Pasmans, F., S. Blahak, A. Martel & N. Pantchev (2008): Introducing reptiles into a captive collection: The role of the veterinarian. – Veterinary Journal 175(1): 53-68.

Die Einbringung von Reptilien in bestehende Sammlungen: Die Rolle des Tierarztes.

DOI: 10.1016/j.tvjl.2006.12.009

Die erfolgreiche Einbringung von Reptilien in bestehende Haltungen ist abhängig von optimalen Haltungsbedingungen und der veterinärmedizinischen Überwachung. Eine der wesentlichen Aufgaben des Tierarztes ist dabei die Vermeidung von Krankheiten und deren Einschleppung, die sowohl die neu eingebrachten wie auch die vorhandenen Bestände betreffen können. Dieser Übersichtsartikel hebt besonders die Maßnahmen der präventiven Veterinärmedizin für Reptilien hervor – wie die korrekte Quarantäne, Desinfektion und die Eingangsuntersuchungen für infektiöse Krankheitserreger. Insbesondere werden die Krankheitserreger abgehandelt, die zu schweren klinischen Problemen führen, wenn sie in bestehende Reptilienbestände eingeschleppt werden, oder solche wie Salmonellen, die ein bedeutendes Krankheitspotential für die Bevölkerung darstellen. Die Ätiologie, klinische Symptome und Diagnose werden für die relevantesten Erreger sowie für Endo- und Ektoparasiten, Bakterien und Viren einschließlich Cryptosporidium und Entamoeba, Salmonella, Dermabacter, Chlamydiales, Mycoplasma, Herpesvirus, Adenovirus, Paramyxovirus oder Inclusion body disease (Einschlusskörperkrankheit) diskutiert.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Mit 140 Referenzen sicher eine lesenswerte, umfassende neuere Übersichtsarbeit zum Thema. Allerdings geht es auch hier im Wesentlichen um das reine veterinärmedizinische Handwerk. Was wirklich in diesem Bereich bislang fehlt, und von den meisten Veterinären eben mit der lapidaren Aussage – Optimale Haltungsbedingungen – abgehandelt wird, ist die Erarbeitung und Beschreibung einer Kombination von optimaler Haltung und infektions- bzw. quarantänemedizinischer Notwendigkeit. Denn wenn man sich die meisten Grundlagen für die Quarantäneunterbringung und die durchaus nicht als kurz zu bezeichnenden Quarantänezeiten einmal genau betrachtet, widersprechen sie sich oft eklatant. Häufig angepriesene Standard-Quarantäneunterbringungen können bei den meisten Reptilien allein durch zu stereotype Einrichtung zu Blutbildveränderungen eventuell mit dadurch verursachter, anschließender Fehldiagnose führen. Siehe z. B.: Case, B. C., G. A. Lewbart & P. D. Doerr (2005): The physiological and behavioural impacts of and preference for an enriched environment in the eastern box turtle (Terrapene carolina carolina). – Applied Animal Behaviour Science 92: 353-365 oder Schildkröten im Fokus 2(4), 2005; Wright, K. (2005) Beyond POTZ: Environmental influences on reptile healing. – Exotic DVM Veterinary Magazine 7(4): 11-15 oder Schildkröten im Fokus 3(1), 2006. Sicher, eine solche Zusammenstellung wäre sehr umfangreich und bedürfte langfristiger Planung, aber sie wäre lohnend, insbesondere für die Ausbildung von Veterinären und Tierpflegern, und sie wäre ein unverzichtbares Nachschlagewerk, insbesondere für den Veterinär. Denn sind wir doch einmal ehrlich, die Qualität der Empfehlungen zur optimalen Tierhaltung, die im Bezug für bestimmte Reptilien von manchen Tierärzten gegeben werden, entbehren an dieser Stelle jeglicher Diskussion. Da informieren Sie sich lieber in den jeweiligen Foren. Diesbezüglich wäre es schon wünschenswert, wenn man insbesondere in den jeweiligen Arbeitsgemeinschaften der herpetologischen Gesellschaften einmal mit der Datensammlung beginnen würde. Siehe dazu: Kommentar zu Mathie, R. T., L. Hansen, M. F. Elliott & J. Hoare (2007): Outcomes from homeopathic prescribing in veterinary practice: a prospective, research-targeted, pilot study. – Homeopathy 96(1): 27-34 oder Abstract-Archiv. Sicher mag sich mancher Klinker jetzt fragen, gibt es für so etwas einen Bedarf? Nun, wenn Ihnen die Forendiskussionen nicht reichen, dann fragen Sie einmal bei den Haltern bestimmter Arten nach, wie oft Telefonate oder E-Mails von Hilfesuchenden eingehen und wie oft dabei auch die Frage gestellt wird: „Soll ich das jetzt wirklich so machen, wie mir meine Tierärztin oder Tierarzt das empfohlen hat?“. Eines der krassesten Beispiele ersehen Sie allein daraus, dass seit das nicht zu vernachlässigende Thema UVB-Bestrahlung innerhalb der AGARK-Fachtagungen abgehandelt wurde, junge noch unerfahrene Reptilienfachärzte diese nun auch für Schildkrötenarten wie Geoemyda spengleri (Zackenerdschildkröte) empfehlen. Ich denke daran sieht man klar, solange in der Weiterbildung niemand ärztliches Handwerk und Arten- bzw. Habitatkenntnis miteinander verbindet, nutzt die Bescheinigung „Facharzt für Reptilien“ wenig, um dem Anspruch einer „Optimalen Haltung“ als Präventivmaßnahme zur Krankheitsvermeidung auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Hier könnte man aber Abhilfe schaffen, indem man die Möglichkeiten einer konsequenten Datensammlung realisiert und für die Fortbildung nutzt.

Seitenanfang