Bidmon, H.-J. (2012): Hamiltons Gesetz, Selektion nach dem Verwandtschaftsgrad oder gar altruistisches Verhalten bei Spaltenschildkröten? – Schildkröten im Fokus, Bergheim 9 (2): 3–26.

Die Haltung eines jungen Brutpaares der Spaltenschildkröten, Malacochersus tornieri, wird beschrieben. Die beiden Individuen wurden als Halbwüchsige zusammengebracht. Seit 2007 reproduziert sich dieses Paar kontinuierlich während der Phase der Innenhaltung, mit einer Ausnahme, bei der die Eier bereits im Freigehege abgelegt wurden, wo die Spaltenschildkröten im Sommer gehalten werden. Beginnend mit ihrer ersten Nistsaison in Innenhaltung vergrub das Weibchen die Eier im Boden im künstlichen Versteck, der Spalte des Männchens, wo sie bis zum Schlüpfen blieben. Das Männchen verlässt immer sein bevorzugtes Versteck während der Zeit, in der eines der Eier dort abgelegt ist, kehrt aber sofort zurück, nachdem das Jungtier geschlüpft ist. Bei einer Gelegenheit deponierte das Weibchen ein nicht befruchtetes Ei an derselben Stelle, was dazu führte, dass die bevorzugte Unterkunft des Männchens während der gesamten Inkubationszeit vollständig verlassen wurde. Während dieser Zeit blieb das Männchen in der einzigen anderen freien künstlichen Spalte, die von beiden Elternschildkröten normalerweise nicht bevorzugt wird. Beide Adulti sind nicht aggressiv gegen ihre Jungtiere. Dieses unerwartete Verhalten des Männchens wird in Bezug auf die Hamilton-Regel in Bezug auf die Klassenauswahl- und Altruismus-Theorie diskutiert. Diese Beobachtung, die während der Nachzucht in Kombination mit dem, was über ihre isolierte und eingeschränkte Lebensweise (ökologische Nische) in der Wildnis bekannt ist, zeigt, dass Malacochersus tornieri ein ausgezeichnetes Modell-Reptil für die Untersuchung der Entwicklung von komplexeren sozialen Verhalten als Reaktion auf die Verfügbarkeit von Spalten und Prädationsdruck ist. Dieser letzte Vorschlag wird ausführlicher und auf der Grundlage der verfügbaren Literatur diskutiert, wobei auch für weitere Beobachtungen und Beiträge von institutionellen und anderen privaten Züchtern dieser Art argumentiert wird.

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