Joos, J., M. Kirchner, M. Vamberger, M. Kaviani, M. R. Rahimibashar, U. Fritz & J. Müller (2017): Climate and patterns of body size variation in the European pond turtle, Emys orbicularis. – Biological Journal of the Linnean Society 122: 351-365; DOI: 10.1093/biolinnean/blx056.

Das Klima und das Muster der Körpergrößenunterschiede bei der Europäischen Sumpfschildkröte, Emys orbicularis.

Es wird generell angenommen, dass ektotherme Wirbeltiere eine Umkehr der Bergmannschen Regel zeigen, aber einige Studien lassen das Gegenteil vermuten. Hier untersuchten wir dieses Thema für die weitverbreitete Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), eine Art die ausgeprägte geographische Größenunterschiede aufweist. Wir überprüften die Carapaxlänge bei mehr als 2000 Individuen über das gesamte Verbreitungsgebiet in Bezug zum Breitengrad und den klimatischen Faktoren und deren Auswirkungen auf Weibchen-spezifische Eigenschaften wie der Gelegegröße und der Gelegehäufigkeit. Zudem verglichen wir unsere Daten mit solchen aus dem Pleistozän (Eemian) für E. orbicularis aus Deutschland. Regionale Unterschiede der Temperatur und bei den Niederschlägen lieferten die besseren Vorhersagen für die Körpergröße als die Breitengrad-abhängigen Temperaturprofile, insbesondere für die Weibchen. Zusätzlich scheint die Körpergröße der Weibchen, Aktivitätsperiode und die Nistsaison korreliert zu sein, da die kleineren südlichen Weibchen mehrere kleinere Gelege pro Saison produzieren wohingegen die großen nördlichen Weibchen nur ein großes Gelege absetzen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass zwar klimatische Bedingungen Auswirkungen auf die Körpergröße von E. orbicularis haben, aber die Art folgt nicht der Bergmannschen Regel. Zudem ergaben die Vergleiche mit heutigen und fossilen E. orbicularis aus Deutschland, dass die fossilen Sumpfschildkröten im Allgemeinen kleiner waren als ihre heutigen Verwandten aus der gleichen Region.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Befunde sind wohl vorhersehbar, wenn man sich die physiologischen Anpassungen an die unterschiedlichen Lebensräume unter dem Aspekt der Energieersparnis und den biophysikalischen Bedingungen zur Thermoregulation, sowie der Nistplatzwahl vor Augen hält. Abweichungen davon kann es eigentlich nur geben, wenn sich für bestimmte lokale Lebensräume Abweichungen bezüglich der Ernährungssituation ergeben. Als gutes Beispiel für diese Anpassungsprozesse kann man durchaus die Arbeit von Snover et al., (2015) heranziehen, die eigentlich für ein und dieselbe Art, wenn nicht sogar „Population“ die klimatisch bedingten Wachstums- und Anpassungsverhältnisse darlegt. Aber man sollte dabei auch nie vergessen, dass es auch andere umweltinduzierte Anpassungsmechansimen zu beachten gilt (Wolak et al., 2010; Fordham et al., 2007).

Literatur

Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2007): Demographic response of snake-necked turtles correlates with indigenous harvest and feral pig predation in tropical northern Australia. – Journal of Animal Ecology 76 (6): 1231–1243 oder Abstract-Archiv.

Snover, M. L., M. J. Adams, D. Ashton, J. B. Bettaso & H. H. Welsh Jr. (2015): Evidence of counter-gradient growth in western pond turtles (Actinemys marmorata) across thermal gradients. – Freshwater Biology, 60: 1944–1963 oder Abstract-Archiv.

Wolak, M. E., G. W. Gilchrist, V. A. Ruzicka, D. M. Nally & R. M. Chambers (2010): A Contemporary, Sex-Limited Change in Body Size of an Estuarine Turtle in Response to Commercial Fishing – Conservation Biology 24: 1268–1277 oder Abstract-Archiv.

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