Liu, Y., J. Wang, H. Shi, R. W. Murphy, M. Hong, B. He, J. J. Fong, J. Wang & L. Fu (2009): Ethogram of Sacalia quadriocellata (Reptilia: Testudines: Geoemydidae) in Captivity. – Journal of Herpetology 43(2): 318–325.

Ein Ethogramm für Sacalia quadriocellata (Reptilia: Testudines: Geoemydidae) in Gefangenschaftshaltung.

DOI: 10.1670/07-277R4.1

Um ein Ethogramm (Verhaltensrepertoir) für Sacalia quadriocellata aufzustellen und ein Kodierungssystem für Schildkrötenverhaltensweisen für eine wissenschaftliche Quantifizierung zu erarbeiten, wurden 15 gehaltene S. quadriocellata (8 Weibchen und 7 Männchen) für ein Jahr mit einem digitalen Überwachungssystem beobachtet und ein Ethogramm erstellt. Vierzehen Stadientypen und 84 Arten an besonderen Vorfällen wurden aufgezeichnet. Fünfundsiebzig Verhaltensweisen wurden definiert und beschrieben und diese wurden 8 Kategorien von Verhalten zugeordnet. Fressen, Ausweichen, Konflikte, Aufmerksamkeit, Ruhe, Fortbewegung, Balz und andere. Fressen, Ausweichen und Fortbewegung waren die überwiegenden Verhaltensweisen, während Konfliktverhalten und andere Verhaltensweisen eher selten zu beobachten waren. Letzteres könnte daran liegen, dass die Umweltbedingungen (Haltungsweise) diese plastischen Verhaltensweisen (z. B. Konflikt und Andere) unterdrückten, so dass hauptsächlich die nicht-plastischen Verhaltensweisen (z. B. Fressen, Ausweichen und Fortbewegung) dominierten. Zum Schluss zeigte ein Vergleich zwischen S. quadriocellata und anderen Schildkrötenarten, dass sich die Verhaltensmuster im Großen und Ganzen sehr ähnlich waren, wobei das Konfliktverhalten wesentlich milder ausgeprägt ist als bei anderen Arten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Über diese Arbeit sollte jeder selbst nachdenken, der sie gelesen hat. Aber Fressen, Ausweichverhalten und Fortbewegung als „nicht-plastische“ Verhaltensweisen zu beschreiben, halte ich schlicht weg für falsch. Denn in der Natur ist sowohl die Suche nach, als auch die Nahrung selbst sehr habitatabhängig, sodass sich die Tiere im Rahmen der Habitatanpassung zwangsweise plastisch verhalten müssen. Ich denke Tiere, die gerade in diesen auf individueller Ebene Hauptaktivitäten und Verhaltensweisen nicht plastisch sind, kann man auch nicht in Gefangenschaft halten, weil ja allein die Haltungsbedingungen einschließlich eines meist stereotypen Futterplans eine plastische Anpassung an diese Haltungsbedingungen erfordern.

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