Fordham, D. A., A. Georges & B. Corey (2007): Optimal conditions for egg storage, incubation and post-hatching growth for the freshwater turtle, Chelodina rugosa: Science in support of an indigenous enterprise. – Aquaculture 270(1-4): 105-114.

Optimale Bedingungen zur Lagerung und Inkubation von Eiern und für das Schlüpflingswachstum der Süßwasserschildkröte, Chelodina rugosa: Wissenschaft zur Unterstützung eines wirtschaftlichen Projekts der Urbevölkerung

DOI: 10.1016/j.aquaculture.2007.03.012

Die Inkubation der Eier der nördlichen Schlangenhalsschildkröte (Chelodina rugosa) und der Verkauf der Schlüpflinge an den Heimtierhandel hat das Potential, eine kulturell machbare Einkommensmöglichkeit für die Urbevölkerung im Norden Australiens zu realisieren. Ein Entwicklungsstillstand bei den Eiern als Reaktion auf eine Überschwemmung ist einzigartig für C. rugosa. Die Eier können unter Wasser für bis zu 10 Wochen gelagert werden, ohne dass dies einen nennenswerten Einfluss auf die Überlebensfähigkeit der Embryonen hätte. Somit können Eier auf diese Weise gelagert, transportiert und auf Märkten gehandelt werden, ohne dass dadurch die Mortalitätsrate ansteigt, was es zudem erlaubt, die Eier in diesem Diapausestadium zu sammeln, bis genug da sind, um sie kommerziell zu inkubieren. Eier, die gar nicht oder nur für kurze Zeit unter Wasser waren, zeigen gleiche Überlebensraten wie solche, die für längere Perioden unter Wasser waren. Die Inkubationstemperatur beeinflusst das Überleben der Embryonen und die Entwicklungsperiode bei C. rugosa. Während der Lagerung ist die Überlebensrate der Embryonen bei 26 °C am größten und sinkt stetig mit zunehmender Temperatur bis zu 32 °C. Ein vergleichbarer Anstieg der Inkubationstemperatur verkürzt hingegen die Inkubationsperiode um bis zu 40 Tage, wobei die Hälfte des Effekts bei der Inkubationsbeschleunigung bei C. rugosa auf den Inkubationstemperaturanstieg von 26 auf 28 °C zurückzuführen ist. Bei C. rugosa ist das Schlüpflingswachstum durch zwei Phasen charakterisiert. Es gibt eine initiale Phase, die sich durch ein relativ langsames Wachstum auszeichnet, welches partiell von der Eigröße und der Inkubationsdauer mitbestimmt wird, dieser ersten Phase folgt die zweite Phase mit einem relative schnellen Wachstum, welches unter dem teilweisen Einfluss der erfahrenen Wassertemperatur und der Körpermasse beim Schlupfzeitpunkt steht. Die Überlebensrate der Schlüpflinge ist negativ korreliert mit der Dauer der Überschwemmung und der Wassertemperatur. Die Befunde zeigen, dass für C.-rugosa-Eier eine sechswöchige Lagerung unter Wasser, eine Inkubations der Embryos bei 28 °C und die Aufzucht der Schlüpflinge in 28 °C warmen Wasser die besten Erfolge erbringt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine interessante Arbeit mit klaren Ergebnissen, die sich zumindest für jene, die C. rugosa pflegen und züchten, direkt anwenden lassen. Es wäre wünschenswert, für mehr Arten solche Daten zu haben. Aber dafür scheint ein Umdenken notwendig zu sein, denn sowohl was die Haltungsbedingungen als auch die veterinärmedizinische Versorgung angeht, werden solche Daten bislang nur für wirtschaftlich interessante Arten erarbeitet (siehe auch Abstracts zu Pelodiscus und Yang et al. (2007): The immune response and protective efficacy of oral alginate microparticle Aeromonas sobria vaccine in soft-shelled turtles (Trionyx sinensis). Veterinary Immunology and Immunopathology 119 (3-4): 299-302 oder Abstract-Archiv). Allerdings scheint mir bei dieser Studie besonders hervorhebenswert der Ansatz durch die Vermarktung von C. rugosa eine wirtschaftliche Existenzgrundlage für die einheimische Bevölkerung der Aborigines zu realisieren, indem man die Spezies für den einheimischen Tierhandel freigibt. Ein Experiment, das durchaus auch den positiven Nebeneffekt haben könnte, dass die Art und ihre Biotope durch