Mota Rodrigues, J. F. & M. S. Lima-Ribeiro (2018): Predicting where species could go: climate is more important than dispersal for explaining the distribution of a South American turtle. – Hydrobiologia 808 (1): 343-352.

Vorhersagen darüber wohin Arten abwandern können: Klima ist wichtiger als die Fähigkeit zur Ausbreitung was die Verteilung einer südamerikanischen Schildkröte erklärt.

DOI: 10.1007/s10750-017-3436-4

Die Verbreitung von Arten wird durch abiotische und biotische Faktoren und durch deren Fähigkeit zur Ausbreitung bestimmt, aber die meisten Studien zum Sachverhalt fokussieren sich ausschließlich auf abiotische (hauptsächlich klimatische) Komponenten. In dieser Studie untersuchten wir wie sich die Fähigkeit zur Ausbreitung auf die Vorhersagbarkeit der Artverbreitung innerhalb von Spezies-Verteilungsmodellen (SDMs) auswirkt anhand einer Beispielart der Schildkröte, Mesoclemmys tuberculata. Wir testeten ganz spezifisch ob die Fähigkeit zur Ausbreitung bei M. tuberculata deren Verbreitung besser vorhersagt als die Klimadaten. Wir sammelten dazu Vorkommensnachweise für M. tuberculata und benutzten sie in den SDM’s wobei wir die Entfernung einer jeden Zelle (Vorkommensort) zum nächst gelegenen Fluss (Flussdistanz) als einen Vorhersageindikator für die Ausbreitungsfähigkeit nutzten. Zudem nutzten wir drei bioklimatische Vorhersageparameter die auf der quantitativen Erfassung der Temperatur und der Niederschlagsmenge beruhten. Wir wendeten für die Vorhersagen fünf verschiedene Algorithmen an (BioClim, Domain, Maxent, SVM, und Random Forest) um die Verbreitung von M. tuberculata zu modulieren und zu evaluieren welch relativen Einfluss jeder Vorhersageparameter für die Verbreitung hat. Obwohl die Modelle die die Ausbreitungsfähigkeit mit einbezogen etwas bessere Vorhersagen für deren Verbreitung lieferten als die Modelle die sie nicht mit einbezogen so zeigte sich doch, dass die klimatischen Vorhersageparameter für die die aktuelle Verbreitung der Art die wichtigeren sind und zwar bei allen SDMs. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass obwohl die Ausbreitungsfähigkeit die potentiellen geographischen Areale die von einer Art erschlossen werden können begrenzt so sind es doch die abiotischen Parameter die das aktuelle Vorkommen von M. tuberculata bestimmen. Letztendlich nutzten wir so genannte Übereinstimmungslandkarten um die Regionen festzulegen in denen zukünftig noch Feldstudien zum Nachweis der Art durchzuführen wären.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Der Einsatz solcher Modelle mag ja ganz sinnvoll erscheinen, um wie im letzten Satz dargelegt weitere mögliche Vorkommensgebiete ausfindig zu machen in denen es lohnen könnte nach der betreffenden Spezies zu suchen. Auch die Bestimmung der Ausbreitungsfähigkeit einer Art mag sinnvoll erscheinen, wenn man ermitteln möchte welche Möglichkeiten sie selbst mitbringt aus ihrem derzeitigen Lebensraum z. b. im Zuge des Klimawandels abzuwandern und ihren Lebensraum entsprechend den Klimaveränderungen zu verlagern (siehe dazu auch Kommentare zu Butler et al., 2016; Lee, 2011) oder um festzustellen welches Invasionspotential eine Art besitzt. Allerdings die von den Autoren formulierte wissenschaftliche Frage was wohl wichtiger sei: Die Ausbreitungsfähigkeit oder die abiotischen Klimafaktoren; war eigentlich von vornherein sehr fragwürdig oder gar unsinnig, wenn es dabei um die Untersuchung einer wechselwarmen Art geht, denn für wechselwarme Spezies sind nun mal von vornherein die klimatischen Faktoren in ihren Lebensräumen die wichtigsten. Sicher gibt es auch da gewisse Anpassungsstrategien (siehe Loehr et al., 2015; Loehr, 2018) aber letztendlich ist für sie das Überleben immer auf eine Klimazone beschränkt in der gewährleistet ist, dass sie ihren zum Überleben notwendigen Stoffwechsel und ihre Reproduktion realisieren kann. Letzteres bedingt auch, dass die abiotischen (einschließlich der Klimafaktoren) Faktoren von vornherein die wichtigeren sind (siehe auch Kommentar zu Javanbakht et al., 2017).

Literatur

Butler, C. J., B. D. Stanila, J. B. Iverson, P. A. Stone & M. Bryson (2016): Projected changes in climatic suitability for Kinosternon turtles by 2050 and 2070. – Ecology and Evolution 6(21):7690-7705 oder Abstract-Archiv.

Javanbakht, H., F. Ihlow, D. Jablonski, P. Siroky, U. Fritz, D. Roedder, M. Sharifi & P. Mikulicek (2017): Genetic diversity and Quaternary range dynamics in Iranian and Transcaucasian tortoises. – Biological Journal of the Linnean Society 121: 627-640 oder Abstract-Archiv.

Lee, H. (2011): Climate change, connectivity, and conservation success. – Conservation Biology, 25: 1139–1142 oder Abstract-Archiv.

Loehr, V. J. T. (2018): Thermoregulatory challenges in the habitat of the world's smallest tortoise, Chersobius signatus. – Journal of Thermal Biology 71: 62-68; DOI: 10.1016/j.jtherbio.2017.10.018 oder Abstract-Archiv.

Loehr, V. J. T., T. Stark, M. Weterings & H. Kuipers (2015): Overcoming low environmental temperatures in the primary feeding season: low-level activity and long basking in the tortoise Homopus signatus. – Amphibia-Reptilia , DOI: 10.1163/15685381-00002994 oder Abstract-Archiv.

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