Morgan, J. & S. Chng (2018): Rising internet-based trade in the Critically Endangered ploughshare tortoise Astrochelys yniphora in Indonesia highlights need for improved enforcement of CITES. – Oryx 52(4): 744-750.

Der zunehmende, Internet-basierte Handel mit der hochgradig gefährdeten Schnabelbrustschildkröte, Astrochelys yniphora in Indonesien hebt die Notwendigkeit hervor die CITES Bestimmungen strenger zu handhaben.

DOI: 10.1017/S003060531700031X

Madagassische Schnabelbrustschildkröte, Astrochelys yniphora – © Hilmar Hufer
Madagassische Schnabelbrustschildkröte,
Astrochelys yniphora
© Hilmar Hufer

Die hochgradig gefährdete Schnabelbrustschildkröte, Astrochelys yniphora lebt endemisch auf Madagaskar und ist eine der seltensten Landschildkröten der Welt. Trotz ihrem Schutz durch das nationale madegassische Recht und ihrer Listung im Anhang I von CITES, gibt es eine erhöhte Nachfrage auf der Seite der Schildkrötensammler über die letzten Jahrzehnte hinweg die das Ausmaß der Wilderei auf ein kritisches Maß ansteigen ließ. Illegale Händler nutzen zunehmend online-Plattformen und die sozialen Medien um die Spezies zu verkaufen. Wir liefern hier Daten aus einer fünfmonatigen Untersuchung die von TRAFFIC im Jahr 2015 zum Handel mit Schnabelbrustschildkröten in Indonesien während 2010-2015 durchgeführt wurde. Wir identifizierten für diesen Zeitraum 88 Anzeigen die insgesamt 126 Schnabelbrustschildkröten von 49 Händlern anboten. 56% der Anzeigen fanden sich in bestimmten Foren oder auf online Verkaufsseiten und 43% tauchten in sozialen Medien auf. Seit 2012 stieg die Zahl der Angebote in den sozialen Medien bis 2015 um mehr als > 90% an. 75% der Angebote stammte von indonesischen Verkäufern wovon 74% ihren Sitz in Jakarta hatten. Die Preise reichten von USD 509-47,000. Das Internet bietet diesen indonesischen Händlern eine relativ sichere Möglichkeit geschützte Wildtiere zu verkaufen. Die Häufigkeit mit der illegale Schnabelbrustschildkröten öffentlich online in Indonesien angeboten werden zeigt deutlich die Missachtung der Gesetze durch die indonesischen Importeure und deren exportierende Partner. Eine Reevaluation der CITES umsetzenden Legislative in Indonesien ist notwendig. Der Mangel an entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen und die unzureichende Forcierung der Gesetzeseinhaltung schreckt die Händler von Schnabelbrustschildkröten und anderen nicht-einheimischen von CITES gelisteten, geschützten Tieren nicht ab.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Zahl von 126 Exemplaren der Schnabelbrustschildkröte über fünf Jahre hinweg mag manchem als gering erscheinen, aber bei der derzeitigen Schätzung von weniger als 200 wildlebenden Exemplaren ist diese Zahl durchaus nicht vernachlässigbar. Auch Habitaterhaltungsmaßnahmen vor Ort sind in Madagaskar schwer zu realisieren, denn wie man bei Walker (2010) eindrucksvoll nachlesen kann haben auch für eine andere Spezies solche seit mehr als 40 Jahren angestrebte Maßnahmen kaum gefruchtet. Was mich aber zudem an diesen seit Jahrzehnten laufenden Diskussionen stört geht zwar nicht gegen die geforderten restriktiveren Maßnahmen zum Schutz, sondern stellt eher einen anderen Punkt in den Vordergrund. Seit Jahren werden auch offizielle Nachzuchtinitiativen für diese Art gestartet, die bislang aber mit Ausnahme jener auf Madagaskar selbst kaum Erfolge zeigten. Ich denke aber, dass es durchaus Personen gibt die diese Art nachziehen können, die aber ihr Wissen und vielleicht auch ihre Nachzuchten nicht offiziell weitergeben können, weil eben seit langem alles illegal ist. Ich fürchte hier kann viel Wissen verspielt werden! Denn es bleibt schon fraglich woher die angebotenen Tiere kommen sollen. Denn entweder sind die Bestandschätzungen auf Madagaskar falsch und mit einer hohen Dunkelziffer behaftet oder es muss noch andere Quellen geben? Denn die Nachzuchttiere die aus dem einzig funktionierenden Nachzuchtprogramm aus Madagaskar stammen sind leicht per DNS-Abgleich zu identifizieren und zudem sind die Fälle wo Tiere gestohlen wurden gut dokumentiert und den entsprechenden Angebotszeiträumen zuzuordnen. Da solch seltene Arten meist sowieso nur noch unter den Bedingungen einer sogenannten „Gemanagten Natur“ fortbestehen können, sollten hier, wenn man schon Arterhaltung betreiben will neue Ansätze überdacht werden. In einem der ärmsten Länder der Welt hängt meines Erachtens Artenschutz und Arterhaltung nicht nur von den kommerziellen und sozialen Umständen ab, denn allein ein politischer Wechsel egal ob durch Wahlen oder durch einen Putsch kann hier zu weitreichenderen negativen Konsequenzen für deren Überleben führen. Manche Arten die wir glücklicherweise heute noch bewundern können haben auch in der Vergangenheit nur so und oftmals auch nur außerhalb ihres Herkunftsgebiets überlebt. Letzteres könnte auch für viele andere Arten gelten, die zwar nicht wie hier einer lokalen, wenn sie so wollen Vorortbedrohung ausgesetzt sind, sondern die durch globale Veränderungen wesentlich stärker bedroht werden als durch illegale Tierentnahmen (Gibbons et al., 2000). Siehe dazu auch Barker & Barker, (2014).

Literatur

Barker, D. G. & T. M. Barker (2014): The invisible Ark: In defense of captivity. – VPI Library, Boerne, TX, USA; pp. 1-165.

Gibbons, J. W., D. E. Scott, T. J. Ryan, K. A. Buhlmann, T. D. Tuberville, D. S. Metts, J. L. Greene, T. Mills, Y. Leiden, S. Poppy & C. T. Winne (2000): The Global Decline of Reptiles, Déjà Vu Amphibians:
Reptile species are declining on a global scale. Six significant threats to reptile populations are habitat loss and degradation, introduced invasive species, environmental pollution, disease, unsustainable use, and global climate change. BioScience; 50(8): 653–666.

Walker, R. C. J. (2010): The decline of the critically endangered northern Madagascar spider tortoise (Pyxis arachnoides brygooi). – Herpetologica 66: 411–417 oder Abstract-Archiv.

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