Fritz, U., D. Guicking, M. Auer, R. S. Sommer, M. Wink & A. K. Hundsdoerfer (2008): Diversity of the Southeast Asian leaf turtle genus Cyclemys: how many leaves on its tree of life? – Zoologica Scripta 37: 367-390.

Die Diversität der südostasiatischen (Malaiischen) Sumpfschildkröten der Gattung Cyclemys: Wie viele Blätter gibt's an ihrem Stammbaum

In der vorliegenden Untersuchung nutzten wir mtDNS-Sequenzdaten (cyt b Gen) in Kombination mit nukleären DNS-Sequencen (C-mos, Rag2 Gene, R35 intron), nuleär-genomische Fingerprints (ISSR) und morphologische Daten, um die Speziesunterschiede innerhalb der südostasiatischen Schildkrötengattung Cyclemys abzuklären, einer morphologisch schwierigen Gruppe, die sich aus kryptischen Arten zusammensetzt. Zwei morphologisch distinkte Gruppen existieren, eine gelbbäuchige Artengruppe mit drei Taxa (Cyclemys atripons, C. dentata, C. pulchristriata) und eine dunkelbäuchige Artengruppe. Die Letztere beinhaltet neben der morphologisch variablen C. oldhamii drei zusätzliche neue Spezies (C. enigmatica n. sp., C. fusca n. sp., C. gemeli n. sp.). Anhand der mtDNS-Daten, bilden C. fusca und C. gemeli eine gut abgesicherte Schwestergruppe zu einer Klade, der alle anderen Arten angehören, was andeutet, dass die dunkelbäuchigen Spezies trotz ihrer morphologischen Gemeinsamkeiten nicht monophyletischen Ursprungs sind. MtDNS-Sequenzen von C. enigmatica zeigen sehr distinkte nukleär-genomische Marker, obwohl sie sich nicht von der sympatrisch vorkommenden C. dentata unterscheiden, was vermuten lässt, dass das ursprüngliche mitochondriale Genom von C. enigmatica durch introgressive Hybridisierung verloren ging. Eine morphologische Unterscheidung der Cyclemys-Spezies ist bei Anwendung multivariater Methoden möglich. Allerdings ist einerseits die generelle Morphologie der meisten dunkelbäuchigen Spezies und andererseits die von C. atripons und C. pulchristriata so ähnlich, dass eine zuverlässige Bestimmung nur unter Benutzung genetischer Marker möglich ist. Die hohe Diversität innerhalb der Gattung Cyclemys erfordert eine Revision der IUCN Rote Liste Kategorien für die „Malaiischen Sumpfschildkröten“, denn die früheren Einordnungen basierten auf der falschen Annahme, dass im gesamten Verbreitungsgebiet der Gattung nur eine Art vorkommt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier einmal ein Beispiel dafür, dass trotz signifikanter Unterschiede auf genetischer Ebene kaum morphologisch sichtbare Unterschiede bestehen. Was sehr wahrscheinlich durch die Anpassung an den gleichen Lebensraum bedingt ist. Letztendlich wieder ein klarer Hinweis darauf, dass die überlebenswichtige ökologische Einnischung eine oft unterschätzte Größe darstellt, die zu solchen Extremen führen kann, wie man sie vom Grizzly und Eisbären her kennt, die genetisch kaum Unterschiede aufweisen und doch klar für jeden an der Fellfarbe und Körperform zu differenzieren sind, genauso wie lokale Population von Testudo graeca. Siehe auch: Fritz U., P. Siroky, H. Kami & M. Wink (2005): Environmentally caused dwarfism or a valid species – Is Testudo weissingeri Bour, 1996 a distinct evolutionary lineage? New evidence from mitochondrial and nuclear genomic markers. – Molecular Phylogenetics and Evolution 37 (2): 389-401 oder Abstract-Archiv; Fritz, U., A. K. Hundsdörfer, P. Široký, M. Auer, H. Kami, J. Lehmann, L. F. Mazanaeva, O. Türkozan & M. Wink (2007): Phenotypic plasticity leads to incongruence between morphology-based taxonomy and genetic differentiation in western Palaearctic tortoises (Testudo graeca complex; Testudines, Testudinidae). – Amphibia-Reptilia 28 (1): 97-121 oder Abstract-Archiv; Fritz, U., D. Ayaz, J. Buschbom, H. G: Kami, L. F. Mazanaeva, A. A. Aloufi, M. Auer, L. Rifai, T. Sili´c & A. K. Hundsdörfer (2008): Go east: phylogeographies of Mauremys caspica and M. rivulata – discordance of morphology, mitochondrial and nuclear genomic markers and rare hybridization. – Journal of Evolutionary Biology 21 (2): 527-540 oder Abstract-Archiv.

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