Hansen, D. M., C. J. Donlan, C. J. Griffiths, & K. J. Campbell (2010): Ecological history and latent conservation potential: large and giant tortoises as a model for taxon substitutions. – Ecography 33(2): 272-284.

Die ökologische Vergangenheit und ihr latentes Erhaltungspotential: Große und Riesenschildkröten als ein Modell für Taxonsubstitutionen.

DOI: 10.1111/j.1600-0587.2010.06305.x

Es begann in den späten siebziger Jahren (1970), als Ökologen anfingen die Rolle zu entschlüsseln, die kürzlich ausgestorbene große Wirbeltiere in der Evolutionsökologie und den Dynamiken von Ökosystemen spielten. Drei Dekaden später sind es nun die Praktiker, die die Rolle der ökologischen Vergangenheit für die Arterhaltungspraxis analysieren, und einige plädieren für die Restaurierung der ökologischen Funktionen (Gleichgewichts) und deren evolutives Potential, indem man einen Ersatz für die ausgerotteten Taxa einführt, indem man sie durch funktionell gleichwertige Taxa (Arten) ersetzt – also ausgestorbene Spezies durch andere heute noch verfügbare substituiert. Dieser pro-aktive Ansatz zur Biodiversitätserhaltung birgt Kontroversen. Allerdings ist das Auswildern von solchen Artersatz-Spezies oder der Einsatz anderer ökologischer Analoge heute ein integrativer Bestandteil von Arterhaltungs- und Restaurierungsprogrammen weltweit. Es gibt zunehmend empirische Belege, die zeigen wie die Taxonsubstitutionen (Ersatzarten) ökologische Funktionsabläufe wieder restaurieren können und das evolutive Potential (Anpssungspotential) aufrecht erhalten können. Allerdings gibt es einen wichtigen Aspekt, der die Nutzung solcher Ersatzarten und deren Auswirkungen einschränkt, da es keinerlei praktische Richtlinien gibt, die vorgeben, wie und unter welchen Bedingungen solche Maßnahmen durchzuführen sind. Während die Richtlinien der Internationalen Union zur Erhaltung der Natur durchaus eine Option darstellen, sind sie in ihrer derzeitigen Form dafür nicht brauchbar. Wir empfehlen daher notwendige Ergänzungen zu diesen Richtlinien, die ausdrücklich die Belange der Taxonsubstitution adressieren. Ein zweites Problem bezieht sich auf die empirische Evaluation solcher Maßnahmen, da es sich bei den meisten Projekten um Auswilderungen großer Tiere auf relativ großen Flächen handelt, sodass allein die Dimensionen problematisch für eine Überwachung und die Evaluation sind. Wir präsentieren und diskutieren hier Befunde mit großen und Riesenschildkröten (Familie: Testudinidae) als brauchbare Modelle zur schnellen Generierung empirischer Erhebungen, die den Nutzen der Taxonsubstitution innerhalb eines relativ kleinen überschaubaren Rahmens aufzeigen. Weltweit wurden mindestens 36 Arten von großen bzw. Riesenschildkröten seit dem späten Pleistozän ausgerottet, sodass derzeit noch 32 Spezies existieren. Wir untersuchen dabei das latente Erhaltungspotential, die Vorteile und Risiken die Landschildkröten zur Taxonsubstitution als einer Strategie zur Restaurierung gestörter Ökosysteme besitzen. Wir stellen hervor, welche Rolle das insbesondere für Inseln spielt, und Erhaltungspraktiker beginnen ausgestorbene Landschildkröten in diesen Ökosystemen durch noch rezente Spezies zu ersetzen, um die tragende Funktionen und die Schlüsselrolle zu ersetzen, die die ausgerotteten Arten in diesen Ökosystemen spielten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne und überfällige Übersichtsarbeit zum Thema, das mit 123 Literaturzitaten umfassend bearbeitet wurde. Siehe auch die Anmerkungen zu Moolna (2008) und Griffiths et al. 2010.

Literatur

Griffiths, C. J., C. G. Jones, D. M. Hansen, M. Puttoo, R. V. Tatayah, C. B. Mueller & S. Harris (2010): The Use of Extant Non-Indigenous Tortoises as a Restoration Tool to Replace Extinct Ecosystem Engineers. – Restoration Ecology 18(1): 1-7 oder Abstract-Archiv.

Moolna A. (2008) Preliminary observations indicate that giant tortoise ingestion improves seed germination for an endemic ebony species in Mauritius. – African Journal of Ecology 46: 217-219 oder Abstract-Archiv.

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