Chen, T.-H. & K.-Y. Lue (2009): Changes in the population structure and diet of the Chinese Stripe-necked turtle (Mauremys sinensis) inhabiting a disturbed river in northern Taiwan. – Zoological Studies 48(1): 95-105.

Veränderungen der Populationsstruktur und Nahrung bei der Chinesischen Sumpfschildkröte (Mauremys sinensis) in einem gestörten Fluss im nördlichen Taiwan

DOI: None

Chinesische Streifenschildkröte, Mauremys sinensis – © Hans-Jürgen Bidmon
Chinesische Streifenschildkröte,
Mauremys sinensis,
© Hans-Jürgen Bidmon

Es wurde die Populationsstruktur und Nahrung der Chinesischen Sumpfschildkröte Mauremys (Ocadia) sinensis im Keelungfluss des nördlichen Taiwan nach gravierenden Baumaßnahmen (Störungen) untersucht. Während eines zweijährigen Bauvorhabens zur Kanalisierung des Flusses wurden die physikalischen Eigenschaften und die gesamte Fluss-assoziierte Vegetation dramatisch verändert. Im Vergleich zu den Daten, die vor den Baumaßnahmen erhoben worden waren, verschob sich das Geschlechterverhältnis signifikant zu mehr Männchen, und die Anzahl der großen Weibchen sank signifikant und drastisch während der Durchführung der Baumaßnahmen und auch danach. Zudem wurden viel weniger kleine Schildkröten gefunden als vor Beginn der Maßnahmen. Die Nahrung von M. sinensis veränderte sich ebenfalls, wobei pflanzlicher Nahrung eine größere Bedeutung zukam als vorher. Zudem sank das Durchschnittsvolumen bei den aufgenommenen Futtermengen schon während und nach Vollendung der Bauvorhaben. Diese Tendenz der Nahrungsverschiebung und Aufnahmemenge war bei Weibchen ausgeprägter als bei Männchen. Die Indizes für die geschlechtsspezifische Nahrungsüberlappung während (0,591) und nach Vollendung der Umbaumaßnahmen (0,922) deuten an, dass die intraspezifische (innerhalb der Spezies: zwischen Männchen und Weibchen) Nahrungskonkurrenz während des gesamten Untersuchungszeitraums zunahm.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine gute Arbeit, die einmal klar belegt, welchen Einfluss solch gravierende Eingriffe in die Ökosysteme für die betroffenen Lebewesen darstellen. Die Frage, die nicht ganz geklärt ist, ist der Verbleib der großen Weibchen, denn sie könnten ja vielleicht aus einem Mangel an Nistplätzen und Nahrung nur abgewandert sein. Das Verschwinden der kleinen Schildkröten ist klar belegt, da die Nester im Uferbereich während der Bauarbeiten zerstört wurden. Die Arbeit liefert zudem eine gute Aufstellung für die genutzten Futterpflanzen und Tierarten. Insofern wäre es sehr interessant zu erfahren, wie sich diese Verschiebungen in Bezug auf die Nahrung letztendlich langfristig auf die Kondition der Schildkröten auswirkt, denn davon kann der Fortbestand der Population abhängen. Zudem ist es auch interessant zu sehen, dass in dem Flussabschnitt neben M. sinensis auch M. mutica und Pelodiscus sinensis vorkamen, aber auch schon zwei eingeschleppte Kosmopoliten wie Trachemys scripta elegans und Graptemys pseudogeographica. Siehe auch: Luiselli, L. G. C. Akani, E. Politano, E. Odegbune & O. Bello (2004): Dietary shifts of sympatric freshwater turtles in pristine and oil-polluted habitats of the Niger delta, southern Nigeria. – Herpetological Journal 14: 57-64 oder Abstract-Archiv.

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