonnenbadeplätzen durch T. scripta stattfindet. Die verkürzte Badeaktivität der nativen M. leprosa, die mit T. scripta um Badeplätze konkurrieren, mag dazu führen, dass die nativen Schildkröten die Effektivität ihrer physiologischen Funktionen einbüßen, da sie nur noch bedingt zur Thermoregulation befähigt sind. Davon können Verdauung und Bewegungsfähigkeit betroffen sein, was wiederum zur Ausbreitung der invasiven Spezies beiträgt.

Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans, – © Hans-Jürgen Bidmon
Rotwangen-Schmuckschildkröte,
Trachemys scripta elegans,
© Hans-Jürgen Bidmon

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Autoren dieser Studie mögen durchaus Recht haben, aber dennoch muss man sagen, dass solche Studien, wenn sie im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Untersuchungen glaubhaft sein wollen, bessere Daten als Beobachtungen und deren Interpretation liefern müssen. Denn T. scripta könnte auch länger sonnenbaden, weil sie größer ist und mehr Zeit zum Aufwärmen benötigt als die kleinere M. leprosa. Hier wird nämlich nicht angesprochen, ob z. B. M. leprosa gleich lange oder eben verkürzte Sonnenbäder nehmen, wenn man sie mit M. leprosa unter vergleichbaren Bedingungen ohne das Beisein von T. scripta vergleicht. Sicher sind invasive Arten auch Nahrungskonkurrenten, zumindest in freier Wildbahn, aber dennoch möchte ich anmerken, dass mir Freilandschildkrötenhaltungen bekannt sind, bei denen zwar Nahrungskonkurrenz keine Rolle spielt, aber wo verschiedene, große amerikanische Sumpfschildkröten zusammen mit den kleineren europäischen Arten leben und die Sonnenplätze gemeinsam nutzen, ohne dass es bislang zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der kleineren europäischen Spezies während der letzten Jahre gekommen wäre. Insofern wäre es schon empfehlenswert, wirklich gut abgesicherte Daten zu erheben und nicht nur Schlüsse und Vermutungen anhand von Beobachtungen anzustellen, ohne wirklich negative physiologische oder demographische Auswirkungen nachgewiesen zu haben.

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