Fernández-Chacón, A., Bertolero, A., Amengual, A., Tavecchia, G., Homar, V. & D. Oro (2011): Spatial heterogeneity in the effects of climate change on the population dynamics of a Mediterranean tortoise. – Global Change Biology 17 (10): 3075–3088.

Die räumliche Heterogenität in Bezug auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Populationsdynamiken einer mediterranen Landschildkröte.

Klimaverschiebungen können das Risiko des Aussterbens von Populationen möglicherweise erhöhen, insbesondere wenn diese sowieso schon unter den negativen anthropogenen Einflüssen leiden. Unsere Möglichkeiten den Einfluss des Klimawandels für bedrohte Arten vorherzusagen sind einerseits durch unser begrenztes Wissen über den Einfluss von Klimaschwankungen auf die Populationsdynamik der meisten Organismen limitiert. Weitere Limitierungen ergeben sich durch die Ungenauigkeit bei den den Berechnungen zugrundeliegenden Klimaprojektionen welche stark von der Region abhängig sind. In dieser Studie analysierten wir Daten aus einem Langzeiterfassungsprogramm (1988–2009) für die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) mit dem Ziel die Auswirkungen vorhergesagter, dramatischer Klimaveränderungen in Bezug auf Temperatur und Niederschlagsmenge und Muster in der mediterranen Region zu evaluieren und die demographische Entwicklung einer langlebigen Spezies mit niedrigem Ausbreitungspotential zu untersuchen, die zudem schon von vielfältigen Gefährdungen betroffen ist. Die Fang-Wiederfang-Daten einer Population aus dem Ebro Delta (Nordost Spanien) erlaubte es uns die Auswirkungen von Klimaschwankungen auf das Überleben der Schildkröten abzuschätzen.
Die Winterregenfälle wurden als limitierender Faktor für das Überleben juveniler und subadulter Schildkröten identifiziert während die Überlebensrate adulter Tiere über die komplette Projektlaufzeit hoch und konstant war. Zusätzliche lokale Serien von Klimaaufzeichnungen erlaubten regionale ad hoc Klimasimulationen für die Untersuchungsregion sowie für 10 weitere mediterrane Lokalitäten die Schildkröten beherbergen. Diese Befunde lieferten uns verlässliche Daten für zukünftige Klimavorhersagen, die wir nutzen konnten um das Schicksal dieser Lokalpopulationen unter drei Niederschlagsszenarien (durchschnittlich, nass und trocken) anhand des „Stochastischen Populationsmodeling“ zu berechnen.
Eine Verschiebung hin zu einem trockeneren Klima hätte die negativsten Auswirkungen für das Überleben der Populationen bedingt durch eine hohe Jungtiermortalität. Letzteres kommt einem „Quasiaussterben“ gleich, da die Anzahl der Tiere welche die Geschlechtsreife erreichen erheblich herabgesenkt würde. Diese Prozessabläufe (Überlebenswahrscheinlichkeiten) variieren zwischen den einzelnen Lokalpopulationen und den dortigen in Betracht zuziehenden Niederschlagsszenarien, unsere Ergebnisse lassen jedoch vermuten, dass wenn nicht andere durch Menschen verursachte Mortalitätsrisiken (Wilderei, Feuer, Habitatfragmentierung) minimiert werden, die Klimaveränderungen das Auslöschungsrisiko für die Art im Großteil des aktuellen Untersuchungsgebiets erhöhen wird.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit beschreibt den möglichen Einfluss des Klimawandels im Hinblick auf die Niederschlagsmengen für das Überleben einer noch wild lebenden Landschildkrötenart, man möchte fast sagen direkt vor unserer Haustür, nämlich innerhalb der EU. Erstaunlich ist, dass auch hier ein ähnliches Szenario geschildert wird wie es von Loehr et al. (2007a,b) für das südliche Afrika und Homopus s. signatus beschrieben wurde. Dennoch denke ich, dass solche Arten eine Überlebenschance haben so wie sie sie bei früheren Klimaveränderungen in der Erdgeschichte auch hatten. Allerdings können sie dieses Überlebens- und Anpassungspotential nur dann realisieren, wenn wir Möglichkeiten schaffen anthropogene Einflüsse wie die angesprochene Habitatfragmentierung zu minimieren oder gar partiell rückgängig zu machen. Diesbezüglich sehe ich diesen Punkt als durchaus einen der wichtigsten an (siehe Kommentar zu Hoffmann & Sgro, 2011), denn was passiert wenn diese verbindenden Brücken verschwinden, wird uns sehr schön für die Europäische Sumpfschildkröte geschildert wobei es im letzteren Fall um eine Abkühlung ging die das Erlöschen der Art in bestimmten Lokalitäten bedingte (Sommer et al. 2009).

Literatur

Hoffmann, A. A. & C. M. Sgro (2011): Climate change and evolutionary Adaptation. – Nature 470: 479–485 oder Abstract-Archiv.

Loehr, V. J., M. D. Hofmeyr & B. T. Henen (2007a): Growing and shrinking in the smallest tortoise, Homopus signatus signatus: the importance of rain. – Oecologia. 153 (2): 479–488 oder Abstract SiF 4 (3) 2007.

Loehr, V. J. T., M D. Hofmeyr & B. T. Henen (2007b): Annual variation in the body condition of small, arid-zone tortoise, Homopus signatus signatus. – Journal of Arid Environment 71 (4): 337–349 oder Abstract-Archiv.

Sommer, R. S., C. Lindqvist, A. Persson, H. Bringsoe, A. G. J. Rhodin, N. Schneeweiss, P. Siroky, L. Bachmann & U. Fritz (2009): Unexpected early extinction of the European pond turtle (Emys orbicularis) in Sweden and climatic impact on its Holocene range. – Molecular Ecology 18: 1252–1262 oder Abstract-Archiv.

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