Günther, P., M. Fehr, K. Mathes & M. Hewicker-Trautwein (2009): Osteolytische Panzernekrose des Plastrons einer Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca) mit Beteiligung des keratinolytischen Pilzes Scopulariopsis sp. – Tierärztliche Praxis Ausgabe Kleintiere Heimtiere 37(1): 45–50.

Osteolytische Panzernekrose des Plastrons einer Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca) mit Beteiligung des keratinolytischen Pilzes Scopulariopsis sp.

DOI: 10.1055/s-0038-1622740

Maurische Landschildkröte, Testudo graeca – © Hans-Jürgen Bidmon
Maurische Landschildkröte,
Testudo graeca
© Hans-Jürgen Bidmon

Gegenstand und Ziel: Darstellung der Diagnostik sowie der Therapie und Ursachen der Panzernekrose bei der Landschildkröte. Material und Methoden: Der Fall einer Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca), die post hibernationem mit nässendem Panzer vorgestellt wurde, wird dargestellt und diskutiert. Ergebnisse: Mittels Röntgen und CT ließ sich eine osteolytische Panzernekrose diagnostizieren. Nach in Narkose durchgeführtem Wunddébridement der bis auf das Peritoneum reichenden Nekrose konnte durch intensive Wundbehandlung eine Heilung des Panzers herbeigeführt werden. Mikrobiologisch wurde neben einer bakteriellen Mischinfektion ein Pilz der Spezies Scopulariopsis, Verursacher der humanen Onychomykose, als Erreger identifiziert. Schlussfolgerung: Auch tiefgehende Panzernekrosen können unter intensivem Wundmanagement zufrieden stellend abheilen. Dies ist der erste beschriebene Fall einer Panzernekrose bei einer Landschildkröte mit möglicher Beteiligung eines keratinolytischen Pilzes der Spezies Scopulariopsis.

Galapagos-Riesenschildkröte, Chelonoidis nigra – © Hans-Jürgen Bidmon
Galapagos-Riesenschildkröte,
Chelonoidis nigra, wird mit einem Apfel
aus der Unterkunft gelockt
© Hans-Jürgen Bidmon

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine interessante Arbeit, die zeigt, dass auch solche Pilze, die Infektionen beim Menschen verursachen, den Schildkrötenpanzer angreifen können und wohl auch umgekehrt. Allerdings ist es schade, dass die Autoren nicht einen Fachmann für eine sichere Artbestimmung des Pilzes zurate gezogen haben. Denn laut Prof. Mutters vom Hygieneinstitut der Universität Marburg sind diese Pilze der Gattung ,die bislang bekannt, sind ausschließlich kerationolytisch, also hornzersetzend und es ist bislang keine Art bekannt, die auch den Knochen angreifen würde, also auch osteolytisch wäre. Insofern wäre es sicher von Interesse, diese Art genauer bestimmt zu haben. Im Allgemeinen kann man sich auch kaum vor Pilzen dieser Gattung schützen, denn auch der Hausschimmel gehört dazu und Sporen dieser, die eine charakteristische Form habe,n finden sich auch häufig wohl als Darmpassanten in Kotproben von vielen Landschildkröten. Auch gerade tropische Arten, die im Winter in Terrarien beziehungsweise Schildkrötenräumen gepflegt werden, in denen sich oft bedingt durch die relativ hohe Luftfeuchte Pilze und deren Sporen anreichern, findet man häufig Scopulariopsis-Sporen, wobei wohl jene der Art S. brevicaulis die häufigsten stellen. Dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt, bestätigt sich immer wieder dadurch, dass man sie auch in den Kotproben aus anderen Schildkrötenhaltungen findet, ohne dass es dort bislang zu Infektionen und Erkrankungen gekommen ist. Insofern ist der oben geschilderte Fall schon von Interesse und wenn noch möglich, sollte man durchaus eine Artbestimmung vornehmen oder abklären, unter welchen Umständen so weit verbreitete Pilze als Ursache einer Panzerläsion fungieren können.

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