Curtin, A. J., G. R: Zug & J. R. Spotila (2009): Longevity and growth strategies of the desert tortoise (Gopherus agassizii) in two American deserts. – Journal of Arid Environments 73(4-5): 463-471.

Langlebigkeit und Wachstumsstrategien der Kalifornischen Gopherschildkröte (Gopherus agassizii)

DOI: 10.1016/j.jaridenv.2008.11.011

Die Kalifornische Gopherschildkröte kommt in zwei sehr unterschiedlichen Wüstengebieten im Südwesten der USA vor. In der Mojave-Wüste sind die Regenfälle sehr viel irregulärer und unvorhersagbarer und die Ressourcen sind viel limitierter als in der Sonora-Wüste. Wir untersuchten die Altersstruktur der Schildkrötenpopulationen dieser beiden Wüsten, um herauszufinden, ob die Unterschiede in der Ressourcenverfügbarkeit eine treibende Kraft für eine evolutionäre Aufspaltung in Bezug auf die Lebensgeschichte, das Alter und die Wachstumsraten darstellen, und alle diese Parameter liefern starke Anhaltspunkte für eine ökologische Adaptation (Anpassung) der beiden Populationen. In der Sonora-Wüste erreichten die ältesten Männchen 54 Jahre im Vergleich zu den Weibchen, die 43 Jahre alt wurden. Die ältesten Männchen in der westlichen Mojave (WM) erreichten ein Alter von 56 Jahren im Vergleich zu WM Weibchen, die nur 27 Jahre erreichten. Die WM Schildkröten zeigten ein schnelleres Wachstum als jene der Sonora-Wüste, und die Weibchen erreichten die Geschlechtsreife sehr viel früher (in etwa 17-19 Jahren) als die Sonora-Weibchen, die etwa 22-26 Jahre benötigten. Diese Charakteristika und die höhere Gelegerate der WM-Population stellen sehr wahrscheinlich die evolutionären Anpassungen an eine geringe Überlebensrate bei den Juvenilen und an die deutlich verkürzte Lebenszeit dar. Die häufigen Trockenphasen in der WM mit den niedrigsten Niederschlägen innerhalb des Verbreitungsgebiets der Wüstengopherschildkröten sind eine ständige Ursache für chronischen physiologischen Stress, der sich möglicherweise über Jahre erstreckt, und sind vermutlich die Hauptselektionsfaktoren und treibende Kraft für die Ausprägung dieser unterschiedlichen Lebenslaufanpassungen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine interessante Feststellung, die zum einen zeigt, dass sich auch langlebige Landschildkrötenarten in gewisser Weise in ihrer Entwicklungsgeschwindigkeit anpassen können, so wie das in etwas drastischerer Form auch für australische Wasserschildkröten bekannt ist. Zum anderen macht dieses Beispiel aber auch etwas Hoffnung, denn es zeigt, dass die Schildkröten sich auch aktiv diesen Veränderungen anpassen und nicht nur passiv ihr Schicksal einer sich verändernden Umwelt tolerieren oder eben auch nicht. Insofern gibt diese Arbeit einen Rahmen innerhalb dessen man einmal dieses Anpassungspotential abschätzen kann. Sicher auch etwas, das hilfreiche Erkenntnisse liefern könnte, um die Auswirkungen zunehmender Trockenheit in anderen Landschildkrötenbiotopen besser einschätzen zu können, wie zum Beispiel das von Homopus signatus siehe Loehr, V. J., M. D. Hofmeyr & B. T. Henen (2007): Growing and shrinking in the smallest tortoise, Homopus signatus signatus: the importance of rain. – Oecologia. 153(2): 479-488 oder in Schildkröten im Fokus 4(3), 2007.

Seitenanfang