die ortsansässige einheimische Bevölkerung geschützt und erhalten werden, denn hier geht es weniger um die kommerzielle Zucht als um eine optimale Nutzung der ohnehin von den Aborigines in den Biotopen gesammelten Eier. Insofern könnte das dazu führen, dass die Aborigines, wenn sie nicht auch in Zuchtfarmen arbeiten wollen, zumindest dazu ermuntert werden, darauf zu achten, dass verwilderte Schweine die natürlichen Populationen nicht noch mehr schädigen und eventuell sogar für eine Veränderung bei der Viehhaltung und der Bejagung von Wildschweinen sorgen. Vielleicht wäre das sogar ein gangbarer Weg für andere Regionen auf diesem Planeten, in denen das Überleben bedrohter Spezies immer noch und zum größten Teil von der Einstellung und dem Verhalten der in diesen Gebieten einheimischen Bevölkerung abhängt. Nehmen Sie zum Beispiel Geochelone platynota in Myanmar (Birma) eine der 25 bedrohtesten Spezies, die auch von der dort lebenden Bevölkerung gegessen wird. Wie westliche Naturschutzorganisationen mit ihren Aktionen den dauerhaften Schutz und Erhalt der Habitate in solchen politisch unkalkulierbaren Ländern bewerkstelligen können, bleibt unklar, denn wie wir gerade erleben, kann jederzeit ein Putsch die Kontakte und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit im wahrsten Sinne des Wortes zusammenbrechen lassen. Wer wollte es da der Not leidenden Bevölkerung verdenken, sich an den traditionellen Nahrungsressourcen (ob bedroht oder nicht) zu vergreifen oder sie für die chinesischen Lebensmittelmärkte über die Grenze zu schaffen. Anders wäre es wohl, wenn die einheimische Bevölkerung auch trotz politischer Umbrüche wüsste, welchen Wert was für sie haben kann, und wenn man ihr rechtzeitig beigebracht hätte, sinnvoll und nachhaltig (wirtschaftlich) damit umzugehen. (Denn auch heute sollen Schlüpflinge noch thailändischen Touristen angeboten werden. Glauben Sie nicht, dass eine legale Vermarktung zu vernünftigen Preisen nicht dazu beitragen könnte, die Einkommenssituation zu verbessern und die Erhaltung der Zuchttiere in ihren Ursprungsländern zu sichern?) Sicher, es mag Indianerstämme geben, denen nachhaltiges Wirtschaften im westlichen Sinne schwer bis gar nicht beizubringen ist, aber solche Extreme gibt es nicht überall und wenn man vielleicht nachhaltiges Wirtschaften im westlichen Sinne mal etwas zurückschraubt und durch nachhaltiges Nutzen von Ressourcen ersetzt, könnte man vielleicht auch dort erfolgreich sein. Zumindest bestünde die Chance, etwas erfolgreicher zu sein, als mit den derzeitigen Methoden weiterzumachen, ohne dass dabei ein System etabliert wurde, welches die politisch gesellschaftlichen Risiken und ihre Folgen abpuffern könnte. Oder wären Sie der Meinung, dass das von den westlichen Nationen angedrohte Handelsembargo gegenüber der regierenden Militärjunta die guten Ratschläge und Bemühungen westlicher Naturschutzorganisationen unterstützt? Es ist wohl zukünftig eher vom Gegenteil auszugehen! Wäre es da wirklich nicht besser, die einheimische Bevölkerung hätte gelernt, unabhängig von jeglicher Art eines politischen Machtwechsels ihr Einkommen durch eine sinnvolle, nachhaltige und legale Nutzung der Ressourcen zu sichern. Den illegalen Handel unterbindet dort sowieso niemand, und der bringt für die Bevölkerung nur ein Minimum dessen, was ein legales Einkommen ausmachen könnte. Siehe auch: Fordham et al. (2006): Feral pig predation threatens the local persistence of snake-necked indigenous harvest and turtles in northern Australia. – Biological Conservation 133(3): 379-388 oder Abstract-Archiv; Fordham et al. (2006): Compensation for inundation-induced embryonic diapause in a freshwater turtle: achieving predictability in the face of environmental stochasticity. – Functional Ecology 20(4): 670-677 oder Schildkröten im Fokus 3(4), 2006.

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