Loy, A. & C. Cianfrani (2010): The ecology of Eurotestudo h. hermanni in a mesic area of southern Italy: first evidence of sperm storage. – Ethology Ecology & Evolution 22(1): 1-16.

Die Ökologie von Eurotestudo h. hermanni in einem mittelfeuchten Areal im südlichen Italien: Erste Beweise für die Spermaspeicherung.

DOI: 10.1080/03949370903515893

Tages- und Jahresrhythmus, sowie die Aktivitätsmuster und das räumliche Verteilungsverhalten einer E. hermanni hermanni Population, welche in einem mesophilen (mittelfeuchten) Waldbiotop Süditaliens lebt, wurden per Telemetrie untersucht. Vier Männchen und vier Weibchen wurden mit Transmittern ausgestattet und während der gesamten Aktivitätszeit überwacht. Die tägliche Aktivität variierte in Bezug zur Jahreszeit sowie zum Tagesverlauf. Verstärkte Sonnenbadeaktivität wurde besonders von Mai bis Juni und im September beobachtet während die Futteraufnahme im Juni wie auch im Oktober ein Maximum zeigte. Paarungsverhalten konnte nur im Spätsommer beobachtet werden. Eiablagen erfolgten im späten Frühjahr, was nahelegt, dass die weiblichen Tiere Sperma speichern. Die Größe der genutzten Habitate variierte bei weiblichen E. hermanni hermanni zwischen 1,0 und 3,3 Hektar während Männchen Habitate zwischen für 0,5 und 2,8 Hektar nutzten. Die „Homeranges“ von Weibchen und Männchen überlappen großräumiger als jene von männlichen mit gleichgeschlechtlichen Schildkröten. Dies zeigt eine größere Toleranz gegenüber dem jeweils anderen Geschlecht. Schildkröten die über die gesamte Aktivitätsperiode überwacht wurden zeigten ein „Homing“ Heimkehrverhalten bei der Auswahl ihrer Überwinterungslokalitäten was bestätigt dass die Tiere ein exzellentes Orientierungsvermögen besitzen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hierbei handelt es sich um eine sehr schöne Arbeit die gute Einblicke in die Lebensweise dieser Schildkrötenpopulation liefert. Obwohl die Arbeit nicht belegt wie und wo eine Spermaspeicherung erfolgt (z. B. Eileitertubuli oder in Form schon befruchteter Eier) so belegt sie doch für diese Spezies, dass zwischen Kopulation und Eiablage zumindest eine Hibernationsperiode liegt.
Diese Arbeit zeigt dass E. hermanni hermanni sich die geographische Lage ihrer Überwinterungshöhle und den Weg dorthin einprägen können somit verfügen sie über ein Langzeitgedächtnis und auch die Fähigkeit sich im Gelände gezielt zu orientieren. Will man die Orientierungs- und Gedächtnisleistung von Schildkröten unter Laborbedingungen experimentell untersuchen, besteht die Frage welcher Anreiz (Stimulus) geeignet ist diese Leistungen nachvollziehbar zu zeigen.
Eventuell besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten und der Verfügbarkeit von Ressourcen. Bei unbegrenzter Verfügbarkeit variabler Mikrohabitate mag ihr Verhalten ungerichtet und willkürlich erscheinen (das aufsuchen bestimmter Plätze ist unnötig da die entsprechende Ressource wie Sonne, Schatten oder Wasserquelle überall zu finden ist) während mit zunehmendem Ressourcen Rückgang (z.B.: im Jahresverlauf) auf bekannte Ressourcen zurückgegriffen werden muss.
Zudem beschreiben die Autoren, die Art als sozial da die Tiere gemeinsam in Höhlen hibernierten.

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