Dong, C. M., T. N. Engstrom & R. C. Thomson (2016): Origins of softshell turtles in Hawaii with implications for conservation. – Conservation Genetics 17(1): 207–220.

Die Herkunft der Weichschildkröten auf Hawaii und die Auswirkungen für deren Erhaltung.

DOI: 10.1007/s10592-015-0772-7

Fremde Spezies haben das Potential weitreichende ökologische Veränderungen zu induzieren, die dazu beitragen, dass die natürliche einheimische Ökosystembiodiversität darunter leidet, was insbesondere für Inseln zutrifft. Allerdings findet neben den meisten der sehr populären invasiven Taxa die Mehrheit der nicht-einheimischen Arten vergleichsweise wenig Beachtung von Seiten der Wissenschaft, und letzteres erschwert es Vorhersagen über deren Auswirkungen zu machen. Zusätzlich zu den ökologischen Daten zur Lebensweise dieser Arten können genetische Untersuchungen helfen, den Status der fremden Arten zu erfassen, insbesondere dann, wenn es dabei um die Einschleppung mehrerer sympatrisch vorkommender und morphologisch schwer zu unterscheidender so genannter kryptischer Arten geht, deren taxonomische Identität und geographische Herkunft es erst noch zu klären gilt. Wir nutzten hier einen molekularbiologischen, systematischen Ansatz, um den Status der im 18. Jahrhundert auf Hawaii eingeführten Weichschildkröten aus der Familie der Trionychidae Palea steindachneri und Pelodiscus sinensis zu klären. Im Hinblick auf den ausgeweiteten Import und die Ausbreitung der Arten auf den verschiedensten Inseln sowie im Lichte der jüngsten taxonomischen Revisionen und Neueinordnungen bei P. sinensis, den unbekannten Einflüssen auf das hawaiische Ökosystem sowie im Hinblick auf die Erhaltungsbiologie vor Ort war eine umfassende Charakterisierung der auf Hawaii vorkommenden Populationen längst überfällig. Die Erhebungen im Freiland zeigten eine Verteilung der Schildkröten, die sich sehr von der früheren historisch belegten Verbreitung unterschied, wobei die derzeitigen Vorkommen von P. steindachneri sich auf die Insel Kauai und jene von Pelodiscus auf die Insel Oahu beschränken. Die Analyse der 12S rRNS der ND4 und Cyt b Genregionen zeigte zwei Arten aus dem Pelodiscus-Komplex (P. sinensis sensu stricto und P. maackii) sowie eine geringe genetische Diversität für P. steindachneri. Diese Ergebnisse verweisen auf die Dringlichkeit kontinuierlicher, weiterführender Untersuchungen, um die Auswirkungen auf hawaiische Spezies zu erfassen, mit dem Ziel sie zu schützen und entsprechende Erhaltungsmanagementpläne zu entwickeln, die entweder darauf abzielen diese Populationen auf Hawaii als Rückversicherungskolonien zu erhalten, da die Arten in ihren Ursprungslebensräumen bedroht sind, oder um diese fremden Prädatoren zum Schutz der einheimischen Arten gezielter eliminieren zu können.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Siehe dazu Kommentar zu Marchetti & Engstrom (2015).

Literatur

Marchetti, M.P. & T. Engstrom (2015): The conservation paradox of endangered and invasive species. – Conservation Biology 30(2): 434-437 oder Abstract-Archiv.

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