Ljubisavljevic, K., G. Dzukic & M. L. Kalezic (2011): The commercial export of the land tortoises (Testudo spp.) from the territory of the former Yugoslavia: a historical review and the impact of overharvesting on wild populations. – North-Western Journal of Zoology 7(2): 250–260.

Der kommerzielle Export der Landschildkröten (Testudo spp.) aus dem Gebiet des früheren Jugoslawien: Eine historische Übersicht über den Einfluss des übermäßigen Absammelns der wild lebenden Populationen.

DOI: None

Frühere Aufzeichnungen zeigen, dass das ehemalige Jugoslawien eine bedeutende Rolle beim Export von Landschildkröten (Testudo spp.) während der vergangenen Jahrzehnte spielte. In dieser Arbeit präsentieren wir Belege für die in der Vergangenheit erfolgte Ausbeutung der Bestände und vergleichen diese Daten mit jenen, die die Dynamik (Umfang) des Handels mit Landschildkröten anhand von Belegen aus den offiziell geführten Handelsstatistiken sowie aus den Belegen der Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES) Datenbank. Ebenso untersuchten wir die langfristigen Folgen dieser übermäßigen Bestandsausbeutung in Bezug auf die Gesundheit (Intaktheit) der Populationen, indem wir einen Index für deren Kondition (CI, Populationskoditionsindex) für die Population der im früheren Jugoslawien am häufigsten vertretenen Landschildkröte (Testudo hermanni) kalkulierten. Anhand der Belege aus den offiziellen Handelsstatistiken zum internationalen Handel ergibt sich eine Gesamtzahl von 2.615 (metrischer) Tonnen an exportierten T. hermanni und T. graeca), die innerhalb eines Zeitraums von 41 Jahren während des 20. Jahrhunderts das frühere Jugoslawien verlassen haben. Diese Exportzahlen repräsentieren in etwa insgesamt 2.142.000 Exemplare (Individuen). Die Exportraten weisen ihren Hauptpeak von 236 Tonnen für das Jahr 1972 auf. Allerdings wurden schon seit 1929 Landschildkröten in 19 verschiedene Länder exportiert. Die größten Importländer waren Deutschland, Italien, Belgien, Niederlande, Luxemburg sowie England. Diese Länder erhielten allein 77 % der Exporte. Wir fanden sehr viele Unstimmigkeiten beim Vergleich der offiziellen Handelsstatistiken mit jenen, die seit 1975 bis heute von CITES erfasst worden waren. Diese Differenzen bezogen sich zum einen auf die gelisteten Exportmengen und zum anderen auf die Angaben in Bezug auf die gelisteten Importländer sowie die Mengen, die die beteiligten Importländer vom Gesamtexport erhielten. Die derzeitigen Untersuchungen im Hinblick auf einen optimalen CI-Wert für die verbliebenen Populationen deuten an, dass die Populationen durch die Entnahmen gestört sind, wobei insbesondere Faktoren Veränderungen aufweisen, die von der Populationsdichte abhängig sind. Die Arbeit diskutiert abschließend die derzeitige Situation der Landschildkrötenfarmen und deren Handel sowie Zukunftsperspektiven zur Erhaltung der verbliebenen Landschildkrötenpopulationen innerhalb der Regionen des ehemaligen Jugoslawiens.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Mit 89 Referenzen zum Thema sicher eine umfassende, lesenswerte Zusammenstellung der historischen Fakten, anhand derer sich ja auch die derzeitigen Erhaltungsbemühungen zu orientieren haben – zumindest wenn es darum geht abzuschätzen, welche Bestandsentwicklungen man wo, und in Anbetracht der vielleicht auch erfolgten Landnutzungsänderungen man für die verbliebenen aktuellen Populationen erwarten darf. Andererseits erhebt sich auch hier die schon bei Türkozan et al. (2008) gestellte Frage: Wo sind sie geblieben? Denn wenn man sich diese Zahlen zu den belegbaren Handelsvolumina für solch doch vergleichsweise langlebige Spezies wie T. hermanni und T. graeca anschaut, gerät man zum einen ins Staunen, wie robust diese Populationen gewesen sein müssen, um diesen immensen Aderlass zu verkraften und zum anderen fragt man sich, wie viele Schildkrötenüberreste müssen eigentlich in den Gärten Deutschlands ruhen oder ihren Weg in die Müllverbrennungsanlagen in der Vergangenheit gefunden haben, um den Verbleib dieser Mengen zu erklären? Wohl gemerkt zur Herstellung von Schildkrötensuppe wurden ja Meeresschildkröten verwendet.

Literatur

Türkozan, O., A. Özdemir & F. Kiremit (2008): International Testudo Trade. – Chelonian Conservation and Biology 8(2): 269–274 oder Schildkröten im Fokus 6(3), 2009.

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