Nelson, D. H., G. J. Langford, J. A. Borden & W. M. Turner (2009): Reproductive and Hatchling Ecology of the Alabama Red-Bellied Cooter (Pseudemys alabamensis): Implications for Conservation and Management. – Chelonian Conservation and Biology 8 (1): 66-73.

Reproduktions- und Schlüpflingsökologie der Alabama-Schmuckschildkröte (Pseudemys alabamensis): Auswirkungen für die Erhaltung und das Management.

Wir studierten die Reproduktions-, Nist- und Schlüpflingsökologie der bedrohten Alabama-Schmuckschildkröte (Pseudemys alabamensis) von 1997 bis 2001 und in 2003 im Mobile-Tensaw Delta, Alabama, USA. Die Nistaktivität gipfelte im Juni und Juli bei einer durchschnittlichen Gelegegröße von 13 Eiern (n=31), wobei es eine strenge positive Korrelation zwischen Gelegegröße und der Plastronlänge der Weibchen gab. Die Weibchen setzen mehrere Gelege in einzelnen oder in mehreren Nistkammern ab. Sowohl adulte als auch juvenile Weibchen graben so genannte falsche Nester. Nicht überwinternde Schlüpflinge zeigten eine Entwicklungsperiode (bis zum Verlassen des Nests) von 101 Tagen (n=21 Nester); überwinternde Schlüpflinge begannen im März des Folgejahres mit dem Verlassen des Nests. Das mittlere Gewicht der Schlüpflinge betrug 11,7 g bei einer Carapaxlänge von 39,1 mm (n=262). Wir testeten mit 6 Schlüpflingen ein Headstart-Programm, wobei die Schlüpflinge für 16 Monate in Gefangenschaft aufgezogen wurden und als große juvenile Schildkröten ausgewildert wurden. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass ein Headstart-Programm eine praktizierbare Möglichkeit zur Steigerung der Schlüpflingsüberlebensrate darstellt. Wir machen folgende Vorschläge zur Verhinderung weiterer Populationsrückgänge: 1) Die Errichtung einer permanenten Barriere, um zu verhindern, dass Weibchen und Schlüpflinge auf den Straßen überfahren werden (Causeway, US 90/98), 2) Beschränkungen, die dazu dienen, Störungen innerhalb der Nisthabitate im Mobile-Tensaw Delta zu verringern und 3) Initiierung und Evaluation eines einjährigen Headstart-Programms, um eine Zunahme bei den Jungtieren innerhalb der Population zu erreichen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher kann man mit Headstart-Programmen Populationszunahmen erreichen. Allerdings eigentlich doch nur dann – wenn die Populationen entweder durch die Entnahme von Tieren reduziert wurden – oder wenn es vor Ort eine dichte Beutegreiferpopulation gibt, die speziell die Schlüpflinge unterhalb einer bestimmten Größe dezimiert. Denn nur dann kann man davon ausgehen, dass eigentlich genug Ressourcen vorhanden wären, um die aus dem Programm ausgewilderten Tiere zu versorgen. Sind diese Bedingungen aber nicht gegeben, dann können solche Programme eventuell sogar die Situation verschlechtern. Für die Tropfenschildkröte wurde schon gezeigt, dass Headstart-Programme wenig Erfolg versprechen (Enneson & Litzgus 2008), und für andere Sumpfschildkröten wurde gezeigt, dass sie innerhalb intakter Habitate durchaus in der Lage sind, die Population aus eigener Kraft rasch anwachsen zu lassen. Siehe auch Fordham et al. (2007), Gerlach (2008).

Literatur

Enneson, J. J. & J. D. Litzgus (2008): Using long-term data and a stage-classified matrix to assess conservation strategies for an endangered turtle (Clemmys guttata). – Biological Conservation 141 (6): 1560-1568 oder Abstract-Archiv.

Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2007): Demographic response of snake-necked turtles correlates with indigenous harvest and feral pig predation in tropical northern Australia. – Journal of Animal Ecology 76 (6): 1231-1243 oder Abstract-Archiv.

Gerlach, J. (2008): Fragmentation and demography as causes of population decline in Seychelles freshwater turtles (Genus Pelusios). – Chelonian Conservation and Biology 7 (1): 78- 87 oder Abstract-Archiv.

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