Bulte, G. & G. Blouin-Demers (2010): Estimating the energetic significance of basking behaviour in a temperate-zone turtle. – Ecoscience 17: 387-393.

Abschätzung der energetischen Bedeutung des Sonnenbadeverhaltens bei Schildkröten der temperierten Zone.

Sonnenbaden ist ein allgemein für ektotherme Lebewesen einschließlich der Reptilien bekanntes Verhalten zur Thermoregulation. Da die physiologischen Schlüsselprozesse zur netto Energiegewinnung und Erhaltung (NER) Temperatur-abhängig sind, haben ektotherme Lebewesen die Fähigkeit entwickelt ihren Energieverbrauch durch das Verhalten des Sonnenbadens zu modulieren (anzupassen). Viele der aquatischen Schildkröten zeigen ein ausgeprägtes Sonnenbaden. Die energetische Bedeutung des Sonnenbadens ist aber noch weitestgehend unbekannt. Wir benutzten Datalogger um die Körpertemperatur bei frei lebenden juvenilen nördlichen Landkartenschildkröten in Ontario, Kanada zu messen. Wir bestimmten den Beitrag des Sonnenbadeverhalten bei Schildkröten zur Aufrechterhaltung einer optimalen Körpertemperatur zur Netto Energiegewinnung und Erhaltung. Wir benutzten eine Vorhersage der Standardrate für die metabolische Aktivität als einen Anhaltspunkt zur Abschätzung des Effekts den Sonnenbaden für die NER hat. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Sonnenbaden für Schildkröten essentiell ist, um ihre optimale Körpertemperatur für die NER einzustellen und lassen vermuten, dass Sonnenbadeverhalten den Schildkröten erlaubt ihre Metabolismusrate um 17,2 bis zu 30,1 % zu steigern was letztendlich einen noch größeren Gewinn für die NER bedeutet. Zusätzlich zeigen unsere Daten, dass das Sonnenbadeverhalten es den Schildkröten ermöglicht die klimatischen Auswirkungen von Temperaturschwankungen auf die Körpertemperatur und ihr Energiebudget auszugleichen. Insgesamt lassen unsere Ergebnisse den Schluss zu, das Sonnenbaden ein wichtiger Faktor für das Energiebudget ist und im erweiterten Sinn zur Fitness von Schildkröten die die temperierten Zonen besiedeln beiträgt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Siehe auch Kommentar zu Bulte, G., Blouin-Demers (2010). An dieser Stelle möchte ich nur noch zusätzlich darauf verweisen, dass wenn Sonnenbaden für die Schildkröten der temperierten Zone so wichtig ist, davon auszugehen ist, dass dies auch einen für den Arten- und Naturschutz zu beachtenden Faktor darstellt. Eine Steigerung der Metabolismusrate um 17,2 - 30,1 % ist für natürliche belebte biologische Systeme schon sehr bedeutend. Dies würde bedeuten, dass Störungen durch menschliche Aktivitäten, die die Zeiten zum Sonnenbaden beschneiden einen sehr negativen Einfluss haben können und insbesondere bei adulten Weibchen die sowieso in Bezug auf die Energiebilanz Defizite bei der Thermoregulation zeigen (Bulte, G. & G. Blouin-Demers, 2010; Horne et al., 2003; Cadi, A. & P. Joly 2003) die Reproduktion negativ beeinflussen. Auch Faunenverfälschung bei der z. B. verwilderte Rotwangenschmuckschildkröten, die Sonnenplätze der heimischen Emys orbicularis besetzen und letztere verdrängen, können sich auf deren Energiebilanz und Reproduktion negativ auswirken. Allerdings sollten diese neuen Erkenntnisse nun nicht dazu führen, dass wir die anderen ebenfalls wichtigen Faktoren des Sonnenbadens wie die Vitamin D - Synthese und den nach geschalteten Mineralhaushalt und Immunstatus, sowie die abtötende Wirkung für Ektoparasiten und pathologische Mikroben vergessen.

Literatur

Bulte, G. & G Blouin-Demers (2010)Implications of extreme sexual size dimorphism for thermoregulation in a freshwater turtle. Oecologia 162: 313-322 oder SiF 8 (1) 2011.

Cadi, A. & P. Joly (2003): Competition for basking places between the endangered European pond turtle (Emys orbicularis galloitalica) and the introduced red-eared slider (Trachemys scripta elegans). – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 81: 1392-1398 oder Abstract-Archiv.

Horne, B. D., R. J. Brauman, M. J. C. Moore & R. A. Seigel (2003): Reproductive and nesting ecology of the yellow-blotched map turtle, Graptemys flavimaculata: Implications for conservation and management. – Copeia (2003) 4: 729-738 oder SiF 2 (3) 2005.

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